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Formel E: Jaguar und Porsche teilen sich die Meisterschaft

Das Finale in London gehörte zu den nassesten Formel-E-Rennen ever. Am Ende konnten Porsche und Jaguar zufrieden sein: Den Fahrertitel holte Jake Dennis auf dem von Porsche befeuerten Kundenauto von Avalanche Andretti, während die Teamwertung an Envision Racing ging – wo man die Jaguar-Antriebe nutzt.

Das allerletzte Rennen versank komplett im Regen und musste dreimal gestartet werden! | Foto: Porsche
Das allerletzte Rennen versank komplett im Regen und musste dreimal gestartet werden! | Foto: Porsche
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Gregor Soller

Das britische Wetter machte einen Vorurteilen alle Ehre: Beim Formel-E-Finale regnete es in Strömen. Es gab zwei Start-Abbrüche und nachdem ein Teil des Kurses „indoor“ verläuft, war es trotz Hochsommer eine düstere Stimmung. Die auch die Teamchefs von Jaguar und Porsche befiel, nachdem man bei der Fahrer- und Konstrukteursmeisterschaft je dem Kundenteam den Vortritt lassen musste. Wegen des Dauerregens in London kam das letzte Rennen nur zögerlich in Gang: Zwei Startversuche hinter dem Safety Car wurden aus Sicherheitsgründen wieder abgebrochen. Erst mit eineinhalb Stunden Verspätung wurden die 22 Fahrer zum Saisonfinale auf den spektakulären ExCeL Circuit in den Docklands von East London geschickt, auf dem im Freien sowie in einer Messehalle gefahren wird. Trotz der schwierigen Bedingungen gab es keine nennenswerten Zwischenfälle.
 

Bei den Fahrern fiel die Entscheidung beim London E-Prix Double-Header bereits im ersten Rennen am Samstag. Nach dramatischen 36 Runden auf der nassen und Outdoorstrecke mit spektakulären Überholmanövern, Safety-Car-Phasen und Rennunterbrechungen wurde der Brite Jake Dennis auf Avalanche Andretti Formula E Zweiter und krönte sich damit bereits vor dem Finale am Sonntag zum neuen Formel-E-Weltmeister 2023. Mitch Evans aus Neuseeland vom Team Jaguar TCS Racing gewann zwar das Rennen, doch der Punktevorsprung von Dennis vor dem finalen Saisonrennen auf seine Verfolger war bereits zu groß. Doch Jaguar machte sich damit noch Hoffnungen auf den Konstrukteurstitel.

Am Ende ging es für Jaguar um Alles 

Das letzte Rennen der Season 9 gewann am Sonntag dann aber Nick Cassidy auf Envision Racing – Jaguars Kundenteam - wieder vor Mitch Evans auf Jaguar TCS Racing und Jake Dennis. Damit gewann Envision Racing die Team-Meisterschaft, sodass Porsche und Jaguar am Ende ihren „Kunden“ den Vortritt lassen mussten.

Einmal mehr war es Konstanz, die sich für den Weltmeister 2023 auszahlte: Denn der 28-Jährige Dennis stand insgesamt elfmal auf dem Podium und sammelte so konstant Punkte. Fun fact: Er siegte auch beim Saisonauftakt im Mexico-Stadt E-Prix, dazu kam ein Sieg beim Sonntagsrennen in Rom. Und dass den Briten Regen Segen bringt, bewies Dennis auch: Der er ist der erste Formel-E-Weltmeister aus Großbritannien.

Beim zweiten Rennen sprang die Siegerampel von rot (die Farbe Avalanche Andrettis) auf grün (die Frabe von Envision Racing): Nick Cassidy führte im regennassen letzten Rennen der Formel-E-Saison in London die ganze Zeit und holte so den Weltmeistertitel in der Teamwertung für Envision Racing vor Mitch Evans und Jaguar TCS Racing, die im Rennen und im Kampf um den Titel Zweiter wurden.

Die Formel E ist stabiler gegen Wettereinflüsse als Kricket

Sintflutartige Regenfälle in den Stunden vor dem zweiten Rennen des Hankook London E-Prix, sorgten für tückische Bedingungen auf den Außenabschnitten der 2,09 km langen Strecke in der ExCeL London Event Arena, die auch „Indoor-Abschnitte“ hat. Und während der Ausgang des Kricketspiels durch den britischen Sommerregen beeinträchtigt wurde, konnten die 22 Fahrer starten und das volle Rennen über 38 Runden absolvieren, das über den Ausgang der Teammeisterschaft entscheiden sollte. Besonders heikel für Jaguar TC Racing: Wie der „Kunde“ Envision hatte man 268 Punkte gesammelt – aber nur ein Team würde Weltmeister werden. Am Ende war es eine klarer Sieg für Cassidy: Er startete von der Pole Position, führte von der Ampel bis zur Zielflagge und fuhr die schnellste Runde des Rennens. Er hielt seinen schärfsten Konkurrenten, Mitch Evans, während des gesamten Rennens auf Distanz, während das Führungsduo seinen Vorsprung auf den drittplatzierten Dennis um 10 Sekunden ausbaute - bei Streckenbedingungen und Sichtverhältnissen wie in diesem Rennen zeigten sich die Fähigkeiten der „Regenfahrer“.

