Geht's noch? Staatliche Elektroprämie subventioniert E-Autos im Ausland

Das Center of Automotive Management (CAM) hat in einer Untersuchung darauf hingewiesen, dass ein erheblicher Anteil der Neuzulassungen rein elektrischer Fahrzeuge innerhalb kürzester Zeit nicht mehr in Deutschland zugelassen ist.

Besonders viele BMW, die eine E-Förderprämie erhalten, fahren später im Ausland.| Foto: BMW Group
Besonders viele BMW, die eine E-Förderprämie erhalten, fahren später im Ausland.| Foto: BMW Group
Thomas Kanzler

Das CAM ist ein aus Forschungseinrichtungen verschiedener Fachrichtungen zusammengesetzter Forschungsverbund mit Sitz in Karlsruhe. Ziel ist es, Fragestellungen für Fahrzeuge und Mobilität in ganzheitlicher Sichtweise zu untersuchen und umfassende Konzepte und Lösungen für zukünftige Automobile zu erstellen. Nun haben die Forscher bei verschiedenen Fahrzeugherstellern nachgewiesen, dass es eine eklatante Differenz zwischen Neuzulassungen und dem Zuwachs des Fahrzeugbestandes bei den Stromern gibt.

Fehler im System

Der Studie zufolge wurden zum Beispiel in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 etwa 26.000 Tesla zugelassen. Davon tauchen rund 4.800 Fahrzeuge später im deutschen Fahrzeugbestand nicht mehr auf. Bei BMW berichtet das CAM sogar von einer Differenz von über 20 Prozent. Bei VW bingen fast 6.000 Fahrzeuge im Bestand „verloren“, das entspricht in etwa 11 Prozent der Neuzulassungen. Durchschnittlich lag der Wert bei 12.4 Prozent.

„Die derzeitigen Förderkulissen der Elektromobilität führen entsprechend zu unerwünschten Nebeneffekten und erheblichen Marktverzerrungen“, kommentiert Studienleiter Stefan Bratzel. „Der Gesetzgeber sollte zeitnah entsprechende Anpassungen der Umweltprämie vornehmen. Möglich wäre etwa die Erhöhung der Mindesthaltedauer der Elektrofahrzeuge von 6 Monaten auf 2 bis 3 Jahre. Darüber hinaus sollte längerfristig statt der Anschaffung eher die Nutzung von Elektrofahrzeugen begünstigt werden. Denkbar wären z.B. kostenfreie Kontingente für das Laden der E-Fahrzeuge in den ersten 3 Jahren.“

Einige Händler auf Weiterverkauf ins Ausland spezialisiert

Momentan muss ein Kunde sein E-Auto lediglich mindestens ein halbes Jahr besitzen, um einen Anspruch auf die staatliche Förderung zu haben. Der Wiederverkauf ins Ausland lohnt sich trotz des Wertverlusts aufgrund der Höhe der Förderungen und der geringen Mindesthaltedauer. Immer mehr Händler haben das als Geschäftsmodell erkannt und sich darauf spezialisiert, gebrauchte Stromer nach sechs Monaten ins Ausland zu verkaufen. In Dänemark entfällt etwa für gebrauchte Stromer bei einer Fahrleistung von mehr als 6000 Kilometern die Luxussteuer bei der Zulassung. Dadurch entsteht natürlich eine hohe Nachfrage -und dementsprechend hohe Preise- für junge gebrauchte Elektrofahrzeuge.

Bis zu 240 Millionen an staatlicher Förderung ging ins Ausland

Im Gesamtjahr 2021 gingen für den Umweltbonus Förderanträge für die Anschaffung von 625.260 E-Autos ein. Dafür stellte der Staat die Rekordsumme von 3,1 Milliarden Euro bereit. Die Studie des CAM belegt nun, dass der deutsche Staat auch die Elektromobilität im Ausland durch die Förderung subventioniere. Marktbeobachter schätzen, dass allein im Jahr 2021 bis zu 240 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern für reine Elektrofahrzeuge nicht zweckgemäß verwendet worden sein. Dazu kommt noch der durch die Autohersteller eingebrachten Teils der Anschaffungsförderprämie von derzeit einem Drittel. Insgesamt beläuft sich also die Summe der zweckentfremdeten Mittel auf rund 360 Millionen.

Ampel arbeitet an Neuregelung

Die neue Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP möchte die staatlichen Förderungen neu regeln Die Mindesthaltedauer soll Berichten aus Regierungskreisen zufolge auf ein Jahr erhöht werden. Ab 2023 sollen zudem die Gelder stärker an dem tatsächlichen Klimaschutzeffekt ausgerichtet werden. Hier dürften vor allem die subventionierten Plug-in-Hybride im Fokus stehen.

Was bedeutet das?

Unglaublich, dass erst so viel Geld „verschwindet“, bevor es Pläne zu einer neuen Regelung gibt. Doch die Erhöhung der Mindesthaltedauer auf ein Jahr dürfte allerdings den Händlern einen Strich durch die Rechnung machen. Der Wertverlust frisst da dann den zu erwartenden Gewinn auf.

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