Fraunhofer ISI entwirft europäische Ladeinfrastruktur für Lkw

Elektrifizierung des Schwerverkehrs gelingt nur mit genug Ladepunkten. Prädestiniert wären für Fraunhofer ISI autobahnnahe Rastplätze, Firmen und Logistikspots - Fokus auf Ballungsgebiete.

Neben autobahnnahen Rastplätze werden Firmen einen wichtige Rolle beim AUfbau der Ladeinfrastruktur für Lkw spielen. (Foto: C. Harttmann)
Neben autobahnnahen Rastplätze werden Firmen einen wichtige Rolle beim AUfbau der Ladeinfrastruktur für Lkw spielen. (Foto: C. Harttmann)
Johannes Reichel
von Christine Harttmann

Batterieelektrische Lkw können einen großen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehr leisten. Da sie jedoch meist lange Strecken zurücklegen, braucht es ein großes Ladeinfrastrukturnetz in ganz Europa. Nur so kann den begrenzten Reichweiten begegnet werden. In diesem Kontext analysiert eine neue Studie des Fraunhofer ISI, die im Auftrag des europäischen Automobilherstellerverbandes erstellt wurde, mögliche Ladepunkte für batterieelektrische Lkw in Europa. Die Analyse basiert auf Daten von 400.000 Lkw und 750.000 einzelnen Haltepunkten aus 35 europäischen Ländern.

Koordiniertes Vorgehen in Europa

Die begrenzte Reichweite batterieelektrischer Lkw erfordere Schnellladungen mit hoher Leistung – bei kurzen Pausen im Fern- oder Regionalverkehr – und mit mittlerer Leistung bei längeren Stopps, so die These. Daher gelte es Ladeinfrastruktur für E-Lkw in ganz Europa koordiniert aufzubauen. Die Standorte der zukünftigen Ladepunkte sollten laut Fraunhofer im Idealfall so gewählt sein, dass sie zum aktuell vorhandenen Logistiknetz passen und einen optimalen Anschluss an aktuelle Standorte für längere Stopps vieler Fahrzeuge gewährleisten.

Analyse von Lkw-Haltestandorten

Um mögliche künftige Standorte zu identifizieren, analysierte eine neue Studie des Fraunhofer ISI 30.000 aggregierte Lkw-Haltestandorte. Die Standort-Daten basieren auf detaillierten Informationen über die Logistikaktivitäten von rund 400.000 Lkw und 750.000 einzelnen Halteorten und wurden von sieben OEM in Europa gesammelt. Der Datensatz kann bei der Planung einer zukünftigen Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lkw helfen und liefert detaillierte Informationen für Langstrecken-Halteorte in 35 Ländern und regionale Halteorte in 23 Ländern.

Die Studie zeigt, dass sich die Lkw-Haltesorte um stark besiedelte Gebiete in Mitteleuropa konzentrieren. Dies gilt im Besonderen für wichtige Industriegebiete und Großstädte – zum Beispiel für Norditalien, Paris, den Großraum Manchester, Berlin oder Frankfurt. Zudem sind sie entlang europäischer Hauptverkehrsachsen angesiedelt. Die Halteorte der Lkw im Regionalverkehr liegen meist sehr nah an jenen des Lkw-Fernverkehrs. Eine Zusammenfassung der regionalen Lkw-Standorte zu Clustern offenbarte, dass 90 Prozent dieser regionalen Cluster-Standorte weniger als 600 Meter von Fernverkehrs-Lkw-Cluster-Standorten entfernt sind. Dementsprechend eignen sich die Standorte für regionale Ladepunkte auch für Fahrzeuge im Fernverkehr.

Gewusst wo: Einige hundert Standorte genügen

Die Studie liefert auch erste Hinweise bezüglich der Standortart: Bei etwa einem Drittel bis zur Hälfte handelt es sich um autobahnnahe Rastplätze, bei einem Viertel bis zu über einem Drittel um Firmenstandorte beziehungsweise wichtige logistische Standorte und bei ein bis fünf Prozent um Häfen und Fährterminals. Für einen nennenswerten Anteil – etwa der Hälfte der analysierten Standorte – bleibt die konkrete Standortart in dieser ersten Analyse allerdings unklar. Basierend auf diesen Ergebnissen leitet Dr. Patrick Plötz, der die Studie am Fraunhofer ISI koordinierte, folgende Schlussfolgerungen hinsichtlich der Ladeinfrastruktur für Elektro-Lkw ab:

„Laut unserer Analyse potenzieller öffentlicher Ladestandorte sollte eine künftige Ladeinfrastruktur für Lkw einige hundert Standorte in großen Ländern wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich, einige Dutzend Standorte für die meisten anderen europäischen Länder und weniger als zehn Standorte für kleinere Länder wie Luxemburg, Irland, Lettland, Kroatien oder Estland umfassen.“

Plötz hebt dabei besonders die gute Anbindungsmöglichkeit an die bestehende Infrastruktur des Lkw-Fernverkehrsnetzes hervor: Schließlich liege die durchschnittliche Entfernung von diesen potenziellen öffentlichen Ladestationen zu allen anderen Lkw-Halteorten typischerweise zwischen zwei und fünf Kilometern.

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