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Formel E: Porsche-Auftakt nach Maß!

Beim Formel-E-Auftaktrennen in Mexiko vor 45.000 Zuschauern konnte Porsche zusammen mit dem siegreichen Kundenteam Envision einen Doppelsieg feiern! Es gewann Jake Dennis auf Avalanche-Andretti-Porsche.

In Mexico gewann Jake Dennis auf Avalanche-Andretti - mit Porsche-Antrieb. | Foto: FIA Formula E
In Mexico gewann Jake Dennis auf Avalanche-Andretti - mit Porsche-Antrieb. | Foto: FIA Formula E
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Gregor Soller

Es hat lange gedauert: Bisher musste sich Porsche in der Formel E allzu oft mit mittleren Platzierungen begnügen. Selten fuhren die Zuffenhausener vorn mit und noch seltener aufs Podium. Umso stärker das erste Rennen mit den Gen-3-Autos: Hier fuhren gleich drei Porsche-motorisierte Racer auf die ersten vier Plätze, womit die Zuffenhausener sich hier (endlich) die lang ersehnte Favoritenrolle herbeikonstruiert haben.

Aber auch sonst hat sich sehr viel geändert: Neben neuen Antrieben und Karosserien löste Hankook nun Michelin als Reifenpartner ab. Und erstmals fand das bedeutende Auftaktrennen einer Formel-E-Saison nicht auf dem asiatischen Kontinent statt. Und: Die Strecken werden länger: Mit gut 107,6 Kilometern Länge ist der neue Mexico City E-Prix das längste Rennen der Formel-E-Geschichte. Bisher hielt diesen „Rekord“ Berlin Tempelhof 2018 mit knapp 106,8 Kilometern gefahren.

Doch beginnen wir mit den Vorbereitungen: Selten gab es im Vorfeld einer Saison hinter den Kulissen so viele Sorgen rund um die Zuverlässigkeit, die Sicherheit und neuerdings auch einen Mangel an Ersatzteilen. Doch der Der Saisonauftakt in Mexiko-City gelang problemlos und für Porsche fulminant. Auffällig: Die neuen Autos sind komplexer und haben auch vorn Antriebe, weshalb sich die Fahrer in Sachen „Kontakt“ auffällig zurückhielten. Trotzdem gab es für die jetzt 350 kW (476 PS) starken Gen3-Boliden mehrere Re-Starts nach insgesamt drei Safety-Car-Phasen. Den Anfang machte eine Kollision von Frijns, bei der er sich das Handgelenk brach, dann fiel Bird die Technik aus und am Ende hatte Mortara einen Unfall. Bis zur letzten Saison nutzten die Fahrer solche Restarts immer gern für wilde Positionskämpfe, teils mit heftigem Fahrzeugkontakt – je später das Rennen, desto heftiger. Doch diesmal blieben alle viel vorsichtiger, wohl auch aus Sorge um die komplexe Technik an der Vorderachse.

Mit Andretti und Penske mischen zwei große US-Namen mit

Trotzdem war das Rennen auf seine Art spannend. Denn niemand hätte geglaubt, dass Jake Dennis mit dem jetzigen „Porsche-Kundenteam“ Andretti einen sehr schnellen Sieg mit fast acht Sekunden Vorsprung schaffen würde – in der Formel E eine Welt! Seinen Sieg holte der Red-Bull-Testfahrer vom zweiten Startplatz aus, indem er Pole-Setter di Grassi überholte. Dessen Pole war die zweite Überraschung, denn die letzte schaffte er 2017- gefühlt vor Urzeiten. Zwar musste er auf seinem Mahindra noch einen Platz abgeben, schaffte aber trotz Energiemangels am Ende Rang drei. Andrettis Neuzugang Andre Lotterer schaffte den vierten Platz. Rang fünf holte Jake Hughes auf Neom Mc Laren mit Nissan-Antrieb: Der Brite musste sich erst in der letzten Runde Verfolger Lotterer geschlagen geben. Ärgerlich für Mc Laren: DTM-Star und jetztiger McLaren-Teamkollege Rene Rast fiel kurz vor dem Rennende aus. Die Top-10 in den Punkterängen komplettierten Sebastien Buemi auf Envision, Antonio Felix da Costa auf dem zweiten Porsche, Mitch Evans auf Jaguar, Nick Cassidy auf dem zweiten Envision und der amtierende Weltmeister Stoffel Vandoorne, der für DS Penske wenigstens noch einen Punkt holte. Die Punkte knapp verfehlt hat Maximilian Günther auf Maserati: Er fuhr immerhin von Rang 17 aus auf den elften Platz vor. Und Nissan und Mc Laren? Fuhren bis auf Rabng fünf eher durchwachsene Ergebnisse ein. Auch Abt Cupra mit Mahindra-Antrieben hatte wenig Glück: Nico Müller fuhr auf Rang 14, Frijns fiel nach seinem Unfall aus.

