Fuhrparkverband: Abrechnungschaos an Ladepunkten beenden

Die Abrechnung und Tarifierung an öffentlichen Ladesäulen für E-Fahrzeuge findet der Fuhrparkverband BVF schlicht „katastrophal“. Auch amtliche Regelungen sind der Automatisierung hinderlich.

Der BFV moniert nicht die Tarife an sich, sondern deren Vielfalt und das Abrechnungschos. | Foto: BVF
Der BFV moniert nicht die Tarife an sich, sondern deren Vielfalt und das Abrechnungschos. | Foto: BVF
Gregor Soller

Dass es bei der Ladeinfrastruktur immer noch Potenzial vor allem hinsichtlich der Abrechnung und Preisstellung gibt, zeigt das letzte Schreiben des Fuhrparkverbandes. Der moniert, dass die Kosten nicht planbar seien, da die an ein und derselben Ladesäule stark variieren können – unter anderem abhängig davon, ob man Vertragspartner des regionalen Anbieters sind. Zum anderen müssen – je mehr verschiedene Tankpunkte in verschiedenen Regionen man anfährt – die Abrechnungen in der Fuhrparkverwaltung immer noch händisch gebucht und betreut werden. Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement (BVF), meint dazu:

„Das ist kontraproduktiv, verkompliziert und verteuert die Prozesse und macht einen digitalen Workflow unmöglich.“

In Deutschland gibt es immer noch rund 300 verschiedene Ladetarife

Das falle umso mehr ins Gewicht, „je mehr Unternehmen auf Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge in ihren Fuhrparks setzen und je mehr die Reichweiten mit den Mobilitätsanforderungen kompatibel sind.“ Laut BVF gibt es In Deutschland derzeit immer noch knapp 300 Tarife für Autostrom. Konkret bedeutet das, dass die Nutzer von Elektrofahrzeugen eine Vielzahl von Identifizierungs- und Zahlungsmittel benötigen, sofern sie das Geschäftsgebiet des regionalen Anbieters verlassen. Das macht die Ladeinfrastruktur unübersichtlich.

Die meisten Ladesäulen werden laut BVF von lokalen Stromanbietern monopolistisch betrieben, was Hürden beim Stromzapfen bedeutet, denn die Zahlungssysteme variieren je nach Anbieter und können laut BVF so schnell zur Kostenfalle werden. Insbesondere wenn E-Fahrzeuge oder Plug-In-Hybride aus einem Firmenfuhrpark für Dienstfahrten quer durch die Republik genutzt werden sollen, stellt das Laden eine echte Herausforderung dar.

Kunterbunt: Diverse App, Chips oder Karten

Derzeit sind je nach Anbieter unterschiedliche Apps, Chips oder Tankkarten notwendig für die Kunden- und Kontenidentifizierung. Ist man zum ersten Mal in einer Region, bleibt einem der Zugang zur Ladestation mangels Registrierung im Netzwerk schnell auch mal verwehrt oder man muss größere Umwege in Kauf nehmen. Auch die Apps und Webseiten mit bundesweiten Ladesäulenkarten zeigen häufig nicht an, wer wo Strom zapfen darf. Das stellt nicht nur Kunden und Kundinnen vor blockierte Ladestationen, auch die Administration eines Fuhrparks wird dadurch unnötig erschwert.

Amtliche Bestimmungen verhindern Automatisierung

Viele Prozesse können aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen nicht automatisiert werden. Eine Harmonisierung des Bezahlsystems an den Ladestationen ist daher dringend notwendig. Und oft erhalte man trotz gesetzlicher Bestimmungen vorab oftmals keine Informationen über die Kosten. Zum anderen unterscheiden sich auch die Abrechnungsmodelle stark, laut Schäfer „gerade bei Nicht-Vertragskundinnen oder -kunden eines Stromanbieters“, die dann mit deutlich höheren Kosten rechnen müssen. Deshalb fordert er:

„Roaming-Optionen für Ladesäulen sind zwar mittlerweile kein Fremdwort mehr. Bis sich Modelle wie dieses jedoch flächendeckend verbreitet haben, wird es noch dauern. Und das geht insbesondere zulasten der Unternehmen, die Elektrofahrzeuge bundesweit einsetzen wollen.“

Ein Provider sollte die Abrechnung zentral übernehmen

Die Abrechnung solle laut BVF idealerweise über einen Provider erfolgen können, denn für Flotten sei das Hauptproblem derzeit nicht der Preis, sondern der administrative Aufwand. Mit der Harmonisierung würde eine große Hürde für Unternehmen beseitigt, den Anteil an E-Fahrzeugen in ihren Flotten zu erhöhen. Damit würde gleichzeitig ein wichtiger Hebel beim Umstieg zu neuen Technologien aktiviert, denn Unternehmen sind mit mehr als 60 Prozent aller Neuzulassungen die wichtigsten Autoeinkäufer.

Deshalb freue sich der Der BVF über die Initiative der Bundesnetzagentur, hier für eine Harmonisierung zu sorgen. Die Bundesnetzagentur hatte jüngst ein Konsultationsverfahren eingeleitet, um die Netzzugangsbedingungen für Autostrom zu verbessern. Marktteilnehmer und Verbände können sich bis zum 22. Juli 2020 äußern. Schäfer meint dazu:

„Die Abrechnungswege öffentlicher Ladestationen sind undurchsichtig. Das ist nicht nur verbraucherunfreundlich, sondern erschwert auch die Verwaltung von Fahrten mit E-Autos im Fuhrparkmanagement. Das Thema ist lange nicht wirklich aufgefallen, weil es einfach zu wenige E-Fahrzeuge gab. Wir begrüßen, dass die Bundesnetzagentur es nun endlich angeht, denn das ist nicht der einzige, aber einer der Gründe, warum Unternehmen, bei Elektrofahrzeugen zurückhaltend sind.“

Die Bundesnetzagentur will Betreiber durch eine ab April 2021 gültige Regelung dazu bringen, auch den Strom der Konkurrenz anzubieten – und zwar zu deren Tarifen und Konditionen. Das würde bedeuten, dass man einen Vertrag mit einem Versorger abschließen und zu den so vereinbarten Konditionen an allen öffentlichen Ladestationen andocken kann. Bleiben die Fragen offen, welche Preise sich die Behörde vorstellt und wie die Änderungen mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar sind. Schäfer warnt deshalb:

„Da bis jetzt die rechtliche Grundlage fehlt, drohen die Änderungen in freiwilligen Selbstverpflichtungen zu enden. Hier muss die Politik nachbessern.“

Was bedeutet das?

Von den geforderten Maßnahmen würden alle profitieren: Die Betreiber sollen von den Wettbewerbern angemessen bezahlt werden. Die Kunden wären flexibler und könnten mit einheitlichen Preisen kalkulieren. Sie müssten auch keine unzähligen Apps auf dem Smartphone oder mehrere Tank-, Ladekarten oder Kreditkarten mit sich führen. Für Fuhrparkverantwortliche würde sich durch ein schlankeres Abrechnungssystem die Administration und dadurch auch der Zeitaufwand erheblich reduzieren. In der Konsequenz würden reine Elektroautos attraktiver werden, was sich auch positiv auf das Klima auswirken würde – spätestens, wenn sich die Ökobilanz der Fahrzeuge auch gegenüber moderner Dieselmotoren weiter verbessert.

 

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