Ford: Mustang Mach-E startet in den Markt ab 46.900 Euro

Mit einem Preis auf Tesla Model 3-Niveau untermauert der Traditionshersteller seine Ansprüche in Sachen E-Mobilität. Zudem will man mit Antriebs- und Akkuvarianten und digitaler Experience punkten.

Mit dem Mustang in die Ferne reiten: Der Mach-E soll auch weitere Strecken vollelektrisch erschließen und läutet bei Ford eine neue Ära ein. | Foto: Ford
Mit dem Mustang in die Ferne reiten: Der Mach-E soll auch weitere Strecken vollelektrisch erschließen und läutet bei Ford eine neue Ära ein. | Foto: Ford
Johannes Reichel

Der US-Automobilhersteller startet auch in Deutschland mit dem vollelektrisch angetriebenen Mustang Mach-e in den Markt. Mit einem Bruttopreis ab 46.900 Euro für die heckgetriebene Variante mit dem 68 kWh-Akku (76 kWh brutto) und 54.475 Euro für den 88-kWh-Akku (98 kWh brutto) sowie 54.000 Euro für die Allradversion mit dem 68-kWh-Akku (62.900,- Extended Range) orientiert sich der Hersteller in etwa am Preisniveau des Tesla Model 3. Das gilt auch für die zentrale Bedieneinheit in Form eines 15,5"-Tablet-Screens mit Ford Sync 4-System inklusive Audio- und Navigationssystem, den Ford allerdings hochkant verbaut und um ein 10,2" großes HD-Zentraldisplay ergänzt. Ähnlich aufgesetzt ist das Setup auch in Sachen Fahrerassistenz, wo der sogenannte "Intelligent Drive Assist" stets an Bord ist, der teilautomatisiertes Fahren ermöglichen soll. Wie bei dem kalifornischen Pionier setzt Ford darüber hinaus auf regelmäßige Updates der Software, die über die serienmäßige Over-the-Air-Update-Schnittstelle aufgespielt werden sollen.

Hecktriebler mit Longrange-Akku soll 610 Kilometer schaffen

Leistungsmäßig sortieren sich die Modelle von der 198 kW starken Heckantriebs-Basis über den Hecktriebler mit Extended Range-Akku, der über 216 kW Leistung verfügt sowie die Allradler mit 198 und 258 kW Leistung. Die Drehmomente liegen bei in den beiden Hecktrieblern je 430 Nm sowie bei 580 Nm für die Allradvarianten. Entsprechend soll die Reichweite bei 440 und 610 Kilometer für die RWD und 400 und 540 Kilometer für die AWD-Versionen nach WLTP liegen. Der Stromverbrauch des Crossovermodells soll danach zwischen 16,5 und 19,5 kWh/100 km im WLTP nach NEFZ liegen. Für Vortrieb sorgt ein ölgekühlter Wechselstrom-Synchron-Motor, beim Allrad ergänzt ein permanenter Dual-Elektromotor den Antrieb.

Bis 150 kW Ladeleistung im DC, 11 kW im AC

Geladen wird im AC mit 10,5 kW Leistung sowie im DC mit in der Spitze bis zu 150 kW. Der "kleine" Akku ist im AC damit etwa in sieben Stunden wieder voll aufgeladen, in DC geht es hier in 38 Minuten von 10 auf 80 Prozent, die Extended Range-Version benötigt hier 45 Minuten. Bei Schnellladung sollen in zehn Minuten zwischen 91 und 119 Kilometer gebunkert sein. Die Höchstgeschwindigkeit ist immer auf 180 km/h begrenzt, die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h geschieht zwischen 6,1 und 5,1 Sekunden. Ende 2021 ergänzt dann noch die besonders sportliche Topversion Mustang Mach-E GT die Modellpalette. Mit einer Leistung von 358 kW (487 PS) sowie einem maximalen Drehmoment von 860 Nm beschleunigt der GT in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, Hochttempo ist hier 200 km/h.

Das Leergewicht des 4,71 Meter langen und 1,62 Meter hohen sowie 1,88 Meter breiten Fahrzeugs liegt zwischen 1,99 und 2,21 Tonnen, das Gesamtgewicht bei 2,55 bis 2,69 Tonnen, die Anhängelast ist allerdings auf 750 Kilogramm beschränkt. Beim Kofferraum bietet der Crossover mit 402 Liter im Heck und 81 Liter um Frontkofferraum ein ordentliches Niveau, das sich per Umklappen der Sitze auf 1.420 Liter steigern lässt.

Tesla als Vorbild: Dicke Ausstattung, wenige Extras

Ford setzt ähnlich wie Tesla auf eine ziemlich komplette Grundausstattung, die von Konnektivitätsfeatures über den Ford Pass Connect mit eCall, Live-Traffic-Navigation mit TomTom-Daten sowie WLAN-Hotspot reicht über ein Fahrerassistenzpaket mit aktivem Fahrspurassistenten, intelligentem Tempomaten sowie Stauassistent mit Stop-and-Go, daneben Kollisionswarner mit Ausweichassistent, Müdigkeitswarner, One-Pedal-Drive, Parkpilot sowie Rückfahrkamera mit Ein/Ausparkassistent. Zudem sollen sich die Grundeinstellungen des Fahrzeugs über eine App am Smartphone personalisieren und speichern sowie beim ersten Koppeln mit dem Fahrzeug und dem Schlüssel übertragen lassen. Die Grundausstattung wird beim AWD weiter abgerundet und aufgewertet.

