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Ford: Neuer Kuga als Dreifach-Hybrid

Hersteller diversifiziert sein Hybrid-Programm zu den Verbrennern, startend mit dem neuen Kuga, dem ein kompakter Puma folgen soll. Rein elektrische Modelle lassen noch auf sich warten. Nur einen vom Ford Mustang inspirierten Crossover im Jaguar-I-Pace-Stil hat man angekündigt.  

Dreifach hält doppelt: Ford launcht den neuen Kuga, neben den Verbrennern in drei Hybrid-Versionen. | Foto: J. Reichel
Dreifach hält doppelt: Ford launcht den neuen Kuga, neben den Verbrennern in drei Hybrid-Versionen. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Ford hat in Amsterdam die dritte Generation des Kompakt-SUV Kuga vorgestellt, die mit drei Hybrid-Antriebs-Varianten auf den Markt kommen soll: als Kuga Plug-in Hybrid, als Kuga EcoBlue Hybrid (mild Hybrid) und als Kuga Hybrid (Voll Hybrid). Außerdem sind für den neuen Kuga ein EcoBlue-Diesel mit 1,5 und mit 2,0 Liter Hubraum (120 und 180 PS) sowie ein 1,5-Liter-EcoBoost-Benziner (120 und 150 PS) verfügbar. Das Fahrzeug basiert auf der neuen C2-Architektur, die beim Kuga 90 Kilogramm leichter baut und dennoch verwindungssteifer sein soll. Generell wuchs das Fahrzeug allerdings um neun Zentimeter in der Länge auf 4,61 Meter und 4,4 Zentimeter in der Breite, während die Höhe um zwei Zentimeter abnahm. Dafür wächst mit dem gestreckten Radstand auch das Platzangebot im Inneren, der Beinraum soll Maßstäbe in der Klasse setzen.

Upsizing: Sparsamer mit großem Benziner

Das Plug-in-Hybrid-System umfasst wie bei Toyota einen 2,5 Liter großen Vierzylinder-Benziner, der nach dem Atkinson-Prinzip arbeitet, sowie einen elektrischen Generatormotor und eine Lithium-Ionen-Batterie mit 14,4 Kilowattstunden (kWh) Ladekapazität. Die Systemleistung beträgt 166 kW (225 PS). Rein elektrisch kann der Kuga Plug-in-Hybrid rund 50 Kilometer zurücklegen. Ford rechnet mit einem Kraftstoffverbrauch von 1,2 Liter/100 km und CO2-Emissionen von 29 Gramm pro Kilometer im WLTP, eine Rechnung, die natürlich nur in der Logik der Zyklus-Prüfung aufgeht, selten im Alltag. Das Laden der Batterie an der 230-Volt-Steckdose soll rund vier Stunden dauern. Der Kuga verfügt über vier verschiedene Fahrmodi: EV Auto, EV Now, EV Later und EV Charge.

Mild und stark: Der 48-Volt-Hybrid mit Diesel

Die Mild-Hybrid-Version des neuen Kuga nutzt das Zusammenspiel des 110 kW (150 PS) starken EcoBlue-Turbodiesels (2,0 Liter Hubraum) mit einem integrierten, von einem Zahnriemen angetriebenen Starter-Generator (Belt-driven Integrated Starter/Generator, BISG). Anstelle der herkömmlichen Lichtmaschine ermöglicht der BISG das Rückgewinnen und Speichern kinetischer Energie in einem luftgekühlten 48 Volt-Lithium-Ionen-Batteriepack. Der BISG unterstützt den Selbstzünder bei geringeren Drehzahlen als Elektromotor mit zusätzlichem Drehmoment. Das 48-Volt-System erweitert zudem die Einsatzmöglichkeiten des serienmäßigen automatischen Start-Stopp-Systems, was ebenfalls den Verbrauch und damit die Abgasemissionen senkt, die bei 5,0 Liter/100 km und bei 132 g/km CO2 liegen sollen. Den Mild-Hybrid sieht man bei Ford als Alternative zum 180-PS-Diesel mit ähnlicher oder besserer Performance, aber geringerem Verbrauch.

