Werbung
Werbung

Formel E: Jean-Éric Vergne gewinnt hyperknapp in Hyperabad

Erstmals gastierte die Formel E auf dem indischen Subkontinent: Auf dem 2,816 Kilometer langen Stadtkurs am Hussain-Sagar-See lieferten sich die 22 Piloten mit den neuen Gen3-Autos packende Positionskämpfe und spektakuläre Überholmanöver.

Am Ende wurde es richtig knapp: Jean Eric Vergne siegte beim ersten lauf in Indien. | Foto: Hankook
Am Ende wurde es richtig knapp: Jean Eric Vergne siegte beim ersten lauf in Indien. | Foto: Hankook
Werbung
Werbung
Gregor Soller

Hyperknapp in Hyperabad – so könnte man das Formel-E-Rennen in der indischen Metropole beschreiben, in der ich DS wieder zurückmeldete: Der Sieger Jean-Éric Vergne lieferte sich an der Spitze einen Zweikampf mit Nick Cassidy auf Envision Racing. Am Ende konnte er seinen hauchdünnen Vorsprung über die Ziellinie retten mit weniger als einem Prozent Energie! Er freute sich über die konstante Leistung von Fahrzeug und Reifen, denn die Strecke in Indien war warm und vergleichsweise „schmutzig“, was das Handling erschwerte. Für Vergne ist es der erste Sieg seit Rom im April 2021.

Wenig Regen, viel Schmutz auf der Piste

In Indien gab es wenig Regen, viel Verkehr und lange Highspeed-Geraden: Der Stadtkurs in der Millionenmetropole Hyderabad stellte sich als echte Herausforderung dar: Durch den außergewöhnlich starken Verkehr auf den Straßen entlang des Hussain-Sagar-Sees in Hyderabad, war der Asphalt bereits vor dem Umbau zur Rennstrecke stark abgenutzt und sorgte so für wenig Grip während des Rennens.

Interessant hier die „Insides“ des Reifenlieferanten Hankook, wo man konstatierte, dass sich die Bedingungen durch die langanhaltende Trockenheit noch verschlechterten: „Dadurch lag sehr viel Schmutz und Staub auf der Strecke und bildete eine sehr rutschige Oberfläche. Besonders am Ende der langen Hochgeschwindigkeitsgeraden auf dem Kurs war der Hankook iON Race enorm gefordert, den Piloten den nötigen Grip beim Bremsen zu liefern“, erklärte Thomas Baltes, Hankook Formel E Race Engineer. Er ergänzte:

„Auch die heißen Streckentemperaturen von über 50 Grad meisterte der Reifen ohne Probleme. Die Fahrer lernen derzeit bei jedem Rennen sehr viel über den neuen Reifen in der Formel E: Nach Starkregen beim Test in Valencia und kühlen Temperaturen in der Wüste von Saudi-Arabien sammelten die Teams dieses Mal wertvolle Erkenntnisse über den Einsatz des Hankook iON Race bei großer Hitze“.

Vorteil der hohen Außentemperaturen: Die Reifen kamen schnell auf „Temperatur“

Zumal sich die Fahrer immer noch an die neuen Pneus gewöhnen müssen – immerhin sorgten die hohen Temperaturen dafür, dass man schnell die „Arbeitsfenster“ erreichte. Sieger Vergne freut sich:

„Der Hankook Reifen war das gesamte Rennen lang sehr konstant. Bereits im Qualifying ist es mir im Gegensatz zu Diriyah deutlich besser gelungen, den Reifen zum Arbeiten zu bringen. Ich muss jetzt genau schauen, wieso das so war und wie wir das in den nächsten Rennen auch umsetzen können“.

Der zweitplatzierte Nick Cassidy aus Neuseeland (Envision Racing) lieferte sich mit Vergne über viele Runden einen spannenden Zweikampf und setzte immer wieder zum Überholen an. Doch der Franzose behielt die Nerven und wehrte alle Angriffe erfolgreich ab. Frustrierend verlief das Rennen für den Schweizer Sébastien Buemi auf Envision Racing: Der Dritte erhielt kurz nach Zieldurchfahrt eine Zeitstrafe und wurde deshalb auf Platz 15 gewertet. So kam der Viertplatzierte, der Portugiese António Félix da Costa auf TAG Heuer Porsche noch aufs Podium – in seinem mittlerweile 100. Formel-E-Rennen. In der Gesamtwertung führt nach wie vor Pascal Wehrlein, der sich Rang fünf respektive vier sicherte. Da Costa erklärte anschließend ziemlich emotional:

„Es ist so viel passiert. Ich war wütend, ich war glücklich, ich war ruhig, ich war gestresst. Aber auch hier habe ich das ganze Rennen über gut mit dem Team zusammengearbeitet, und ich denke, das ist die Erfahrung von 100 Rennen, wenn ich ehrlich bin - dort zu starten und den ganzen Weg hierher zu kommen."

