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Geely-Konzern: Londons Hybrid-Taxi strebt nach Deutschland

Die Geely-Tochter LEVC plant, von Sommer an sein Benzin-Hybrid-Taxi auch in Deutschland zu vermarkten, zum Start in Berlin, Stuttgart und München. Hohe Anschaffungskosten von 72.000 Euro, aber auch hoher Nutzwert.

Next Step: Schritt für Schritt verfolgt Geely-Tochter LEVC den von Chairman Carl-Peter Forster zuletzt auf dem CAR-Symposium umrissenen Plan. Ab Sommer kommt die "Black Cab" als "Eggshell"-Variante nach Deutschland. | Foto: J. Reichel
Next Step: Schritt für Schritt verfolgt Geely-Tochter LEVC den von Chairman Carl-Peter Forster zuletzt auf dem CAR-Symposium umrissenen Plan. Ab Sommer kommt die "Black Cab" als "Eggshell"-Variante nach Deutschland. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Die Black Cab nimmt bald "Eierschalenfarbe" an. Der Hersteller des neu aufgelegten Londoner Taxis LEVC, eine 100-prozentige Tochter des chinesischen Autokonzerns Geely, will das neue Modell TX von Sommer an auch in Deutschland vertreiben. Darüber berichtet die Süddeutsche Zeitung. Auch auf der IAA 2017 hatte es bereits diesbezügliche Andeutungen gegeben. Der Kaufpreis des sechsitzigen, mit einem Benzin-Hybrid-Motor angetriebenen Spezialfahrzeugs liegt in Großbritannien bisher bei 72.000 Euro, wovon 8.550 Euro staatlicher Unterstützung abzuziehen wären. Dem stellt der Anbieter günstigere Unterhaltskosten sowie höheren Komfort des mit Glasdach, Rampe, WLAN und sechs bequemen Sitzen bei jeder Menge Kopf- und Beinfreiheit ausgestatteten Fahrzeugs.

Große Ambitionen: Produktionskapazität von 20.000 Autos

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussionen um den Diesel, der speziell in der Taxi-Branche immer noch Standard ist, erklärte LEVC-Chairman Carl-Peter Forster gegenüber der Zeitung, man hätte kein besseres Umfeld für einen Marktstart treffen können. Er hatte bereits auf dem CAR-Symposium in Bochum die über Großbritannien reichenden Ambitionen der in Coventry ansässigen Marke unterstrichen und auf die Produktionskapazität von 20.000 Fahrzeugen hingewiesen. Geely hatte 370 Millionen Euro in die Entwicklung und Fertigung des Hybrid-Taxis investiert. Auch aus den Niederlanden lägen bereits über 200 Bestellungen für das Spezialfahrzeug vor, so Forster.

Knackpunkt: Rentabilität bei kleiner Stückzahl

Aufgabe der Entwickler war es vor allem, bei relativ kleiner Stückzahl eine Rentabilität darzustellen. Das habe man durch zahlreiche produktionstechnische Maßnahmen sichergestellt, so Forster beim jüngsten CAR-Symposium in Bochum. So schöpfe man wo es geht Synergien zur Schwestermarke Volvo, etwa bei kleinen Komponenten wie Türschlössern oder auch großen wie dem Motor, ein 3-Zylinder-Turbobenziner aus dem Baukasten. Bei der Batterie hat man drei Akkus aus dem SUV Volvo XC90 in Reihe geschaltet. Die Karosserie werde nicht aufwändig geschweißt, sondern geklebt, der Klebstoff von Robotern aufgetragen, im Ofen ausgehärtet. Auch die Kunststoffteile würden in preiswerter Kaltklebetechnik verarbeitet. 

Das LEVC Taxi mit der Bezeichnung TX kombiniert den Benzin-Motor mit einem Elektroaggregat von Valeo Siemens, die Lithium-Ionen-Batterien sollen eine rein elektrische Reichweite von 129 Kilometern ermöglichen. Sind sie leer, lädt der Benziner die Speicher wieder auf. In London werden nur noch Taxis zugelassen, die mindestens 48 Kilometer emissionsfrei fahren können.

Was bedeutet das?

Es hatte sich schon auf der IAA 2017 angedeutet, jetzt geht Geely mit seiner Taxi-Tochter den nächsten Schritt: Black Cab goes Eggshell und LEVC strebt auf den Kontinent, wie man aus britischer Sicht immer zu sagen pflegt. Anders hätte sich eine Produktionskapazität von 20.000 Stück in der Fabrik in Coventry auch nicht argumentieren lassen. Man wird sehen müssen, ob das System aus Bezin- und Elektromaschine wirklich so effizient ist, dass es den üppigen Preis rechtfertigt. Die Taxi-Branche ist da bisher sehr konservativ - und Hybriden mit der Toyota Prius Plus zu deutlich günstigeren Kosten längst etabliert. Doch bei der "Egshell Cab" kommt ein weiterer, bei jüngeren Zielgruppen nicht zu unterschätzender Faktor hinzu: Kult. Man steigt durch gegenläufige Portale in britischer Würde ein, sitzt lässig gegenüber und eher wie in einem Bus oder einer rollenden Lounge mit reichlich Velours und Leder, hat WLAN und USB-Anschlüsse zur Verfügung und genießt beste Aussicht durch's Glasdach. Die Taxifahrt wird so zum Erlebnis, nicht nur zum Transportvorgang.

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