Ford Sync 4: Infotainment wird lernfähig und individuell

Nächste Generation des Bediensystems nimmt Anleihen bei Tesla, soll lernfähig und personalisierbar sein. Im Mach E baut es auf ein 15,5-Zoll-Tablet. Steuerung mit cloudbasierter, "natürlicher" Spracherkennung.

Ein "touch" von Tesla: Ziemlich offenbar ist, wo die Ford-Entwickler Anleihen nahmen und sich orientierten beim SYNC 4-System im Mach E. | Foto: Ford
Ein "touch" von Tesla: Ziemlich offenbar ist, wo die Ford-Entwickler Anleihen nahmen und sich orientierten beim SYNC 4-System im Mach E. | Foto: Ford
Johannes Reichel

Der Automobilhersteller hat in einer virtuellen Präsentation sein neues sprachgesteuertes Kommunikations- und Entertainment-System Sync 4 vorgestellt, die erstmal im vollelektrischen Crossover Mach E zum Einsatz kommen soll, der Anfang 2021 auf den Markt kommt. Auf der Veranstaltung wurde auch eine neue, per Smartphone bedienbare Funktion vorgestellt, die es den Eigentümern des Fahrzeugs ermöglicht, verschiedene Einstellungen, beispielsweise der Klimaanlage, des Unterhaltungssystems oder bevorzugte Fahrmodi aus der Ferne zu personalisieren und voreinzustellen. Das System soll die Ablenkung während der Fahrt reduzieren. Hierfür sorgen etwa eine weiterentwickelte Spracherkennung, die stets zur Verfügung stehende Internetverbindung und die Lernfähigkeit des Systems, das Vorschläge basierend auf früheren Fahrten machen kann, wie der Hersteller wirbt.

Infos aus der Cloud reichern die Antworten an

Das System versteht alltägliche Befehle in 15 europäischen Sprachen. Auf diese Weise ließen sich Unterhaltungs- und Navigationsfunktionen bis hin zu Telefonanrufen und Fahrzeugeinstellungen kontrollieren, ohne dass die Hände vom Lenkrad genommen werden müssen, verspricht der Hersteller. Um die besten Antworten auf Befehle und Fragen zu geben, ergänzt die neue Ford SYNC-Generation die On-Board-Intelligenz mit Ergebnissen aus der Cloud.

„Wir haben mit besonderem Fokus daran gearbeitet, das Fahrerlebnis im neuen Mustang Mach-E so individuell wir nur möglich zu gestalten“, sagt Jan Schroll, Connectivity Manager bei Ford of Europe.

Im vollelektrischen Mach-E ermöglicht die neue Version die Anpassung von mehr als 80 Fahrzeug-Einstellungen – angefangen bei der Innenraum-Temperatur über die Sitzposition bis hin zur Ambiente-Beleuchtung. Das SYNC-System verwendet einen Algorithmus für maschinelles Lernen, um die Gewohnheiten der Fahrer im Laufe der Zeit immer besser zu verstehen. Das System soll die Routinen jedes Fahrers "erlernen" und schlägt die richtigen Navigations- und Kommunikationsvorschläge zur richtigen Zeit vor.

"Das Auto versteht zunehmend, was den Besitzern gefällt, darauf basierend kann es etwa vorschlagen, wann es Zeit ist, zum Beispiel die Mutter anzurufen oder zum Fitness-Studio zu navigieren", skizziert der Hersteller weiter.

Im neuen Ford Mustang Mach-E ist das SYNC-System an ein 15,5-Zoll-Full-HD-Display mit Touchscreen-Funktion gekoppelt. Die Inhalte auf dem Bildschirm sollen auf einen Blick abzulesen, relevante Funktionen leicht erreichbar sein. Der Fahrer soll höchstens eine oder zwei Berührungen von seiner nächsten Anwendung oder Information entfernt sein. Die gleichzeitige Anzeige verschiedener Anwendungen soll dafür sorgen, dass zum Beispiel das Annehmen eines Anrufs während der Navigation an einer Kreuzung nicht mehr zu verpassten Abbiegehinweisen auf dem Bildschirm führt. Apple CarPlay und Android Auto werden kabellos unterstützt. Die Smartphone-Konnektivität werde durch die AppLink zusätzlich verbessert, mit unterstützten Apps wie What3words, Waze und Webex, die die persönlichen Smartphone-Inhalte noch besser in das Fahrzeug integrieren.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Ab Händler: Vorkonfigurieren per App und Cloud

Beim Mach-E können Kunden zahlreiche Funktionen ihres neuen Fahrzeugs per App vorkonfigurieren, noch bevor das Fahrzeug ausgeliefert wird. Es lasse sich unter anderem ein personalisiertes Profil mit Foto oder Avatar erstellen, darüber hinaus können Lieblingsorte wie der Supermarkt, bestimmte Ladestationen oder auch der Heimat- und Arbeitsort abgespeichert werden. Mögliche Einstellungen umfassen darüber hinaus bevorzugte Komfort-Programmierungen im Fahrzeug-Innenraum sowie gewünschte Ladezeitpläne für die elektrische Batterie des Fahrzeugs. Die Konfiguration ist wahlweise online oder mittels FordPass möglich.

