Formel E: Mercedes EQ verteidigt beide Titel

Der Belgier Stoffel Vandoorne hat auf Mercedes EQ die Formel-E-Meisterschaft gewonnen – womit Mercedes EQ in seiner letzten Saison den Titel in der Marken- und Fahrerwertung verteidigte.

Stoffel Vandoorne wurde auf Mercedes EQ Weltmeister - womit Mercedes EQ auch den Markentitel verteidigt hat. | Foto Mercedes-Benz
Stoffel Vandoorne wurde auf Mercedes EQ Weltmeister - womit Mercedes EQ auch den Markentitel verteidigt hat. | Foto Mercedes-Benz
Gregor Soller

Eigentlich schade, das Mercedes-Benz aus der Formel E aussteigt – denn die Sternenmarke holte diese Saison Fahrer- und Markentitel. Beim finalen Rennwochenende in Seoul reichten Vandoorne ein fünfter und ein zweiter Platz zum Titelgewinn. Es war ein spannendes Finale, an dem es für Mitch Evans auf Jaguar und Stoffel Vandoorne auf Mercedes EQ um alles ging.

Lange geplant war das erste Rennwochenende in Seoul – übrigens das 99. Und 100ste in der Geschichte der Formel E. Und im Gegensatz zu den europäischen Strecken, die allesamt trockener denn je gewesen wären, gab es in Südkorea Regen – noch im Qualifying am Samstag und bis zum Rennstart blieb die Strecke feucht. Das sorgte gleich zum Ende der ersten Runde für einen Crash von acht Fahrzeugen, von denen nur zwei das Rennen nach dem Restart wieder aufnehmen konnten.

Evans stand massiv unter Druck

Darunter die beiden Titel-Anwärter Vandoorne und Evans. Der Neuseeländer hatte sich im Jaguar in der ersten Runde bis zum Rennabbruch von Startplatz 3 auf Platz 1 nach vorn gearbeitet und konnte diese Position auch nach dem Neustart bis ins Ziel verteidigen. Nach dem Crash und dem Restart blieb das Rennen dann vergleichsweise unspektakulär: Vandoorne blieb hinter der Spitzengruppe und fuhr einen sicheren fünften Platz ins Ziel: Aus London brachte er komfortable 36 Punkte Vorsprung mit, von denen noch 21 blieben. Zwar konnte Evans mit 25 Punkten für den Sieg im allerletzten Rennen rechnerisch noch Meister werden, doch dazu musste er gewinnen und Vandoorne hätte nicht mehr als drei Punkte holen dürfen. Womit der Druck auf en Neuseeländer ungleich höher war als auf den Belgier Vandoorne.

Doch schon in der Qualifikation patzte Evans: Er verpasste die Pole und – was noch schlimmer war, musste als 13. im Mittelfeld ins Rennen gehen. Vandoorne startete dagegen von Platz 4. Aus dem er dann noch Rang drei respektive zwei machte: Denn im hitzigen Gefecht um Rang zwei schob der Brite Jake Dennis im Andretti António Félix da Costa im DS-Techeetah von der Strecke, womit der ans Ende durchgereicht wurde. Dafür erhielt Dennis fünf-Sekunden Zeitstrafe: er kam zwar als Zweiter ins Ziel fiel aber mit der Strafe hinter Vandoorne zurück.

Mortara fuhr ein fulminantes letztes Rennen

Nochmal stark zurück kam im aller letzten Rennen der Schweizer Edoardo Mortara auf dem Venturi, dem „Kundenteam“ das auch Mercedes-Antriebe nutzt. Während er am, Samstang noch im wahrsten Sinne des Wortes im Regen unterging, fuhr er am Sonntag ein fulminantes letztes Rennen. In der Meisterschaft reichte das für Platz 3 hinter Vandoorne und Evans. Bitter für Evans: Vandoorne gewann in dieser Saision nur ein einziges Rennen in Monaco, fuhr aber permanent stark. Auch Mortara holte vier Rennsiege, hatte aber wie Evans auch einige punkteseitige „Ausfälle“, während der neue alte Weltmeister in dieser Saison in jedem Rennen ins Ziel kam und fast immer Punkte holte. Nur beim dritten Rennen in Mexiko ging er auf Rang elf leer aus. In allen anderen Rennen sammelte er kontinuierlich Zähler für Zähler – am Ende 13 Mal in Folge, was ein neuer Rekord in der Formel E ist, die bisher vor allem dadurch spannend war, dass es eher wenig Kontinuität gab. Am Ende setzte sich Vandoorne mit 213 Punkten vor Evans mit 180 und Mortara mit 169 Zählern klar durch.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Dank der 213 Punkte von Vandoorne und den 106 Zählern, die der Vorjahres-Weltmeister Nyck de Vries beisteuerte, konnte Mercedes-EQ auch seinen Hersteller-WM-Titel verteidigen. Wie gut der Mercedes-Antriebsstrang sein muss, bewies das „Kundenteam“ RoKit-Venturi auf Rang zwei mit 295 Punkten vor DS Techeetah mit 266 zählern. Das Podium verpasste hier Jaguar mit 231 Punkten vor Envision Virgin (noch mit dem Audi-Antrieb), wo man 194 Punkte holte. Andretti - noch mit dem BMW-Antrieb holte noch 150 Punkte.

Nächste Saison wird alles anders: Abt, Maserati und McLaren steigen ein

Nächstes Jahr wird allerdings alles anders, denn dann geht die dritte Generation der Formel-E-Racer an den Start, und damit neue Teams und Motorenhersteller: Mercedeszeiht sich zurück und auch die Kunden-Antriebe von BMW und Audi gibt es dann nicht mehr. Deshalb steigt Envision von Audi auf Jaguar um, Venturi dürfte unter Maserati-Flagge fahren - mit den Antrieben der Stellantis-Schwestermarke DS, während DS selbst sich von Techeetah trennt und künftig mit Dragon kooperieren könnte. Abt wird zurückkehren – mit Mahindra-Antrieben und Andretti könnte wiederum Porsche-Kundenteam werden. Die Mercedes-Mannschaft wird zum Neu-Einsteiger McLaren wechseln, der auf Antriebe von Nissan setzt.

Und auch das Fahrerkarussell dreht sich bereits heftig: Weltmeister Vandoorne fährt auch nächstes Jahr und dürfte für DS-Dragon starten – neben dem zweifachen Ex-Champion Jean-Éric Vergne, der DS erhalten bleibt. Den DS-Sitz frei gemacht hat Ex-Champion António Félix da Costa, der zu Porsche wechseln wird und neben Pascal Wehrlein startet. André Lotterer bleibt bei Porsche, soll sich aber auf das Projekt mit dem Hybrid-Rennwagen 963 Hybrid für die Langstrecken-WM und die 24 Stunden von Le Mans konzentrieren. Gerüchteweise könnte der gebürtige Duisburger aber auch 2023 in der Formel E fahren – für das Porsche-Kundenteam Andretti. Für Porsche ar die letzte Saison mit Rang sieben in der Gesamtwertung eher enttäuschend – da können nueu gemischte Karten auf jeden Fall helfen.

Was bedeutet das?

Die letzte Formel-E-Saison der Gen2-Racer war wieder spannend wie immer – und brachte einen unauffälligen Champion zu Tage: Denn Vandoorne gewann nur ein Rennen, wurde aber trotzdem Meister, während die Seriensieger Evans und Mortara sich mit Rang zwei und drei begnügen mussten.

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