Ford-Tochter Spin startet E-Scooter-Sharing in Deutschland

Nach Köln folgen Dortmund und Essen. Anbieter sieht gerade jetzt Bedarf für individuelle Mobilität und will mit klarer Preisstruktur punkten. Ein VM-Gespräch mit Felix Petersen, General Manager of Spin Europe.

Rollern um den Dom: Vor allem für kurze City-Distanzen sieht der Anbieter Spin das Verkehrsmittel im Vorteil. Und Potenzial für einen weiteren Sharing-Dienst. | Foto: Spin
Rollern um den Dom: Vor allem für kurze City-Distanzen sieht der Anbieter Spin das Verkehrsmittel im Vorteil. Und Potenzial für einen weiteren Sharing-Dienst. | Foto: Spin
Johannes Reichel

Mit dem Standort der Deutschland-Zentrale Köln hat die Ford-Mikromobilitätstochter Spin den Startschuss für den Service mit E-Roller-Sharing gegeben, der rasch auf Dortmund und Essen erweitert werden soll. Dabei will der im Jahr 2017 gegründete kalifornische Scooter-Dienst vor allem mit einer klaren Preisstruktur punkten, die auf einen Minutenpreis von 30 ct setzt und keine Entsperrgebühr vorsieht. Damit senke man die Einstiegsbarriere für das neue Transportmittel, zeigt sich der Anbieter überzeugt. Die Kunden sollen zudem das jüngste Modell des Anbieters erhalten, das mit einem stabilen Rahmen, breitem Trittbrett und großen Reifen auch auf Kopfsteinpflaster hohen Fahrkomfort bieten soll. Zum Start stehen die E-Tretroller in Köln-Ehrenfeld sowie Deutz bereit. Sie können wie üblich per App angemietet und wieder abgestellt werden. Per Geofencing und regional angepasste Software will der Anbieter sicherstellen, dass die Roller nicht in Verbotszonen abgestellt oder das jeweilige Tempolimit überschritten wird. Während der Pandemie verzeichnete der Anbieter zudem eine verstärkte Nachfrage durch Mitarbeiter des Gesundheitssystems, wie Derrick Ko, CEO und Co-Founder von Spin erklärte. Wir sprachen mit Spin-Europa-Chef Felix Petersen über die Chancen und Potenziale für einen weiteren E-Scooter-Verleih.

VM: Wieso launcht Spin seine Dienste in Deutschland gerade jetzt?

FP: Als Unternehmen haben wir bei Spin schon immer einen anderen Ansatz verfolgt. Uns war es sehr wichtig, dass wir nicht nur wachsen, sondern dass wir vor allem verantwortungsvoll wachsen. Über ein Jahr lang haben wir daher unsere Aktivitäten in über 60 Städten und mehr als einem Dutzend Universitäten in den Vereinigten Staaten evaluiert. Nun sind wir bereit, dass wir uns auch im internationalen Markt zu einem wichtigen Akteur und Anbieter für Mikromobilität werden. Diesen Zeitpunkt haben wir sorgfältig gewählt, denn derzeit lockern viele Städte die Covid-19-Schutzmaßnahmen.

Auch hat die Pandemie in vielen Ländern und Städten Debatten angestoßen, wie man den innerstädtischen Verkehr noch besser und sicherer gestalten kann. In der aktuellen Situation sehen wir besonders für individuelle Verkehrsmittel eine verstärkte Nachfrage.

Mikromobilität bietet für viele Menschen eine erschwingliche Lösung und ist das ideale Verkehrsmittel, da es gleichzeitig auch Social Distancing unterstützt. Diese Entwicklung beobachten wir auch weltweit.

Welche Pläne hat Spin für den deutschen Markt?

FP: Als erste europäische Stadt haben wir uns für Köln entschieden, wo unsere Dienste ab sofort verfügbar sind. Dortmund und Essen werden ab der kommenden Woche folgen, was uns sehr freut. Wir möchten, dass Mikromobilität zu einer echten Alternative für die Menschen wird. Hierfür ist uns die Zusammenarbeit mit Städten, Non-Profit-Organisationen sowie Fürsprechern für Initiativen, die sich für eine sichere Stadtplanung und sichere Städte einsetzen, wichtig.

Durch Partnerschaften mit Immobilienunternehmen und Städten für unsere Spin Hubs - Ladestationen, an denen Fahrzeuge abgestellt werden - möchten wir feste Anlaufstellen für unsere Fahrer schaffen und E-Scooter-Chaos auf den Straßen vermeiden.

Welche Mehrwerte bietet Spin Städten und Gemeinden in den aktuellen Zeiten für die Mobilitätswende?

FP: Wir beobachten eine verstärkte Nachfrage für Mikromobilität derzeit weltweit und sehen sie als ideale Lösung, damit Städte Menschenansammlungen vermeiden können. Auch erlaubt sie es, dass sich Menschen nicht nur sich flexibel und erschwinglich fortbewegen können, sondern sie unterstützt gleichzeitig auch das Abstand halten zu anderen Personen. 

Die E-Scooter-Verleih-Systeme sind aufgrund ihrer zweifelhaften Nachhaltigkeit und kurzen Lebenszyklen in die Kritik geraten. Wie will sich Spin hier abgrenzen und positionieren?

FP: Die Lebensdauer variiert tatsächlich je nach Nutzung in jedem Markt. Wenn ein Roller nicht mehr brauchbar ist, prüfen wir ob einzelne defekte Komponenten ersetzt werden müssen. Sollte der Roller nicht repariert werden können, nutzen wir die funktionstüchtige Komponenten für anderweitige Reparaturen. Sollte das nicht möglich sein, kümmern sich unsere akkreditierte Recyclingpartner um eine fachgerechte Entsorgung. Spin arbeitet kontinuierlich daran Prozesse zu optimieren, damit unsere Fahrzeuge noch effizienter, sicher, komfortabler und länger nutzbar werden. In diesem Zusammenhang arbeiten wir auch an Lösungen, bei denen die Batterien von E-Scootern flexibel ausgetauscht werden können.

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