E-Ladeinfrastruktur und Reichweite im Blick

In Sachen elektrischem Fahren wird die Verfügbarkeit von öffentlichen Ladesäulen inklusive der entsprechenden Strompreise in Echtzeit angezeigt. Als erstes Ford-Modell soll der Mach-E die Genauigkeit von Reichweiten-Angaben mittels Cloud-Konnektivität präzisieren. Die sogenannte „Intelligent Range“-Technologie soll ungeplante Ladestopps so vermeiden. Zur Reichweitenanalyse werden auch das vorausgegangene Fahrverhalten, Wetterprognosen sowie Daten von anderen Ford Elektrofahrzeugen in die Berechnungen mit einbezogen.

Integriert ins Ionity-Netz

Die Fahrer des Modells haben Zugang zum größten öffentlichen Ladenetz in Europa (NewMotion und IONITY), inklusive der Möglichkeit, mit der FordPass-App zu bezahlen. Aktuelle, von Ford durchgeführte Tests zeigen, dass der E-Crossover beim Aufladen an einem IONITY-Schnell-Ladepunkt innerhalb von etwa zehn Minuten eine durchschnittliche WLTP-Reichweite von 119 km erzielt. Die Fahrzeug-Versionen mit „Standard Range“-Batterien hätten bei einer Ladezeit von zehn Minuten an einem IONITY-Schnell-Ladepunkt eine durchschnittliche Reichweite von 91 Kilometern (Heckantrieb) beziehungsweise 85 Kilometern (Allradantrieb) erreicht. Die Ladezeit von zehn auf 80 Prozent Batteriekapazität betrage jeweils weniger als 40 Minuten. Über die FordPass-App sollen Informationen zu Ladestatus und Reichweite jederzeit zur Verfügung stehen.

Navigation: Anschluss an die TomTom-Welt

Um eine bestmögliche Navigation zu bieten, wählte der US-Hersteller den niederländischen Spezialisten TomTom als Zulieferer für Echtzeit Verkehrsinformationen. Die Verkehrsdaten werden alle 30 Sekunden aktualisiert. Dies ermögliche es den Nutzern, situationsgerecht auf eine staufreie Route auszuweichen. Es könnten sogar Staus vorausgesagt werden, durch die Auswertung von Millionen von Datensätzen aus miteinander vernetzten Navigationsgeräten, wirbt der Anbieter weiter.

Die neuesten Kartenversionen werden im Fahrzeug gespeichert, sodass die Navigation auch an Orten ohne Netzwerkverbindung effizient bleibe. Zudem könne die FordPass App den Fahrern helfen, schnell und genau zu lokalisieren, wo sie ihr Auto in unbekannten Städten oder großen Parkplätzen abstellen können.

Zeitgemäß vernetzt: Updates "over the air"

Dafür, dass die Fahrzeuge immer auf dem neuesten Stand sind. Drahtlos liefern die OTA-Updates im Hintergrund neue Funktionen sowie Qualitäts- und Leistungsverbesserungen für das Ford SYNC-System und die Steuergeräte im gesamten Fahrzeug, wodurch insgesamt auch der Service-Aufwand reduziert werden kann. Die überwiegende Anzahl der OTA-Updates wird in weniger als zwei Minuten aktiviert.

Was bedeutet das?

Keine Revolution, aber eine Evolution stellt das neue SYNC-System von Ford da, bei dem man sehr starke Anleihen bei den Landsleuten in Kalifornien nahm, mit deren damals revolutionären Bedienkonzept, das lautet: "Fast alles auf den Touchscreen". Ob das ergonomisch immer so die beste Lösung ist und nicht die geschmähten "Dreh-Drück-Steller" die intuitivere Lösung, lassen jüngste Erkenntnisse zweifelhaft erscheinen. Auch mit versprochenermaßen maximal zwei Berührungen bis zu zentralen Funktionen reicht die Ablenkung, um einen Unfall zu bauen. Aber es ist der Trend zur "Computerisierung" der Automobile, dem sich Ford auch nicht verschließen will und mit dem Mach E ins Smart-Car-Zeitalter einsteigt. Und wenn die Sprachsteuerung wirklich "natürliche Ansagen", möglicherweise sogar auf bayerisch oder mit Südstaaten-Slang, versteht, dann wird ja vielleicht doch alles leichter in der "schönen neuen Auto-Welt". 

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