Als Voll-Hybrid kommt der Kuga dann Ende 2020. Er setzt auf einen geschlossenen Hybrid-Antrieb mit dem 2,5 Liter große Benziner inklusive elektrischem Motorgenerator und Lithium-Ionen-Batterie. Für die Kraftübertragung sorgt wie beim Plug-in-Hybrid ein von Ford entwickeltes, stufenloses automatisches Getriebe. Der Kuga Hybrid kommt wahlweise mit Front- oder mit intelligentem Allradantrieb auf den Markt. Der Verbrauch soll hier bei 5,6 Liter/100 km oder 130 g/km liegen.

Fahrerassistenz: Intelligenter Abstandshalter

Bei den Assistenzsystemen wartet der Kuga mit den aus dem Focus bekannten Features auf wie Head-Up-Display, Stau-Assistent mit Stop&Go-Funktionalität, aktiver Parkassistent mit Querverkehrswarner und Tot-Winkel-Assistent. Der "intelligente" Abstandstempomat erfasst per Kamera und Navigation und regelt die Geschwindigkeit selbsttätig, der aktive Fahrspurassistent korrigiert bis 200 km/h die Spur. Ein optional erhältliches adaptives Voll-LED-Licht passt je nach Verkehr den Lichtkegel des Fahrzeugs an. Innen sorgt die sogenannte Active Noise Cancellation, bei den Hybriden Serie, für eine aktive Geräuschunterdrückung mittels gegenläufiger Schallwellen aus der Soundanlage. Neu ist auch eine sensorgestützte Öffnung der Heckklappe per Fußwischen unter der Heckschürze.

Zeitgemäße Konnektivität: Alles über die App

In Sachen Konnektivität fährt der Kuga mittels On-Board-Modell und darauf basierend WLAN-Hotspot-Funktionalität für bis zu zehn Endgeräte sowie mit App-basiertem Zugang zu Fahrzeugdaten wie Tankstand, Lokalisierung oder Alarmanlage auf zeitgemäßes Niveau. Auch ein e-Call-Notruf oder die Fernverriegelung des Fahrzeugs gehören jetzt zum Standard. Das Sync3-Multimedia-System mit Spracherkennung und 12,3-Zoll-Touchscreen setzt erstmals auf sogenannte Freiform-Technologie, die sich harmonischer in das Cockpitdesign einfügen soll.  

Darüber hinaus präsentierte man für den Kompakt-SUV Kuga die sogenannte Powersplit-Hybrid-Architektur, die einen 2,5 Liter großen Vierzylinder-Benziner, der nach dem Atkinson-Prinzip arbeitet, einen Elektromotor und eine Lithium-Ionen-Batterie mit 14,4 Kilowattstunden (kWh) Ladekapazität kombiniert. Die Systemleistung beträgt 166 kW (225 PS), rein elektrisch soll der Plug-in-Hybride rund 50 Kilometer zurücklegen können.

Neuer Explorer: Sparsame Wuchtbrumme

In die Vollen geht Ford dann beim Explorer PHEV, dessen Hybrid-System aus einem 257 kW (350 PS) starken Ford EcoBoost-V6-Turbobenziner mit 3,0 Liter Hubraum und einem Elektromotor mit 74 kW (100 PS) besteht. Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Ladekapazität von 13,1 Kilowattstunden (kWh) und lässt sich per Anschluss im vorderen linken Kotflügel zwischen Tür und Radhaus mit einer Ladestation verbinden. Die Systemleistung beträgt 331 kW (450 PS), noch imposanter ist das versammelte Drehmoment von 840 Nm. Die elektrische Reichweite beläuft sich auf rund 40 Kilometer. Trotz der üppigen Systemleistung soll die das 2,5 Tonnen schwere Gefährt, das zudem eine Anhängelast von 2,5 Tonnen ziehen kann, im WLTP-Zyklus mit 3,4 l/100 km klar kommen.

