Formel E: Alex Lynn gewinnt wildes Sonntagsrennen in London

Die Formel E bleibt spannend bis zum letzten Rennen: Mit Mahindra-Pilot Alex Lynn konnte ein Londoner einen Heimsieg einfahren – die Meisterschaft bleibt weiter offen

Am Sonntag holte der in London geborene Lynn auf Mahindra den Sieg. | Foto: ABB FIA Formula E
Am Sonntag holte der in London geborene Lynn auf Mahindra den Sieg. | Foto: ABB FIA Formula E
Gregor Soller

Das schöne an der Formel E ist, dass die Meisterschaft meist im letzten Rennen entschieden wird – so auch diesmal! Denn er 13. Lauf der Meisterschaft hatte es wieder mal in sich und würfelte die Platzierungen abermals durcheinander. Der in London geborene Lynn startete von Rang drei und fuhr am Sonntag ein kluges Rennen: Seine Verfolger Nyck de Vries auf Mercedes-EQ und Mitch Evans auf Jaguar Racing kamen nicht an ihm vorbei und sicherten sich die beiden anderen Podiumsplätze. Über seinen Sieg war Lynn völlig aus dem Häuschen:

„Es ist schwer in Worte zu fassen, um ehrlich zu sein. Es ist schon etwas Besonderes, so etwas habe ich noch nie gefühlt. Die Formel E war ein schwieriges Pflaster für mich, deshalb ist dieser Sieg so wertvoll. Ich weiß eine großartige Crew hinter mir, bei der ich mich bedanken muss. Ich habe das Vergnügen, ihre harte Arbeit als Fahrer umzusetzen. Und ich kann sagen, dass es wohl kein Team gibt, das länger arbeitet und früher aufsteht als sie. Ich kann ehrlich gesagt nicht glauben, dass dieser Sieg wahr ist.“

Sehr überrascht war Mitch Evans, dass er noch Platz drei holen konnte:

„Das war ein etwas unerwartetes Podium für mich. Ich hatte keine sauberen ersten Runden, und nach dem Zwischenfall mit Rowland und Vandoorne machte ich einen Fehler. Günther erwischte mich, und ich machte eine dumme Bewegung in ihn hinein. Dabei brach mir der Frontflügel. Ich dachte, ich wäre aus dem Rennen. Aber mit etwas Glück flog der Flügel davon und ich konnte weiterfahren. Ich verpasste meinen zweiten Angriffsmodus, was ich nicht glauben konnte. Ich dachte, ich hätte Platz drei Robin Frijns hergeschenkt, aber glücklicherweise konnte ich den Attack Mode später aktivieren und zum Überholmanöver nutzen. Ein bizarres Rennen und ich bin ein bisschen überrascht, auf dem Podium zu stehen.“

Einmal mehr bewies die Formel E, das zu spannenden Rennen keine Verbrenner gebraucht werden, denn in London ging es wild her: Mercedes EQ hatte einen guten Lauf und mit Polesitter Stoffel Vandoorne auch die beste Startposition. Doch nach einem Fahrfehler und einem Crash mit seinem Verfolger Oliver Rowland (GBR, Nissan e.dams) schoss er sich selbst aus dem Rennen. Doch da war ja noch Teamkollege Nyck de Vries, der so nach vorn kam. Doch den erwischte eine von zwei Safety-Car-Phasen kalt, da er einen seiner beiden Attack Modes bereits kurz zuvor aktiviert hatte. Hier nutzte Lynn seine Chance und konnte die Extra-Leistung zum richtigen Zeitpunkt einsetzen. Deutlich mehr zu kämpfen hatte Mitch Evans, der sich zahlreichen Zweikämpfen und Zwischenfällen gegenüber sah. Darunter ein gewagtes aber gelungenes Überholmanöver gegen Robin Frijns auf Envision Virgin Racing, der als Vierter nun Tabellenrang zwei hält. Auf Rang eins er Gesamtwertung fuhr mit dem zweiten Platz de Vries.

Audi ging am Sonntag leer aus und sorgte einmal mehr für Diskussionen: Lucas Di Grassi fuhr in der Safety-Car-Phase durch die Boxengasse – stoppte allerdings nicht bis zum Stillstand. Er setzte sich so während der Safety-Car-Phase von der neunten Position an die Spitze, wurde aber später mit einer Durchfahrtsstrafe belegt, die er nicht antrat, was zur Disqualifikation noch während des Rennens führte: Statt der Ziel- sah er die schwarze Flagge. Entsprechend wurde Di Grassi nach dem Rennen aus der Wertung genommen. 

Einmal mehr muss man auf den Showdown in den letzten Rennen warten

 Auch das erste Rennen am Samstag war spannend und sah einen Briten vorn: Jake Dennis auf BMW-Andretti nutzte seine Attack Modes und die hohe Energie-Effizienz seines Autos sowie seine zweite Startposition, um auf Rang eins zu fahren. Damit katapultierte sich der Rookie auf die zweite Position in der WM-Wertung. Nyck de Vries auf Mercedes EQ kämpfte sich auf Platz zwei vor – je mit sehenswerten Überholmanövern und nutzte damit auch seinen Fanboost. Damit ist auch er als Vierter zurück im Titelkampf. Einen starken Aufwärtstrend verzeichnete auch das Mahindra-Team: Alexander Lynn, der die Pole holte, komplettierte als Dritter das Podium.

Mercedes-EQ-Fahrer Nyck de Vries wird als Tabellenführer ins Heimrennen von Mercedes EQ starten: In Tempelhof haben tatsächlich noch elf Fahrer die Chance, aus eigener Kraft Weltmeister zu werden, rein rechnerisch sind es sogar 18 Piloten. Ähnlich dicht sieht es bei den Teams aus, wo auf Envision Virgin Racing Mercedes-Benz EQ und Jaguar folgen. Auf Rang vier hat auch DS Techeetah noch Chancen, ebenso wie BMW Andretti Motor Sport, auf Rang sechs folgt Audi Abt Schaeffler.

Was bedeutet das?

Fast wie immer: Die Formel e dürfte sich auch 2021 in den letzten Rennen entscheiden – was die Rennserie viel spannender mach als die Formel eins.

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