Attack Mode: Neue Regelung macht das Rennen wider Erwarten nicht unbedingt spannender

Die neue Attack-Mode-Regelung lässt Fahrern und Teams viel mehr Möglichkeiten. Bisher waren Zahl und Dauer der Zusatzleistung von der FIA genau vorgeschrieben. Jetzt können die Teams wählen, wie sie den Power-Boost in zwei Phasen in 2+2 oder 1+3 Minuten nutzen. Was die taktik spannender machen sollte, wurde eher zum Langeweiler, denn im ersten Rennen schien man damit eher Plätze zu verteidigen als – wie der Name sagt – Attacke zu fahren, um Plätze gutzumachen. Die einzige war Pascal Wehrlein, der sich mittels Attack Modes vom sechsten Startplatz auf das Podium vorboostete.

Neue Favoriten, starke Kundenteams 

Am Ende überraschten neben den Porsche-Antrieben auch Di Grassi im Mahindra und Jake Hughes' starker Auftaktrang 5 beim McLaren-Debüt mit Nissan-Antrieben. Auch Jaguar darf wieder hoffen, denn vor allem die beiden Envision-Kundenwagen zeigten Potenzial. Erstaunlich schwach starteten die Stellantis-Racer von DS und Maserati, obwohl man dort massiv aufrüstete: DS wechselte zum Partner Penske und setzte Weltmeister Stoffel Vandoorne und den Zweifach-Champion Jean-Eric Vergne ins Cockpit und das „Kundenteam“ Maserati hat mit Maximilian Günther und Edoardo Mortara ebenfalls starke und erfahrene Formel-E-Profis am Steuer. Auch das Gesamtspeed blieb noch unter den Erwartungen: Die Gen3-Racer waren nicht dramatisch schneller, was aber auch an einer zusätzlich verbauten Schikane auf der Gegengeraden der Hauptgeraden lag – sie bremste das Feld aus. Doch in einzelnen Sektoren waren die Gen-3-Autos dann doch merklich schneller als ihre Vorgänger.

Auch die neuen Reifen ändern einiges

Dass die Autos auf schwierigen Passagen schneller waren, könnte auch mit an den neuen  Hankook-Sohlen liegen. Die Anforderungen der FIA an die neuen Pneus war, dass sie noch länger halten, weniger schnell abbauen und grundsätzlich robuster ausgelegt ein sollten. Und: Es blieb bei Allwetterreifen, die einst den Nachteil hatten, unter nassen Bedingungen gegen Rennende massiv abzubauen, so dass es dann gerne nochmal krachte. Doch Grip und Speed beißen sich nun mal, weshalb man immer lauter darüber nachdenkt, auch bei der Formel E mit Slick- und Regenreifen zu operieren, um das wahre Potenzial der Autos heben zu können – die wegen „Seriennähe“ eben auch mit Allwetterrrillenreifen fahren müssen, wenngleich diese wenig mit Hankooks gleichnamigen iON-Serienpneus zu tun haben, wie uns Hankooks Motorsportdirektor Manfred Sandbichler erklärte.

Was bedeutet das?

Auftakt geglückt, Rekord verfehlt – so könnte man grob das erste Formel-E-Rennen des Jahres beschreiben. Denn es gab durchaus Überraschungen und spannende Momente samt neuer Namen auch auf dem Podium, doch die Quoten hob das nicht dramatisch. Wie das Portal Motorsport-Magazin.com meldet, waren die Zuschauer bei ProSieben zur Prime Time am Samstagabend „überschaubar“: 1,8 Prozent Marktanteil gesamt – das entspricht rund 480.000 Zuschauern und 4,0 Prozent Marktanteil (das sind laut Portal Motorsport-Magazin.com 230.000 Zuschauer) in der Zielgruppe lagen „unter dem Vorjahresschnitt“.  Man darf deshalb auch gespannt sein, wie sich das Format generell entwickelt.

 

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