Ford und Hermes: Pilottest mit Kofferraumbelieferung

Pilottest der Kooperationspartner in Großbritannien für den Service "Secure Delivery to Vehicle". Der kostenlose Dienst basiert auf der FordPass-App. Denkbar sind dabei auch Retouren.

Klappt gut: Ford und Hermes erproben die Kofferraumbelieferung. | Foto: Ford
Klappt gut: Ford und Hermes erproben die Kofferraumbelieferung. | Foto: Ford
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Lieferbooms im Online-Shopping haben der Automobilhersteller Ford und der KEP-Logistiker Hermes UK in Großbritannien ein Pilotprojekt zur Lieferung von Paketen in den Kofferraum gestartet. Im Rahmen des sogenannten "Secure Delivery to Vehicle", das diesen Monat in ausgewählten Regionen Großbritanniens gestartet wurde, soll die direkte Zustellung von Paketen in Fahrzeuge, die sich in der Nähe der Fahrzeug-Halteradresse befinden, realisiert werden.

"Die Paketboten müssen nicht mehr suchen, klingeln, Treppen steigen oder Nachbarn finden, die ein Paket annehmen. Und die Kunden wissen, dass ihre Bestellung geliefert wurde und wo sie sich befindet, nämlich im eigenen Auto", wirbt der Hersteller.

So funktioniert der Service "Secure Delivery to Vehicle"

Im Zuge der Online-Bestellung von Produkten bei ausgewählten Händlern wird den Teilnehmern des Pilotprojekts in der Ford-eigenen App die kostenlose Option "Secure Delivery to Vehicle" angeboten. Stimmt der Besteller zu, muss er genaue Angaben zum Standort seines Autos der Marke machen. Sobald sich der Hermes-Paketbote in einem Umkreis von 300 Metern zum Kundenfahrzeug befindet, wird der genaue Standort auf seiner Hermes-App angezeigt. In einem Umkreis von 50 Metern muss der Hermes-Paketbote den Barcode auf dem Paket scannen, um einen nur jeweils einmal gültigen Entriegelungs-Code für das Fahrzeug zu erzeugen, so dass er das Paket im Kofferraum des Kundenfahrzeugs deponieren kann. Sollte der Paketbote vergessen, danach das Auto per App wieder zu verschließen, wird es innerhalb einer festgelegten Zeit automatisch verriegelt.

Sperrgut wird nach Hause umgeleitet

Das Orten des Fahrzeugs, die Fernentriegelung sowie das Wiederversperren werden durch eine entsprechende Berechtigung ermöglicht, die der Fahrzeugeigner den Hermes-Zustellern über die Ford-App erteilt. Sollte sich das Fahrzeug wider Erwarten nicht innerhalb eines Radius von 300 Metern zum angegebenen Standort befinden, werde das Paket an den Wohnort des Empfängers geliefert, so der Anbieter. Dies gelte auch für Pakete, die zu sperrig sind und daher nicht in das Fahrzeug passen.

Service-Umfang soll ausgeweitet werden

Zu einem späteren Zeitpunkt ist geplant, den Service-Umfang des Pilotprojekts auszuweiten. So soll der Kunde künftig auch seine Retour-Lieferung in seinem Fahrzeug zwischenlagern können, so dass der KEP-Logistiker das Paket oder die Pakete aus dem Fahrzeug heraus dem entsprechenden Adressaten oder den entsprechenden Adressaten zustellen kann. Außerdem ist vorstellbar, dass Hermes bestellte Pakete an zusätzliche Fahrzeug-Standorte ausliefert, zum Beispiel an der Arbeitsadresse des Bestellers.

"Die Nutzung des Fahrzeugs als Lieferadresse ist für den Kunden komfortabel. Zudem behält er die Kontrolle und kann sicherstellen, dass Pakete dort ankommen, wo es ihm gerade am besten passt", wirbt Mark Harvey, Director, Enterprise Connectivity, Ford of Europe.

Diese neue Zustelloption ergänze herkömmliche Lieferwege an feste Adressen oder an einen Hermes-Paket Shop und unterstützt gleichzeitig unsere Bemühungen um kontaktlose Lieferungen während der Corona-Pandemie, meint Lynsey Aston, Head of Product, Innovation and Onboarding, Hermes UK.

Teil einer größeren Kooperation für bessere Belieferung

"Secure Delivery to Vehicle" ist nur ein Beispiel der Kooperation der beiden Partner, um Liefer-Services zu verbessern. In Erprobung ist auch eine Software, die Hermes-Fußgänger-Kuriere zusätzlich zum traditionellen Lieferweg per Nutzfahrzeug koordiniert, um die Paketzustellung in der Stadt schneller und "grüner" zu gestalten. Ins Leben gerufen wurde außerdem ein neues Forschungsprogramm für selbstfahrende Fahrzeuge. Ziel ist es, durch die Zusammenarbeit mit Kunden besser zu verstehen, wie autonome Fahrzeuge künftig in das Liefergeschäft integriert werden können.

Allein in Großbritannien macht der E-Commerce heute bereits 30 Prozent des Einzelhandelsumsatzes aus, gegenüber etwas mehr als 20 Prozent im Jahr 2019. In einer europaweiten Umfrage gaben 86 Prozent der Teilnehmer an, dass sie auch nach der Corona-Pandemie mehr online einkaufen wollen, skizziert der Anbieter den Hintergrund der neuen Services.

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