Die letzte Runde der Saison 9 endete damit, dass Envision Racing seine bisherige Bestmarke von Platz drei übertraf und die Tabelle mit 12 Punkten Vorsprung vor dem Jaguar-Werksteam TCS Racing anführte. Das Porsche-angetriebene Avalanche Andretti Formula E Team konnte seinen Werkslieferanten TAG Heuer Porsche Formula E Team ebenfalls um 10 Punkte auf den dritten Platz verdrängen. Dennis kam mit 30 Punkten Vorsprung vor Cassidy ins Ziel, Evans wurde Dritter und Wehrlein Vierter. Mitch Evans war natürlich maximal frustriert, denn in dem Fall reichte es nicht, zweimal Zweiter zu sein:

„Eine große Enttäuschung. Leider sind wir nicht Weltmeister bei den Teams geworden. Nick hat einen großartigen Job gemacht, und die anderen Jungs haben einen großartigen Job gemacht. Er hat geschickt reagiert, als ich ihn einholte aber nicht genug Energie hatte - das muss man ihm hoch anrechnen. Ich habe mein Bestes gegeben, aber es hat eben nicht ganz gereicht.“

Jake Dennis freute sich dagegen und erklärte:

„Wir schlagen im Moment unsere eigenen Rekorde. Am Ende des Tages auf dem Podium zu stehen, war etwas Besonderes bei so schwierigen Bedingungen mit den nassen und trockenen Abschnitten - aber wir haben es geschafft, unser Auto von der Mauer fern zu halten.“

Und natürlich dankte er seinem Team:

„Ich muss mich bei den Jungs bedanken, bei allen! Sie haben so viel harte Arbeit geleistet, nicht nur dieses Jahr, sondern auch letztes Jahr. Es war so eine Teamleistung, und wir haben so viele Siege, so viele Pole-Positions und so viele Podiumsplätze geholt. Ich werde mit ihnen zusammen feiern und freue ich mich darauf, die Saison als Weltmeister zu beenden und nächstes Jahr wiederzukommen. Ich werde morgen wahrscheinlich verkatert sein!"

Sylvain Filippi, Geschäftsführer und technischer Leiter von Envision Racing, freute sich ebenfalls:

„Vielen Dank. Wir haben neun Jahre gebraucht, und es ist ein unglaubliches Gefühl. Es war eine unglaubliche Saison, es war alles so eng. Das Team hat einen unglaublichen Job gemacht, und wie Sie wissen, waren wir in einem sehr engen Wettbewerb mit Jaguar TCS Racing, aber wir hatten ein unglaubliches Auto. Es ist schnell und hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind.“

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Etwas frustriert war man bei Porsche. Pascal Wehrlein, der extrem stark in die Saison gestartet war, erklärte:

„Wir hatten in dieser Saison viele starke Rennen und haben beide Meisterschaften lange angeführt. In den letzten Rennen haben wir es dann aber nicht geschafft, so gute Ergebnisse wie am Anfang der Saison einzufahren und haben dadurch viele Punkte verloren. Das ist natürlich enttäuschend. Trotzdem sind wir insgesamt deutlich stärker geworden im Vergleich zu den letzten Jahren. Das gibt Hoffnung. Ein großes Dankeschön an das ganze Team für die harte Arbeit.“

Abt-Cupra holte ganz am Ende nochmal Punkte: Im letzten Rennen des Jahres fuhr Nico Müller im Regen von London auf den achten Platz. Teamkollege Robin Frijns komplettierte das versöhnliche Ergebnis mit Rang 17. Am Samstag waren beide Piloten nach frühen Ausfällen ohne Punkte geblieben.

Ebenfalls spannend war das Duell der „Hinterbänkler“ Nio 33 und Mahindra Racing: Am Ende konnte sich Nio 333 in der Teamwertung gegen Mahindra Racing durchgesetzen – mit einem Punkt Vorsprung. Der machte am Ende den Unterschied zwischen den beiden in Großbritannien beheimateten Mannschaften aus, hinter denen je ein chinesischer und ein indischer Konzern stehen. Nachdem Nio 333 jahrelang auf den letzten Platz in der Teamwertung abonniert war, schaffte man diesmal Platz 9 in der Gesamtwertung! Für Ticktum war das Ergebnis nicht ganz so berauschend:

„Persönlich kann ich mich nicht wirklich über einen neunten Platz freuen. Aber zu sehen, was das für das Team bedeutet, war sehr besonders“.

Die beiden Stellantis-Teams mit Maserati und DS Penske bleiben am Ende auf Rang fünf und sechs „best oft he rest“, ihnen folgten mit Abstand die beiden Nissan-befeuerten Teams Nissan und NEOM MC Laren.

Bei den Fahrern holte Dennis mit 229 Punkten die Krone, gefolgt von Cassidy mit 199 Zählern und Evans mit 197. Wehrlein musste sich am Ende mit Rang vier und 149 Punkten bescheiden, gefolgt von Jean-Eric Vergne mit 107 und Sebastien Buemi mit 105 Punkten. Platz sieben bis zehn ging an Max Günther (101 Punkte), Sam Bird (95 Zähler) und Antonio Felix da Costa (93 Punkte). Niko Müller auf Abt Cupra kam am Ende noch auf Rang 19 von 25 Fahrern.

Die ABB FIA Formel-E-Weltmeisterschaft kehrt in der Saison 10 mit dem Mexico City E-Prix 2024 am Samstag, 13. Januar 2024, zurück und beinhaltet ein erstes Formel-E-Rennen auf den Straßen von Tokio am Samstag, 30. März.

Was bedeutet das?

Im Gegensatz zur Formel 1 bleibt die Formel E spannender, da nicht ein Team immer über alle dominiert: Die Ergebnisse am Ende waren zu Saisonbeginn nicht absehbar, dennoch gab es 2023 eine klare Kräfteteilung: Porsche und Jaguar bauen die siegfähigen Antriebe, dahinter folgen Stellantis und Nissan vor - Überraschung - Nio! Mahindra dagegen muss 2023 noch viele Hausaufgaben erledigen. Man darf gespannt sein auf die nächste Saison!

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