Neuer Puma als Kompakt-SUV

Neu bei den populären Hochdachfahrzeugen, deren Nachfrage die Ford-Verantwortlichen als ungebrochen hoch einschätzen, kommt zudem ein Kompakt-SUV namens Puma, gleichfalls mit 48-Volt-Hybrid und einem Kofferraum von 406 Liter. Mehr wollte der Hersteller zu diesem Zeitpunkt nicht verraten. Bei den Pkw setzt Ford ansonsten wie schon bekannt bei Fiesta und Focus ab sofort auf 48-Volt-Mild-Hybrid-Technik, die hier aber mit dem 1,0-Liter-Ecoboost-Benziner kombiniert wird und die 100 Gramm-Marke beim CO2-Ausstoß unterbieten soll.

Ein Hochleistungs-Strom-SUV, das "geht wie die Hölle"

Als kleinen Ausblick bestätigte Ford für 2020 ein bislang noch nicht benanntes rein batterie-elektrisches Hochleistungs-SUV im Stile eines Jaguar I-Pace oder Tesla Model X mit Schnelllade-Kapazität und einer Reichweite von rund 600 Kilometer nach WLTP-Norm auf den Markt kommen, das Stil-Elemente des Ford Mustang aufgreift. Er soll schneller sein als ein Jaguar I-Pace oder ein Tesla Model X und den neuen Ford-Anspruch auf den Punkt bringen: "Früher waren wir Petrol-Heads, jetzt sind wir Battery-Heads. Dieses Auto geht wie die Hölle", wie Ford-Europe-Chairman Steven Armstrong formulierte.

Was bedeutet das?

Man fühlt sich fast an "Das Imperium schlägt zurück" erinnert, aber natürlich auf der "hellen Seite der Macht", so viel geballte Innovation hat Ford in einen Halbtages-Workshop gepackt. Es wird einem fast schwindelig vor lauter Hybrid-Variationen. Als wolle man beweisen: Der Erfinder des Massenautomobils kann es doch noch. Denn ganz klar auf die Massen peilt man im Sinne Henry Fords auch mit der Elektrifizierungsstrategie, die sich bei Ford schleichend und pirschend wie ein Puma vollzieht. Vor allem bei den Pkw setzt man erstmal auch Hybridisierung aller Arten, vom "milden" und preisgünstigen 48-Volt-Hybrid, der im Verhältnis zum reinen Verbrenner schon mal mindestens drei Prozent Sprit sparen soll. Auch für den geschlossenen Hybrid à la Toyota sieht man noch eine große Klientel der Auf-Nummer-Sicher-Käufer, ebenso wie für den Plug-In-Hybrid für den Pendler.

Und nebenbei will man - ebenfalls im Sinne Henry Fords - mit dem sanften Übergang via Hybrid im anbrechenden E-Zeitalter auch noch Geld verdienen. Wie meinte noch Ford-Europe-President Stuart Rowley: In der größten Transformation seit Henrys Zeiten wolle man "efficient and entertaining cars" bauen. Hoffentlich bleibt dem ikonischen Hersteller genug Zeit von Seiten der amerikanischen Mutter. Und ebenso hoffentlich vollzieht man die Wandlung vom "Petrolhead" zum "Batteryhead" schnell genug und wendet sich rasch von der unseligen SUV-Manie wieder ab: Denn die ist in Sachen Effizienz und CO2-Minderung natürlich völlig kontraproduktiv. Wie zum Hohn parkte draußen vor der Event-Location einer ausgedienten Zuckerfabrik: Ein schön flacher, kompakter und brandneuer Tesla Model 3, bei dessen unaufgeregt-freundlicher Optik samt flacher Fahrzeugfront die Ford-Designer glatt abgeguckt haben könnten. Aber mit einem so coolen, reinen Stromer kann oder will man einstweilen noch nicht dienen bei Ford.  

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