Aber auch hinter den Führenden gab es einige Rad-an-Rad-Duelle und dramatische Überholmanöver – und: Porsche blieb extrem stark, auch wenn es diesmal „nur“ für die Plätze drei und vier reichte: Nach 33 heißen und im wahrsten Sinne des Wortes „Staub aufwirbelnden“ Runden standen beide Porsche 99X Electric des TAG Heuer Porsche Formel-E-Teams in den Top 4.
 

Vergne setzte sich in Runde 15 von 32 an die Spitze des Feldes. Der zweifache Champion ging in der engen Haarnadelkurve an Buemi vorbei, nachdem sich die beiden Jaguar TCS Racing-Piloten zwei Runden zuvor gegenseitig aus dem Rennen schossen. Der eingangs erwähnte Schmutz auf der Strecke kostete Bird seinen fünften Rang. Denn er wollte im „Schmutz“ am Rand der Strecke ausweichen und kam sich dort aber mit dem viertplatzierten Sacha Fenestraz auf Nissan ins Gehege. Bird konnte seinen Jaguar nicht mehr rechtzeitig abbremsen und crashte ausgerechnet mit seinem Teamkollegen Mitch Evans, der auf Rang drei lag – sodass aus dem Doppelpodium für Jaguar eine Doppelnull wurde.

Kurz vor Ende kam Cassidy ganz nah an Vergne heran

Kurz vor Ende kam Cassidy Vergne immer näher. Er hatte noch deutlich mehr Energie als der Führende, der als alter Kämpfer jedoch jeden Trick nutzte, um die Führung zu halten. Für viele Insider und Vergne-Fans dürfte der Gewinn in Hyperabad einer seiner besten Siege sein, der beim ersten Besuch der Formel E in Indien vor ausverkauftem Haus mit über 25.000 Zuschauern lange in Erinnerung bleiben wird. Dahinter arbeiteten sich wieder die Porsche durchs Feld, die abermals nicht von ganz vorn starten konnten: Pascal Wehrlein hatte Startplatz 12...extrem stark und noch stärker nach vorn kämpfte sich in diesem Rennen der bisher eher unbekannte Sérgio Sette Câmara der sich von Startplatz 15 auf Rang fünf vorkämpfte und damit das beste Ergebnis von NIO 333 Racing seit Berlin in der Saison 4 schaffte.

Durchwachsenes Ergebnis für Mahindra

Und wie lief es für Mahindra im „Heimrennen“? Durchwachsen: Oliver Rowland versuchte noch eine Runde vor Schluss, Sebastien Buemi zu überholen, was ihm leider misslang, sodass er auf Rang sechs zurückgeworfen wurde, womit er immerhin solide in die Punkte fuhr. Sein Kollege Lucas di Grassi musste sich mit Rang 14 begnügen. Stärker auffahren konnte endlich auch der amtierende Meister Stoffel Vandoorne auf dem zweiten DS, der Rang acht und damit sein bestes Ergebnis der Saison einfuhr. Weniger gut lief es für das Porsche-Kundenteam Avalanche Andretti: André Lotterer kam auf Rang neun und Jake Dennis musste sich als letzter gewerteter Fahrer mit Rang 16 begnügen: Ärgerlich: Er wurde in Runde 26 in der der Haarnadel Opfer von Mc Laren-Fahrer René Rast der Dennis' Auto ins Heck krachte. Ärgerlich für das Nissan-Kundenteam: Rast lag auf Rang vier und musste am Ende wie sein Kollege Hughes aufgeben, sodass auch Mc Laren mit einer Doppelnull leben musste.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

In der Fahrerwertung führt Pascal Wehrlein, der Doppelsieger von Diriyah weiter souverän mit 80 Punkten vor Jake Dennis mit 62 Zählern. Auf Rang drei und vier folgen Jean-Eric Vergne und Sebastien Buemi mit je 31 Punkten. Vor Nick Cassidy und Sam Bird mit je 28 Zählern. Immer noch keinen Punkt holen konnten Max Günther, Nico Müller Kelvin van der Linde und Robin Frijns.

Bei den Teams führt jetzt TAG Heuer Porsche mit 101 Zählern souverän vor dem Kundenteam Avalanche Andretti mit 78 Punkten. Auf Rang drei steht Envision Racing mit 59 Zählern vor Neo Mc Laren mit 53 Punkten. Nach wie vor null Punkte hat das Mahindra-Kundenteam Abt Cupra, doch auch hier steigt die Formkurve an: Mit Platz elf verpasste man die Punkte haarscharf, außerdem konnte Nico Müller die schnellste Runde des Rennens fahren.

Runde 5 der ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft ist der E-Prix 2023 in Kapstadt am Samstag, den 25. Februar - das erste Mal, dass die Formel E in Südafrika antritt.

Was bedeutet das?

Erstmals in der aktuellen Saison stand keiner der Favoriten mit Porsche- oder Jaguar-Antrieb ganz oben auf dem Treppchen. Trotzdem bleibt Porsche mit seinen Fahrern auf Meisterschaftskurs, da diese weiter gut in die Punkte gefahren sind. Dass die Formel-E nach Indien und am 25.2. nach Südafrika geht, tut der Internationalisierung gut. 

 

Werbung
Werbung