Ford will Unfälle vorhersagen

Hersteller entwickelt digitale Technologie zur Vorhersage von potenziellen Unfällen auf Basis von Daten vernetzter Fahrzeuge und Infrastruktur-Sensoren.

Wissen, wo's kracht: Ford entwickelt mit Partnern eine Techologie, die Kommunen die Prävention von Unfällen erleichtern soll. | Foto: Ford
Wissen, wo's kracht: Ford entwickelt mit Partnern eine Techologie, die Kommunen die Prävention von Unfällen erleichtern soll. | Foto: Ford
Johannes Reichel

Ein Konsortium unter Leitung des in London ansässigen Ford Mobility-Teams hat die Entwicklung einer Technologie zur Vorhersage potenzieller Unfall-Schwerpunkte und ihrer Ursachen angekündigt. Man will dabei die Kernfragen beantworten, wo passieren Unfälle wann und warum. Die Ergebnisse sollen es Kommunen ermöglichen, präventive Verbesserungsmaßnahmen an diesen besonders gefährdeten Straßenabschnitten und Kreuzungen umzusetzen und dadurch das Unfall-Risiko für die Verkehrsteilnehmer zu senken.

Jedes Jahr verlieren rund um den Globus mehr als 1,3 Millionen Menschen ihr Leben im Straßenverkehr, das sind rund 3.700 Personen pro Tag. Damit stehen Verkehrsunfälle weltweit als Todesursache auf dem achten Platz, schildert der Hersteller zum Hintergrund.

Die nun getestete Technologie analysiert Informationen aus unterschiedlichen Quellen wie zum Beispiel von vernetzten Fahrzeugen und von Sensoren an viel befahrenen Verkehrskreuzungen.

"In nicht allzu ferner Zukunft wird jedes neue Fahrzeug ein vernetztes Fahrzeug sein. Wir sehen darin eine Chance, Verkehrsunfälle zu reduzieren und somit Menschenleben zu retten", glaubt Jon Scott, Projektleiter, City Insights, Ford Mobility.

Datenbasierte Verkehrssicherheit

Der Hersteller hat im Rahmen des 18-monatigen Projekts, das in diesem Sommer startete, rund 700 Pkw- und Nutzfahrzeuge in Oxfordshire vernetzt. Diese Telematik-Daten - wie etwa die Betätigung von Brems- und Gaspedal oder der Lenkradeinschlag - sollen zusammen mit Informationen von Straßenrand-Sensoren ausgewertet werden. Sie stammen vom Unternehmen Vivacity Labs und verwenden Algorithmen, um Beinahe-Unfälle zu erkennen und die Bewegungsmuster von Fahrzeugen, Radfahrern und Fußgängern zu analysieren. Alle von den Sensoren erfassten Daten würden anonymisiert, beruhigen die Macher.

Weitere Tests mit vernetzten Fahrzeugen

Das aktuelle Projekt in Oxfordshire folgt auf zwei bereits erfolgreich umgesetzte Praxistests in London, bei denen weit mehr als eine Million Kilometer mit vernetzten Fahrzeugen zurückgelegt wurden, um Unfall-Hotspots im Großraum London zu analysieren. Daraus habe man dann detaillierte Vorschläge für die Erhöhung der Verkehrssicherheit abgeleitet. Bereits einfache, ja scheinbar banale Maßnahmen könnten sich sofort positiv auf die Verkehrssicherheit auswirken, plädieren die Projektpartner. So gehörte zu den Verbesserungsvorschlägen beispielsweise die Einführung von Verkehrsampeln oder eine andere Ampelschaltung, eine höhere und damit besser sichtbare Montage von Verkehrsschildern - aber auch das Zurückschneiden der Vegetation zur verbesserten Einsehbarkeit von kritischen Straßenkreuzungen.

Die Sparte Ford Mobility arbeitet bei dem Projekt in Oxfordshire mit Partnern wie Transport for London, dem Oxfordshire County Council, dem KI-Sensorspezialisten Vivacity Labs und führenden Wissenschaftlern des Transport Safety Research Center der Loughborough University zusammen. Die Initiative erfreue sich zudem der finanziellen Unterstützung durch Innovate UK, einem von der britischen Regierung unterstützten Innovationsfonds, wie man mitteilt. Darüber hinaus kooperiert der Hersteller auch mit Behörden in Köln und dem spanischen Valencia, um weitere Möglichkeiten zu finden, wie die Auswertung von vernetzten Fahrzeugdaten und die Analyse der Verkehrsinfrastruktur der Verbesserung der innerstädtischen Verkehrssicherheit zugutekommen kann.

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