Formel E: Mercedes-Benz EQ wird mit Nyck de Vries Fahrer- und Markenmeister

Auch diesmal blieb die Formel E bis zum allerletzten Lauf spannend: Am Ende genügte Nyck de Vries als Meisterschaftsführendem beim letzten Lauf in Berlin ein achter Rang, um für sein Team beide Titel zu holen.

Trotz verpatztem Samstagsrennen genügten Nyck de Vries und Mercedes Benz EQ die Sonntagsergebnisse und die starke Gesamtsaison, um den Fahrer- und Markenmeister zu stellen. | Foto: Mercedes-Benz
Trotz verpatztem Samstagsrennen genügten Nyck de Vries und Mercedes Benz EQ die Sonntagsergebnisse und die starke Gesamtsaison, um den Fahrer- und Markenmeister zu stellen. | Foto: Mercedes-Benz
Gregor Soller

Nyck de Vries hatte als Meisterschaftsführender trotz einem schwachen vorletzten Rennen die beste Ausgangsposition, um sich die Formel-E-Krone zu holen – doch diese Chance hatten auch zahlreiche hoch ambitionierte Kollegen, die sich im Qualifying zu allerletzten Lauf der aktuellen Saison bessere Startpositionen sichern konnten. Doch sie spürten das ganze mögliche Drama spannender Rennen, das am Ende der Franzose Rookie Norman Nato (FRA) auf ROKIt Venturi E Racing gewann – der damit seinen ersten Sieg überhaupt holte.

Ein erster Crash gleich beim Start

Weniger Glück hatte sein Teamkollege Edoardo Mortara gleich zum Start: Mitch Evans‘ Jaguar blieb am Start stehen und Mortara krachte ihm so nachhaltig ins Heck, dass beide das Rennen abbrechen mussten – womit gleich zwei starke Fahrer ausschieden. Es kam zum Restart und diesmal erwischte es einen weiteren Titelaspiranten: Bei Jake Dennis auf BMW i Andretti Motorsport blockierten die Hinterreifen in der Anbremsphase zur ersten Kurve und er rutschte in die Mauer.

Vorn setzten sich derweil Stoffel Vandoorne auf Mercedes-EQ, Oliver Rowland auf Nissan e.dams und und Norman Nato ROKiT Venturi Racing ab. Nato nutzte die nachlassende Pace von Vandoorne, um zur Halbzeit des Rennens die Führung zu übernehmen. Damit konnte er seine Konkurrenten niederringen und fuhr damit das Kundenteam von Mercedes-EQ zum Sieg. Erfreulich für den Formel-1-Seriensieger Mercedes-Benz: Platz drei für Vandoorne und Rang acht für de Vries sicherte der Marke auch in der Formel E den Team-Titel im Weltmeisterschaftslauf 2021.

Im letzten Rennen wurde viel auf "Berührung" gefahren

Dass die Neven bei vielen blank lagen, zeigte die Tatsache, dass es nach dem vercrashten Start vor allem bei den potenziellen Titelaspiranten immer wieder zu „Feindkontakt“ kam. So wurde der bis dato amtierende Champion António Félix da Costa auf DS Techeetah in die Mauer gedrückt, was zu einer weiteren Gelbphase führte. Nach der Safety-Car-Phase konnte de Vries einen Crash mit seinem Teamkollegen Vandoorne gerade noch vermeiden, als die beiden Mercedes-EQ den TAG Heuer Porsche von André Lotterer in die Mitte nehmen. Für den lief es im letzten Rennen dann noch ganz gut: Da Costas Ex-Teamkollege holte als bester deutscher Fahrer Rang vier, Pascal Wehrlein wurde Sechster. René Rast auf Audi Abt Schaeffler, der sich zwischenzeitlich auf der letzten Position hing, kämpfte sich bis zum Ende noch bis auf Rang neun vor und sicherte sich zudem den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde der Top Ten.

Das vorletzte Rennen: Doppelspitzen im Wechsel!

