Formel E: Abt sorgt für Skandal, Rowland gewinnt fünftes virtuelles Rennen

Rowland profitierte vom erbitterten Zweikampf, den Polesetter Stoffel Vandoorne (auf Mercedes-Benz EQ) und Daniel Abt (Audi Sport ABT Schaeffler) austrugen. Das Problem: Abt war gar nicht Abt, sondern ein Simracer.

Beim Start lag Rowland noch auf Position drei, Abt auf Rang zwei, nur: Abt fuhr gar nicht selbst! | Grafik: FIA Formel E
Beim Start lag Rowland noch auf Position drei, Abt auf Rang zwei, nur: Abt fuhr gar nicht selbst! | Grafik: FIA Formel E
Gregor Soller

Der fünfte virtuelle Lauf in Berlin Tempelhof gehörte zu den spannendsten Rennen der digital fortgeführten Formel-E-Serie. Mit Oliver Rowland auf Nissan e.dams gewann erstmals ein britischer Fahrer ein digitales Formel-E-Rennen. Nach je zwei Erfolgen von Maximilian Günther (BMW i Andretti Motorsport) und Pascal Wehrlein (Mahindra Racing) in den ersten vier Läufen setzte sich der Brite knapp vor Stoffel Vandoorne (Mercedes-Benz EQ) durch. Rowland erklärte das Rennen so:

„Nach den bislang für mich unglücklich gelaufenen Rennen wollte ich mich diesmal einfach aus allen Schwierigkeiten heraushalten. Ich wusste, dass Stoffel schnell ist, also habe ich mich zunächst zurückgehalten. Als die beiden vor mir anfingen, sich zu duellieren, habe ich die Gelegenheit genutzt, um zu überholen. Ich war aber nicht sicher, ob es wirklich für den Sieg reichen würde, weil Stoffel so schnell war. Ich wusste, dass ich absolut perfekt sein musste und war in den letzten Runden schon sehr nervös. Ich habe einfach versucht, den Vorsprung irgendwie ins Ziel zu bringen und das ist mir gelungen.“

Audi kommt aus den Negativ-Schlagzeilen nicht mehr heraus: Zwar fuhr Daniel Abt vermeintlich als Dritter über die virtuelle Ziellinie, er wurde allerdings wegen unsportlichen Verhaltens nachträglich disqualifiziert. Denn Abt lies einen Simracer sein Fahrzeug steuern. Deshalb wurde er nachträglich vom Lauf ausgeschlossen. Zudem verliert er alle RaHC-Meisterschaftspunkte und muss 10.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation seiner Wahl spenden. Sein Teamkollege Lucas di Grassi kam auf Rang 23 – und damit den letzten Platz. Durch Abts Disqulifikation rückten alle Fahrer auf den nachfolgenden Plätzen jeweils um eine Position auf, sodass Pascal Wehrlein am Ende auf Rang drei landete. Damit verteidigte der Mahindra-Fahrer mit 86 Punkten seine Führung in der Meisterschaftswertung vor Vandoorne (jetzt 78 Punkte) und Maximilian Günther (jetzt 73 Punkte). Der BMW i Andretti Motorsport-Pilot komplettierte als Sechster zusammen mit André Lotterer (TAG Heuer Porsche) auf Rang sieben das starke deutsche Ergebnis. 

Rowland war in diesem Rennen „lachender Dritter“ eines erbitterten Duells der beiden führenden Abt und Vandoorne. Dabei blieb Rowland lange auf Position drei im Schatten derv beiden Führenden, die sich erbittert duellierten. In einer Kurve kamen beide zu weit nach außen, so dass der Nissan in der Kurve innen vorbeigehen und die Führung erobern konnte, die Rowland dann bis ins Ziel verteidigen sollte. Aber auch um Platz vier wurde erbittert gekämpft – denn hierv ging es auch um die Meisterschaftswertung und damit das „große Ganze“: Dabei kollidierten Wehrlein und Günther. Wehrlein hatte sich neben Günther geschoben und ihn so in die Mauer gedrückt. Der BMW-Pilot drehte sich und fiel auf Platz 8 zurück, konnte sich am Ende aber wieder auf Rang sechs vorkämpfen. Dahinter holte Lotterer auf Porsche Platz sieben und erhielt dafür sechs Zähler in der Fahrerwertung, sein Teamkollege Neel Jani wurde als Zehnter gewertet und bekam dafür einen Punkt. Anders als vor einer Woche blieb zumindest Lotterer in Berlin von Unfällen in der Startphase verschont und konnte ein Rennen ohne größere Zwischenfälle fahren. Jani verlor nach dem Dreher eines anderen Fahrzeugs vor ihm einige Plätze, kämpfte sich dann aber wieder nach vorn. Er bleibt im Gesamtklassement mit 25 Punkten als Achter der bestplatzierte Vertreter des TAG Heuer Porsche Formel-E-Teams.

Die ABB Formula E „Race at Home Challenge“ wird mit Runde sechs am 30.5.2020 um 16.30 Uhr MESZ) fortgesetzt, ehe am 6. und 7. Juni in einem Double-Header die Entscheidung um den Titel fällt.  

Im Rahmen der ABB Formula E „Race at Home Challenge“ unterstützt die Formel E den weltweiten Kampf gegen das Coronavirus. Ziel des Wettbewerbs ist es, Gelder für UNICEF zu sammeln und damit sicherzustellen, dass Kinder auf der ganzen Welt während der Corona-Krise gesund bleiben oder werden, in Sicherheit leben können und ihre Bildungschancen wahren. Mehr Infos dazu gibt es auf der Website der Formel E.

Was bedeutet das?

Die virtuell fortgeführte Formel-E-Meisterschaft wirbelt die Ergebnisse massiv durcheinander: Die goldenen DS-Techeetah-Racer fahren nicht mehr um Siege mit, Audi versinkt komplett im Chaos, während sich vor allem Max Günther auf BMW und Pascal Wehrlein auf Mahindra als Sieger hervortun. Dazu kommen starke Leistungen von Stoffel Vandoorne. Generell kann Mercedes-Benz EQ solide Ergebnisse aus den virtuellen Rennen holen und fährt in seiner Debutsaison so schon ganz gut vorn mit. Horror bei Audi: Das Abt virtuelle Rennen nicht mag und deshalb gleich einen anderen für sich fahren lässt (der noch dazu besser als die meisten echten Fahrer ist), ist neben den schwachen digitalen Rennergebnissen ein Supergau für die Truppe, die gerade durch die „grüne Hölle“ geht.

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