Fuhrparkverband erteilt Verbrennerverbot Absage

Der Fuhrparkverband bezieht zu den Aussagen des VDA und des Bundesverbandes Elektromobilität BEM Stellung.

Beim Tausch der Flotten will der Fuhrparkverband den Argumenten des BEM nicht folgen und fordert Technologieoffenheit. | Foto: Peter H. /Pixabay
Beim Tausch der Flotten will der Fuhrparkverband den Argumenten des BEM nicht folgen und fordert Technologieoffenheit. | Foto: Peter H. /Pixabay
Gregor Soller

Jetzt hat sich auch der Fuhrparkverband zu den geplanten Kaufprämien wegen der Covid-19-Pandemie geäußert. Aktuell fordert der VDA fordert Kaufprämien für alle Modelle, der Bundesverband Elektromobilität dagegen nur Prämien für Elektrofahrzeuge. Laut dem Fuhrparkverband scheinen viele Lobbyisten zu glauben, dass aktuell ein günstiger Zeitpunkt sei, Eigeninteressen. Der Staat ist durch Corona im Handlungsdruck gewillt, auch unpopuläre Maßnahmen durch Verbote umzusetzen. Daher wird beispielsweise vom Anbieterverband BEM (Bundesverband Elektromobilität) jetzt gefordert, endlich das absolute Verbot von Verbrennungsmotoren bis 2030 durchzusetzen.

Hier mahnt der Fuhrparkverband zur Vorsicht, denn er BEM ignoriere aus Eigeninteresse alle Fakten in Bezug auf Nachhaltigkeit und Praxistauglichkeit der unterschiedlichen Antriebsarten. Wer jetzt ein Verbot von Verbrennern in nicht einmal zehn Jahren fordert, hat laut Fuhrparkverband offensichtlich keine Ahnung von sozialer Marktwirtschaft und den Ernst der Lage nicht erkannt. Dem Motor unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität jetzt den Saft abzudrehen, ohne eine zuverlässige Alternative in der Hinterhand zu haben, wäre schlicht unverantwortlich.

Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement (BVF) erklärt dazu:

 „Niemandem – außer den Vertretern der Branchen, die das fordern und damit Geld verdienen – ist mit diesen planwirtschaftlichen Ideen und Steuerungsansätzen geholfen. Damit muss Schluss sein. Es gab bereits Subventionen in Milliardenhöhe und dennoch hat sich das E-Fahrzeug nicht wie von vielen gewünscht und seit Jahren angekündigt durchsetzen können.“

Die Investoren und Käufer konnten bisher nicht überzeugt werden, trotz der finanziellen Impulse durch den Staat, so dass Prinzing fragt, ob vielleicht das „Produkt E-Fahrzeug einfach noch nicht in Fläche marktreif“ sei und die Kundenanforderungen nicht erfülle. Deshalb sollen seiner Ansicht nach Verbraucher, Dienstwagenfahrer und Mobilitätsverantwortliche entmündigt werden und dann einfach per Dekret nur noch ein Produkt kaufen dürfen. Laut BEM natürlich ein Elektrofahrzeug. Kaufprämien unter Ausgrenzung von Verbrennern und eine Forderung nach dem Verbrenner-Verbot ab 2030 ignorieren, dass die Automobilindustrie einer unserer wichtigsten Wirtschaftssektoren ist, den wir jetzt, in naher Zukunft und gerade nach Corona dringender denn je benötigen werden. Mit welchem Sachverstand hier von Seiten der Verbrennergegner gearbeitet wird, zeigt der in diesem Zusammenhang beliebte Verweis auf Norwegen, wo aufgrund der exorbitanten staatlichen Zuschüsse nahezu 50 Prozent der Neuzulassungen E-Fahrzeuge sind. 2019 hatte Norwegen gerade einmal 142.381 Pkw-Neuzulassungen. Dies entspricht nicht einmal 50 Prozent der Neuzulassungen, die Deutschland in einem durchschnittlichen Monat hat. Und die norwegische Automobilindustrie würde bei einem Verbrennerverbot sicher nicht leiden, da es sie gar nicht gibt.

Der Fuhrparkverband fordert Sachlichkeit

Im zweiten Teil seiner Stellungnahme gibt sich Prinzing versöhnlicher.