Am Tag zuvor vor-verabschiedete sich Audi mit einem letzten Sieg aus der Serie. Lucas Di Grassi hat den extrem hart umkämpften und maximal unterhaltsamen ersten von zwei E-Prix in Berlin für sich entschieden. Damit sorgte er nicht nur für einen „Audi-Heimsieg“, sondern auch für einen weiteren "Twist" in der ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft. Denn vor dem finalen Rennen haben noch sieben Fahrer die Möglichkeit, aus eigener Kraft – mit der maximalen Punktzahl von 30 – die erste WM-Krone der Formel E zu gewinnen. Darunter: Rennsieger Lucas Di Grassi, der sich auf die sechste Gesamtposition verbesserte. Trotz eines enttäuschenden Rennverlaufs für Mercedes-EQ-Fahrer Nyck de Vries führt der Niederländer die Gesamtwertung weiter an. Drei Punkte dahinter: Edoardo Mortara auf Venturi Racing, der auch im Rennen die zweite Position eroberte. Jake Dennis auf BMW i Andretti Motorsport lag nach Platz fünf im Samstagsrennen auf der dritten Position der WM. Mitch Evans auf Jaguar Racing eroberte als Dritter nicht nur einen Podiumsplatz, sondern auch Gesamtrang vier.

Der 14. Saisonlauf der Formel-E-WM glich einem wahren Thriller: Denn nach dem Start übernahmen die beiden goldenen DS Techeetah mit Jean-Éric Vergne (FRA) und António Félix da Costa (POR) die Doppelführung. Dann lagen beide Audi vorn und schließlich eroberte ROKiT Venturi Racing ebenfalls eine Doppelführung – die dritte in einem einzigen Rennen! Allerdings hatte keine davon Bestand. Emotional sind die Fahrer teils wilde Achterbahn gefahren. Beispiel René Rast auf Audi: Er startete als Zwölfter, fiel in der Anfangsphase auf Rang 15 zurück, nutzte seinen Attack Mode clever und arbeite sich mit gekonnten hochprofessionellen Manövern auf die zweite Position nach vorn „wie ein heißes Messer durch Butter“, wie es sein Audi-Teamchef Allan McNish formulierte. Rast fiel jedoch aufgrund des so nötig gewordenen Energiemanagements zurück auf den neunten Platz, sicherte sich jedoch den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde der Top Ten.

Für Mercedes-EQ war der Samstag noch düster

Mercedes-EQ fuhr ein eher durchwachsenes Qualifying und Tabellenführer Nyck de Vries (NED) musste im Rennen gar frühzeitig aufgeben, Stoffel Vandoorne verpasste als Zwölfter ebenfalls nicht in die Punktränge. Doch De Vries blieb trotz Ausfall Erster der Gesamtwertung – was er am Sonntag nutzen konnte! Porsche sicherte sich mit André Lotterer (GER) noch einen WM-Zähler, musste mit Pascal Wehrlein (GER) allerdings auch einen Rückschlag hinnehmen. BMW i kann dagegen auf eine gute Teamleistung zurückblicken: Neben Dennis als Fünfter beendete Max Günther (GER) das Rennen als Achter und damit in den Punkterängen. Generell positiv: Erstmals seit Pandemie-Beginn waren in Berlin wieder frei verkäufliche Formel-E-Tickets für Fans erhältlich. Bis zu 5.200 Zuschauer je Renntag können das großen Finale der Formel E von einer der Tribünen aus verfolgen.

Was bedeutet das?

Schade, dass Audi die Formel E zur nächsten Saison verlassen. Sie waren mehr als das Salz in der Suppe. Von er zu hoffen bleibt, dass sie jetzt nicht wie in der Formel 1 nur noch von Sternenköchen gekocht wird. Doch Mercedes EQ fuhr eine konstant gute Saison und musste am Samstag noch null Punkte verdauen - trotzdem hat es am Ende für einen verdienten Doppelsieg in Fahrer- und Teamwertung gereicht. Man darf gespannt sein auf die nächste Saison. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Rennserien bleibt die Formel E-Meisterschaft immer bis zum letzten Lauf offen - und das macht sie so spannend!

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