Forderung: Flexible Verkehrsbudgets statt dicker Dienstwagen

Ein Bündnis aus Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, Allianz pro Schiene, Zukunft Fahrrad und Bundesverband CarSharing fordert eine Alternative zu staatlich geförderten Dienstwagen. Die Umstellung auf Elektroautos reiche nicht. Stattdessen soll ein Bundesprogramm zur Förderung betrieblicher Mobilitätsbudgets geschaffen werden.

Mobilitätsbudgets sollen das Dienstfahrrad im Leasing oder Abo, ein steuerlich privilegiertes JobTicket für den ÖPNV, die BahnCard und ein flexibles Budget für Taxifahrten oder Car-, Fahrrad- und E-Scooter-Sharing in einer digitalen Lösung bündeln. Symbolbild: Bundesverband CarSharing e.V.
Mobilitätsbudgets sollen das Dienstfahrrad im Leasing oder Abo, ein steuerlich privilegiertes JobTicket für den ÖPNV, die BahnCard und ein flexibles Budget für Taxifahrten oder Car-, Fahrrad- und E-Scooter-Sharing in einer digitalen Lösung bündeln. Symbolbild: Bundesverband CarSharing e.V.
Nadine Bradl

Der Verkehrssektor in Deutschland stelle den Klimaschutz weiterhin vor große Probleme. Seine Emissionen seien zu hoch und sinken nicht. Dennoch förderten die geltenden steuerlichen Privilegien die Anschaffung und Nutzung emissionsintensiver Dienstwagen, kritisierte ein Bündnis aus Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, Allianz pro Schiene, Zukunft Fahrrad und Bundesverband CarSharing in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Weniger Dienstwagen = weniger Treibhausgase

Demnach würden zwei von drei neuen Pkw in Deutschland gewerblich zugelassen. Geleaste Dienstwagen, vornehmlich große, übermotorisierte Fahrzeuge der oberen Segmente, gehen nach kurzer Haltedauer in den Gebrauchtmarkt und prägen daher den Pkw-Bestand über viele Jahre, heißt es vom Bündnis. Zudem sei ein Drittel der Wege in Deutschland berufsbedingt. Eine Abkehr von der aktuellen Dienstwagenpraxis sei dringend notwendig für die Minderung von klimaschädlichen Treibhausgasen im Verkehrssektor.

Flexibel unterwegs

Mobilitätsbudgets seien eine moderne Möglichkeit, klimafreundliche Verkehrsmittel zu fördern und als Arbeitgeber einen Anreiz für Mitarbeitende zu bieten. Mobilitätsbudgets bündeln das Dienstfahrrad im Leasing oder Abo, ein steuerlich privilegiertes JobTicket für den ÖPNV, die BahnCard und ein flexibles Budget für Taxifahrten oder Car-, Fahrrad- und E-Scooter-Sharing in einer digitalen Lösung – je nach Lebenssituation können die Mobilitätsangebote flexibel ausgewählt und kombiniert werden. Dadurch wird ein umfassendes Mobilitätsangebot für alle Beteiligten mit einer besseren Klimabilanz geschaffen.

„Statt sich auf ein Verkehrsmittel wie beispielsweise den Dienstwagen festzulegen, erhalten die Mitarbeitenden ein Budget für verschiedene Mobilitätsangebote und können frei wählen, wofür sie dies einsetzen. Diese Form der multimodalen Mobilität ist nicht nur effizient und klimaschonend, sondern entspricht inzwischen auch dem alltäglichen Mobilitätsverhalten der Menschen“, so VDV-Vizepräsident Knut Ringat.

Bislang böten nur zwei Prozent der Unternehmen Mobilitätsbudgets an. Der Umstieg sei mit personellem und finanziellem Aufwand verbunden. Die neue Bundesregierung muss Unternehmen daher mit einem Bundesprogramm bei der Einführung von Mobilitätsbudgets helfen, so dass dienstliche Mobilität schnell und umfassend verändert werden kann, fordert das Bündnis. Denn auch ein alleiniger Antriebswechsel auf elektrisch betriebene Pkw-Flotten werde den umfassenden Anforderungen an nachhaltige Mobilität nicht gerecht. Die Einsparungen von CO2-Emissionen werden aus Klimasicht nicht ausreichen.

Nachhaltig statt nur elektrisch

Zudem würde auch der elektrifizierte motorisierte Individualverkehr unverhältnismäßig viel Fläche und Energie verbrauchen, wenn er in der heutigen Form weitergeführt wird. Stattdessen brauche es nachhaltige Mobilitätsalternativen, um den Pkw-Verkehr insgesamt zu verringern.

Dazu sagt Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene: „Viele Menschen in Deutschland wünschen sich Alternativen zum täglichen Stau auf der Straße. Der Staat setzt aber bis heute die falschen finanziellen Anreize. Ein Mobilitätsbudget stärkt den Klimaschutz und die Wahlfreiheit für die Menschen.“

Wasilis von Rauch, Geschäftsführer Bundesverband Zukunft Fahrrad: „Die einseitige Fokussierung auf Dienstwagen ignoriert das Fahrrad und blockiert die Verkehrswende. Millionen übermotorisierte Autos sind das Resultat. Attraktiv gestaltete Mobilitätsbudgets können dagegen den Durchbruch für nachhaltige Mobilität von Beschäftigten bedeuten.“

Gunnar Nehrke, Geschäftsführer des Bundesverband CarSharing ergänzt: „Mit dem Mobilitätsbudget können Mitarbeiter*innen auf klima- und ressourcenschonende Verkehrsmittel setzen und dabei auch Pkw im CarSharing nutzen, wenn das notwendig wird. Das ersetzt die einseitige Bindung an den Dienstwagen durch maximale Wahlfreiheit.“

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