FreeNow: Verkaufen BMW und Daimler die Plattform an Uber?

Die ungeliebte Tochter soll Medienberichten zufolge an Uber verkauft werden. Der US-Anbieter erhofft sich Zugang zum europäischen Taxi-Markt. Zuletzt hatte FreeNow die Emmy-Roller in seine App integriert.

Über kurz oder lang: Über den Verkauf von FreeNow wurde bereits spekuliert, jetzt will offenbar Uber übernehmen. Und verfolgt langfristige Interessen. | Foto: FreeNow
Über kurz oder lang: Über den Verkauf von FreeNow wurde bereits spekuliert, jetzt will offenbar Uber übernehmen. Und verfolgt langfristige Interessen. | Foto: FreeNow
Johannes Reichel

Nach einem Bericht des Manager Magazin erwägen Daimler und BMW den Verkauf ihres Mobilitäts-Joint-Ventures Free Now an den US-Fahrdienstleister Uber. Es soll jeweils Angebote von Uber-Chef Dara Khosrowshahi über dreistellige Millionenbeträge an die Autohersteller geben. Insgesamt ist über eine Milliarde Euro im Gespräch, die auch über Aktientausch fließen könnten, wie die Süddeutsche Zeitung erfahren haben will. Die Plattform gilt als europäischer Marktführer im Bereich der app-basierten Taxi- und Fahrdienstleistungen. Dennoch ist es offenbar ein Zuschussgeschäft, das ständiger Incentivierung bedarf. Zudem brach in der Corona-Krise die Nachfrage ein. 

Für Uber hätte der Deal den Vorteil, dass man Zugang zum großteils streng regulierten Markt der Taxi-Dienstleistungen erhielte, auf den man bisher keinen richtigen Zugriff in Europa hat. Innerhalb des Joint-Ventures ist die Interessenlage allerdings unterschiedlich. Während Daimler-Chef Ola Källenius von jeder Sparte für sich Rentabilität erwartet und auch Betriebsratschef Michael Brecht forderte, den Verkauf von FreeNow und ShareNow zu erwägen, denkt man bei BMW auch daran, dass es künftig wohl weniger Fahrzeuge in Privatbesitz geben wird. Hier hielte man sich mit Free Now die Option von Fahrdienstleistungen weiter offen, neben dem Carsharing im Rahmen von ShareNow.

Weiterer Ausbau der App: Emmy-Roller integriert

Erst vor wenigen Tagen hatte das in Hamburg ansässige Joint-Venture die Integration der Emmy-Elektro-Roller in seine App verkündet. Diese sollen in Hamburg, München mit je 400 Exemplaren und Berlin mit 800 Scootern buchbar sein.

„Wir wollen unseren Kunden verschiedene Möglichkeiten aus einer Hand anbieten und den Städten mit nachhaltigen Lösungen dabei behilflich sein, den Individualverkehr zu reduzieren", erklärte Deutschland-Chef von Free Now, Alexander Mönch.

Mit Emmy habe man einen starken Partner gewinnen können, der diese Kriterien erfülle und dabei eine junge, urbane Zielgruppe anspreche.

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