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Fuel-Cell-Tagebuch 4: Wasserstoffmobilität beginnt jetzt - vor allem im Winter und auf der Autobahn!

Als unschlagbar erweist sich der Hyundai Nexo gegenüber Batterie-Stromern nicht nur im Betrieb auf der Autobahn, sondern auch im winterlichen Einsatz. Energie für Heizung, Lüftung, Klima ist einfach satt vorhanden.

Kurios: Die H2-Säule in Fürholzen West funktionierte, brachte aber den Druck für einen komplett vollen Tank nicht auf. Dafür war das Tanken kostenlos! | Foto: J. Reichel
Kurios: Die H2-Säule in Fürholzen West funktionierte, brachte aber den Druck für einen komplett vollen Tank nicht auf. Dafür war das Tanken kostenlos! | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Wie cool ist das denn: Nach einer kalten Winternacht in ein Elektroauto einsteigen, Sitzheizung, Lenkradheizung, Fahrzeugheizung an und dann das: Die Reichweitenanzeige des Hyundai Nexo zuckt nicht mal mit der imaginären Wimper. Zack ist es warm! Endlich mal ein Elektroauto, in dem man sich nicht entscheiden muss: Komme ich weit oder warm? Auch die obligate Autobahnfahrt quittiert der Fuel Cell-Technologie-Bolzen aus Korea nur mit einem Achselzucken: 140 km/h Marschgeschwindigkeit, na und, war da was? Wo man jeden Stromer zart und behutsam im gehobenen Lastertempo über die Piste führt und das Gaspedal allenfalls streichelt, um die kälteempfindliche Energie nicht zu schnell aus den Akkus zu treiben, marschiert man mit dem Nexo wie mit jedem anderen Pkw der gehobenen Mittelklasse. Die Reichweite wird linear und bestens berechenbar abgebaut, bis zum Schluss ist Verlass auf die "Wasserstoffstandsmeldung" aus den Hochdrucktanks.

Schildbürgerstreich: H2-Tanken nur in Richtung Süden

Wofür der Huyndai nichts kann: Leider ist die vom Bundesverkehrsministerium großspurig als "Raststätte der Zukunft" eröffnete Anlage in Fürholzen-West nur aus Richtung Norden zugänglich. Die Zukunft gibt's also nur in Richtung Süden. Was einem eine großräumige Eherenrunde einbrockt zur nächsten Ausfahrt und wieder retour. Was für ein Quatsch vom Format eines Schildbürgerstreichs. Als wir an der Säule ankommen, deren Funktion wir - gebranntes Kind - vorher sichergestellt haben, das nächste Kuriosum: Die H2-Anlage ist zwar in Betrieb, weist aber einen zu geringen Druck auf, sodass die H2-Speicher unseres Nexo nicht komplett gefüllt werden können. Immerhin: Für 462 km genügt es. Und als kleines "Zuckerl" lassen sie die wenigen Fuel-Cell-Fahrer derzeit kostenlos (aber nicht umsonst) tanken. Ob das "ok" geht, fragen wir vorsichtshalber beim Tankwart, nicht dass man hier als Zechpreller in die Geschichte der Wasserstoffmobilität eingeht. Doch der lacht nur ob des sonderbaren und offenbar seltenen Tankgasts und winkt einen fröhlich weiter: "Ach, das ist diese seltsame H2-Säule", scheint sein Blick zu sagen.

Tolle Vorstellung: Ein Auto, das die Luft sauberer macht

Frohgemut, dass es diesmal doch geklappt hat, ziehen wir von dannen mit sicheren 460 Kilometern auf den Flaschen und checken mal mit der gut gemachten Reichweitenanzeige, welchen Radius wir damit beschreiben könnten: Prag, Wien oder vielleicht doch bis Zagreb? Das ist ja fast wie mit dem Verbrenner hier. Und, noch schnell die Umweltbilanz geprüft: Neben der CO2-Einsparung listet der Hersteller auch auf, wieviel Atemluft unser Nexo gesäubert hat. 80 kL, so viel, wie fünf Erwachsene täglich schnaufen. Ok, das mag jetzt mehr ein Gag sein, aber hey, wie cool ist das denn: Ein Auto, das die Luft nicht verpestet, sondern sauberer macht. Mag Augenwischerei sein und quasi eine Träne im Ozean, aber hey, was für ein großer, utopischer Gedanke! 

Weder Schall noch Rauch: Der Nexo lässt fröhlich Dampf ab

Das Beste aus unserem kleinen Fuel-Cell-Tagebuch zum Schluss: Als wir das Fahrzeug nachts abstellen, schnauft er uns noch recht freundlich zu uns entsendet wohlige Wasserdampfschwaden wie aus dem Dampfbad in den Münchener Nachthimmel. Wahrlich, ein magischer Moment. Unser Fazit: Für diesen Technologie- und Intelligenzbolzen lassen wir jeden Tesla stehen, jeden konventionellen Audi A6 oder auch BMW 5er-Hybrid sowie so. Wenn man jetzt das H2 aus dem ohnehin massig überschüssigen Windstrom (keine Leitungen nach Bayern!) produziert, den Problemrohstoff Platin reduziert gilt und die Tankinfrastruktur zuverlässiger wird: So macht Elektromobilität wirklich Sinn. Denn es ist Mobilität (fast) ohne Einschränkungen.   

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