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Ford Werk Saarlouis: Investor Deal geplatzt, tausende Arbeitsplätze in akuter Gefahr

Auf einer Betriebsversammlung wurde den Mitarbeitern am Standort Saarlouis von Ford eine schockierende Nachricht mitgeteilt: Die Verhandlungen über den Verkauf des Saar-Werks an einen Großinvestor sind vorerst gescheitert.

Das waren noch Zeiten - 2019 lief das 15-millionenste Ford Auto - ein roter Fiesta - in Saarlouis vom Band.| Foto: Ford
Das waren noch Zeiten - 2019 lief das 15-millionenste Ford Auto - ein roter Fiesta - in Saarlouis vom Band.| Foto: Ford
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Thomas Kanzler

Deutschlandchef Martin Sander vermied die direkte Konfrontation mit den Ford-Mitarbeitern, Berichten zufolge gab es bei der Versammlung Pfiffe und Buhrufe für Fords Arbeitsdirektor Rainer Ludwig, der die Nachricht überbrachte. Vertreter der saarländischen Landesregierung, darunter Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, waren ebenfalls vor Ort, und die Stimmung war nach Angaben einiger Teilnehmer aufgeheizt.

„Die Gespräche mit dem Ankerinvestor sind zu einem Ende gekommen und werden nicht fortgeführt“, verkündete Sander, dem Handelsblatt. „Ich weiß, das ist enttäuschend für die Belegschaft und für uns alle."

Der geplante Deal mit dem Großinvestor hätte bis zu 2.500 Arbeitsplätze in der Region gesichert. Aktuell sind 4.500 Mitarbeiter bei Ford im Saarland beschäftigt, weitere 1.500 Arbeitsplätze hängen von dem Werk ab. Sander erklärte, dass nun Verhandlungen mit den Sozialpartnern geführt werden sollen, um eine Zukunftslösung für den Standort zu finden.

Valencia statt Saarlouis

Die Entscheidung, Elektroautos der nächsten Generation nicht im Saarland, sondern in Spanien zu produzieren, führte zur Schließung des Werks in Saarlouis und hatte bereits im Sommer 2022 für Unruhe gesorgt.

 

Betriebsratschef Markus Thal zeigte sich entsetzt von dem Rückschlag. Der Plan sei gewesen, mit etwa 3.000 Beschäftigten im Werk weiter Fahrzeuge zu bauen und die Transformation in die E-Mobilität gemeinsam mit den Zuliefererbetrieben aus dem Supplier Park zu begleiten. Immerhin: Laut Thal soll es weitere Gespräche geben. Der Betriebsrat konzentriert sich nun auf die Verhandlungen über einen Sozialplan, um die Auswirkungen der Werksschließung auf die Mitarbeiter abzufedern. Die Gewerkschaft IG Metall plant ebenfalls weitere Schritte, um die Interessen der Beschäftigten zu verteidigen.

 

Deal platzte im letzten Moment

Ende Juni hatte Deutschlandchef Sander am Standort von konkreten Vereinbarungen mit einem Investor berichtet. Bis zum 30. September sollte ein Memorandum of Understanding unterzeichnet werden. Zu diesem verbindlichen Vorvertrag kam es laut Sander nach einer Machbarkeitsprüfung des Interessenten jetzt nicht. Gut informierte Kreise vermuten, dass es sich bei dem Interessenten entweder um die chinesischen Automobilkonzerne BYD oder Chery handeln könnte, beide Autobauern sollen ein großes Interesse daran zeigen, im Herzen von Europa eine Fahrzeug-Fertigung hoch zu ziehen.

Saarländische Regierung involviert

Saarlands Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) zeigte sich nach der Betriebsratsversammlung irritiert, schließlich sei man mit Engagement in die Verhandlungen gegangen und habe ein Paket in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages auf den Tisch gelegt.

„Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um am Standort Saarlouis nach wie vor gut bezahlte Industriearbeitsplätze und Jobs in Zukunftsbranchen zu schaffen“, betonte Barke.

Das Saarland hatte im Frühjahr einen Kaufvertrag mit dem US-Autokonzern geschlossen, nachdem das Land das Grundstück für bis zu 95 Millionen Euro übernehmen müsste, wenn sich bis 2025 kein geeigneter Investor fände.

Was bedeutet das?

Das Scheitern der Verhandlungen wirft die Frage auf, wie es mit den Arbeitsplätzen im Saarland und anderen Werken von Ford in Deutschland weitergeht. Ford plant, in den nächsten drei Jahren 3.800 Stellen in Europa abzubauen, darunter 2300 in Deutschland. Der US-Autokonzern hat in Europa mit schwindenden Marktanteilen zu kämpfen und plant, bis 2030 ausschließlich Elektroautos zu verkaufen, obwohl Ford derzeit bei dem Geschäft mit den Stromern noch hohe Verluste verzeichnet.

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