Zwei Zusatzpakete zur Wahl

Gernell soll eine simple Online-Konfiguration mit wenigen Clicks möglich sein, die sich lediglich ergänzen lässt durch einige Pakete. Dazu zählt etwa das Technologie-Paket, das dann eine B&O-Soundanlage mit 560 Watt Leistung umfasst sowie eine elektrisch betätigte Heckklappe, eine 360-Grad-Kamera, einen aktiven Ausparkassistenten sowie eine Verkehrsschilderkennung. Das Paket 2 umfasst dann im wesentlichen noch das Panorama-Dach sowie einige Komfortfeatures wie die vielfach verstellbaren Sitze. Darüber hinaus bleibt lediglich noch die Wahl aus sieben Farben (Standard ist schwarz) sowie zwei Felgengrößen 18 oder 19 Zoll. Weiter listet der Hersteller dann nur noch das Zubehör wie eine wetterfeste Alpiq-Wallbox in 7,4 oder 11 kW, Anhängekupplung, Gepäckraumwanne oder Fahrradträger auf.

Zugang zu NewMotion und Ionity-Ladenetz

Unterwegs sorgt das serienmäßige Modem via App für Anschluss an das Ladenetzwerk der Shell-Tochter NewMotion, mit der Ford kooperiert. Darüber hinaus stehen den Nutzern eines Elektro- oder eines Plug-in-Hybrid-Modells von Ford auch 400 HPC-Schnell-Ladestationen (HPC = High Power Charging) mit fast 2.400 Ladepunkten zur Verfügung, im Rahmen des IONITY-Konsortiums, zu dessen Gründungsmitgliedern und Teilhabern Ford zählt. Die Distanz zwischen den einzelnen Ladestationen soll maximal 120 Kilometer betragen. Außer dem kostenlosen Zugang zum Schnell-Ladenetz erhalten Ford-Kunden für das erste Jahr zusätzlich einen ermäßigten Tarif: Anstelle des Normalpreises in Höhe von 0,79 Euro/kWh zahlen sie lediglich 0,31 Euro pro kWh inklusive Mehrwertsteuer.

Was bedeutet das?

Ford, die tun endlich was: Zehn Jahre lang ist die Leitung, auf der die Automobil-Ikone Ford stand, bis man endlich Tesla etwas entgegensetzen kann. Selbst die einstige Ford-Tochter Jaguar ist mit dem I-Pace meilenweit vorausgefahren, freilich in einem deutlich höherpreisigen, vom Format aber ziemlich identischen Segment. Der einstige Automobilpionier und Erfinder der Massenproduktion besinnt sich auf seine Wurzeln als Pionier der standardisierten Massenfertigung ("Sie können jede Farbe haben, Hauptsache es ist schwarz", Henry Ford), simplifiziert das Programm seines ersten E-Fahrzeugs radikal (außer serienmäßigem Schwarz noch sechs weitere Farben!) und ahmt dabei doch nur das große Vorbild aus Kalifornien nach. Im Antriebssetup aus Heck- und Allradantrieb, in den Akkukapazitäten Normal/Long Range, mit einer GT-Variante für die, denen in 5,1 Sekunden auf 100 km/h noch nicht schlecht ist. Mit dem Tabletscreen als zentrales Bedienelement. Und dennoch muss das ja nichts Falsches sein, schließlich hat Tesla mittlerweile den Erfolg, den viele lange Zeit hochnäsige Petrol-Heads in der Branche Elon Musk nie zugetraut hätten.

Man darf getrost davon ausgehen, dass sich der Mustang Mach-E dynamisch und geschmeidig fährt wie ein Ford nun mal zu fahren hat. Und dass schon die Basis-Version die meisten Bedürfnisse abdeckt, zumal, wenn ein Schnelllader an Bord ist. Und dass er vielleicht sogar besser verarbeitet ist als ein Tesla. Wobei das ganz ehrlich Mäkeleien für Spaltmaßfetischisten sind, bei dem Niveau, das ein Tesla S  oder Model 3 auch im Interieur mittlerweile aufbieten. Völlig in Ordnung also für den Normal-Nutzer - und auch ein wohltuend ruhiges und unaufgeregtes Design, by the way, das es nicht nötig hat, mit irgendwelchem Firlefanz für Distinktion zu sorgen.

Die entscheidende Frage wird sein, ob Ford neben der Hardware auch den Tesla-Schlüsselfaktor Software auf Anhieb so gut hinbekommt. Daran wird sich der Erfolg des "Mustang reloaded" entscheiden. Vor zehn Jahren wäre der Mach-E eine echte Revolution gewesen. Heute ist er mehr oder minder ein "Me too"-Produkt. Das vor allem auf den Preis setzen muss, um zu bestehen. Was nun auch wieder kein schlechtes Argument ist, um die E-Mobilität in die Breite zu tragen. Aber (unseliger) Trend hin oder her, eine Frage, die man sich auch schon bei Polestar, Jaguar, Audi oder Mercedes stellte: Warum muss es zum Start immer ein SUV sein?

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