Ford-Werk in Saarlouis: Wie gehts ab 2025 weiter?

Das Werk in Valencia wird ein künftiger E-Standort des Konzerns in Europa. Die Produktion des im internen Wettbewerb unterlegenen Werkes in Saarlouis läuft 2025 aus. Tausende Jobs stehen auf dem Spiel. Gibt es einen Plan B für den traditionsreichen Standort im Saarland?

So gings los in Saarlouis: Am 16. Januar 1960 lief der erste Ford Escort vom Band.| Foto: Ford
So gings los in Saarlouis: Am 16. Januar 1960 lief der erste Ford Escort vom Band.| Foto: Ford
Thomas Kanzler

Im Saarland ist die Wut groß, nachdem sich der amerikanische Konzern nach einem hart geführten internen Konkurrenzkampf der beiden Fertigungsstätten für den spanischen Standort entschieden hat. Ford Europa-Chef Stuart Rowley hatte zwar nach Verkündigung der Entscheidung davon gesprochen, weiter mit der „Sondierung möglicher Optionen“ beschäftigt zu sein. Allerdings ist davon auszugehen, dass damit – wenn überhaupt – eine Fortführung im kleinen Rahmen ohne richtige Produktion gemeint ist.

Verkauf des Werkes in Saarlouis steht im Raum

Ein Verkauf des Werkes wäre nicht die schlechteste Option für die Ford-Beschäftigten in Saarlouis. 2012 hatte der in Automobilkreisen noch belächelte Unternehmer Elon Musk die Produktion des Modell S in einem ehemaligen Toyota Werk gestartet. Auch jetzt drängen einige neue Auto-Firmen auf den europäischen Markt. So expandieren unter anderem Nio aus China und Vinfast aus Vietnam und auch der kalifornische Hersteller Fisker. Fisker lässt sein SUV Ocean bei Magna in Graz fertigen, möchte aber bald ein weiteres Modell lancieren. Die Liste möglicher Interessenten ließe sich noch durch diverse aufstrebende Start-ups erweitern.

Werksneubau nicht immer die beste Lösung

BMW hat erst kürzlich ein neues Werk im ungarischen Debrecen eröffnet. Die Kosten des Werksneubaues sind aber durch Inflation und Materialknappheit um etwa 40 Prozent über der ursprünglichen Kalkulation gestiegen. Die Übernahme eines bereits bestehenden Werkes mit qualifizierter Belegschaft ist vor allem für neue E-Fahrzeughersteller attraktiv. Eine komplette neue Fertigungsstätte hochzuziehen wäre meist nicht rentabel und zu aufwändig.

Entscheidung für Valencia war von Experten erwartet worden

Ford-CEO hatte angekündigt, dass die Transformation zur Elektromobilität „harte Entscheidungen“ erfordere. Der Bau eines Elektrofahrzeuges sei „weniger komplex und brauche schlicht weniger Personal“. Zudem stehe Köln bereits als Standort für E-Fahrzeuge fest, ein weiteres Werk für E-Fahrzeuge in Deutschland war also nicht sehr wahrscheinlich.

Was bedeutet das?

Nach dann 55 Jahren wird im Jahr 2025 die Ford-Produktion in Saarlouis enden. Es gibt positive Beispiele von erfolgreichen Werksübernahmen wie z.B. die des Saab Werkes, das mit Sono Motors wiederbelebt wurde. Hoffen wir für die Ford Mitarbeiter das Beste.

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