„Zur Vermeidung von Missverständnissen: Der Fuhrparkverband hat sehr großes Interesse an einer Mobilitätswende und arbeitet mit seinen Mitgliedern intensiv dafür, dass eine Verkehrswende mit praktikablen Mobilitätsangeboten umgesetzt wird, die ökologisch und ökonomisch sinnvolle Lösungen parat haben. Solange die Umweltbilanz von E-Autos fraglich und der Antrieb für die meisten Fahrprofile im gewerblichen Bereich noch nicht geeignet ist, macht es keinen Sinn, moderne Benziner und Dieselmotoren zu verbieten.“

Dann fordert auch Prinzing, dass die Autoindustrie endlich ihr Angebot überarbeiten müsse:

„Natürlich muss sich die Automobilindustrie bewegen, natürlich brauchen wir emissionsärmere Fahrzeuge und ein breiteres Modellangebot bei E-Fahrzeugen, aber wir brauchen keine Spargelbauern, die uns ständig sagen, dass allein der Spargel das Allheilmittel ist. Wir brauchen Investitionen in Forschung und Entwicklung und dann sehr gerne das umweltfreundlichste E-Fahrzeug oder das noch bessere Erdgasfahrzeug oder einen Antrieb, an den wir heute noch gar nicht denken“.

Um einen schnellen Hochlauf der Automobilwirtschaft mit über 800.000 Beschäftigten in Deutschland nach der jetzigen Krise zu unterstützen, wird in der Politik wie bereits 2008/2009 über eine Abwrackprämie nachgedacht.

Die Fehler der Abwrackprämie 2008/2009 sollten nicht wiederholt werden

Dabei sollten jedoch nicht die Fehler von damals wiederholt werden und die Unternehmensfuhrparks außen vorgelassen werden. Sie stellen mit über 60 Prozent Anteil an den Neuzulassungen letztlich doch die größte Gruppe. Der VDA fordert Maßnahmen in Form von Kaufprämien. Bei allen Ideen muss die Unterstützung der wichtigen Schlüsselindustrie im Vordergrund stehen, sonst bleiben sie wirkungslos. Eine kluge Berücksichtigung von ökologischen Aspekten darf dabei trotzdem nicht ignoriert werden. Hier fordert der Verband Nachhaltigkeit:

„Bei Abwrackprämien stellt sich die Frage, ob es nachhaltig ist, funktionsfähige Autos in der Schrottpresse zu entsorgen und durch neue zu ersetzen. Bei Kaufprämien bedarf es einer Komponente, die die Nachhaltigkeit der Fahrzeuge die gekauft oder ersetzt werden mit einbezieht. Dabei spielt es aus unserer Sicht keine Rolle, ob eine niedrige Emissionslast durch einen modernen Diesel, ein Erdgasauto oder ein (ehrlich berechnetes) Elektroauto erreicht wird.“ 

Außerdem setzt der Verband auf Forschung, Studien und Analysen, denn nur Glaubensätzen und Antriebsideologien sei niemandem geholfen. Beispiel: Welche Umweltverschmutzung geht vom Straßenverkehr aus? Um das zu untersuchen, hätte man laut dem Fuhrparkverband Messungen machen und im Anschluss eine ganze Zeit lang den Straßenverkehr „abschalten“ müssen. Hätte man dann die Daten verglichen, wäre deutlich geworden, welchen Einfluss der Straßenverkehr und vor allem die so verteufelten Dieselfahrzeuge tatsächlich haben. Natürlich gibt es verkehrsbedingte Schadstoffe und Emissionen, aber durch die Corona-bedingte zeitweise starke Verkehrsreduzierung hatten wir quasi ein natürliches Experiment:

„Und was wir jetzt auf einmal sehen ist, dass diese negative Wirkung, die wir bisher dem Straßenverkehr zugeschrieben haben, überhaupt gar nicht da ist. Man kann gegen Straßenverkehr sein, doch man sollte nicht aus den falschen Gründen gegen etwas sein.“

Deshalb fordert der Fuhrparkverband, dass man solche Ereignisse wie die Entscheidungen zur Virus-Eindämmung nutzen könne, Theorien und Glaubenssätze auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, wie Prinzing erklärt:

 „Plötzlich wird klar, dass Fahrverbote für Dieselfahrzeuge auf der Grundlage falscher Annahmen entschieden wurde. Wir sind eben alle nur Menschen und dürfen Entscheidungen dann auch bedauern und zurücknehmen.“

Was bedeutet das?

In er ganzen Diskussion um eine neuerliche Abwrackprämie mahnt der Der Fuhrparkverband zu Augenmaß und sachlicher Diskussion – und würde im Falle eines Falles bevorzugen, alle Antriebe zu fördern und in diese Förderung auch Fuhrparks mit einzubeziehen.  

 

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