Ford E-Transit Custom: Mit Pouchzell-Akku bis 380 Kilometer Reichweite

Dank topmodernem 74 kWh-Akku soll der Kompakt-E-Van 380 Kilometer Radius schaffen, mit 125 kW zügig laden. Die Nutz- und Anhängelast des Hecktrieblers liegen auf Diesel-Niveau. Zudem glänzt der Van mit besserer Raumeffizienz, viel Platz in der Kabine und cleveren Details. Auch der Tourneo könnte damit ein Knaller werden.

Der nächste Ford-Schritt: Im Vergleich zum E-Transit hat der E-Custom schon wieder stark zugelegt, kommt mit stärkeren Akkus und mehr Reichweite. | Foto: Ford
Der nächste Ford-Schritt: Im Vergleich zum E-Transit hat der E-Custom schon wieder stark zugelegt, kommt mit stärkeren Akkus und mehr Reichweite. | Foto: Ford
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Der Transporterhersteller Ford legt zur IAA TRANSPORTATION weiter nach in Sachen E-Mobililtät und hat erste technische Details zum komplett neuen E-Transit Custom bekanntgegeben, von dem es auch wieder eine Kombiversion "Tourneo" geben soll. Der 3-Tonner setzt jetzt wie der E-Transit auf einen Hinterachsmotor, statt des 68-kWh-Akkus aber auf einen neuen 74 kWh-Speicher. Dieser ist wie beim US-Pick-up F-150 Lightning mit im Vergleich zum E-Transit zwölf Prozent energiedichteren und so kompakteren Pouchzellen bestückt und soll eine Reichweite von bis zu 380 Kilometer ermöglichen. Das sei mehr als genug für die 90 Kilometer, die die Kunden im Schnitt täglich absolvieren, argumentiert der Hersteller.

Damit schließt sich die Lücke zum Diesel weiter, den die Ford-Manager bei der Präsentation zum neuen Transit Custom nur am Rande erwähnen: Natürlich werde es auch einen Selbstzünder sowie (weniger selbstverständlich) einen Plug-in-Hybrid geben, meint Hans Schep, Ford-Pro Europa General-Manager. Doch der Fokus im ersten Aufschlag zum Custom liegt klar auf dem Stromer.

Zug-kräftig: Der 415-Nm-Motor zieht 2.000 Kilo-Hänger

Aufgeladen in dem 400-Volt-Bordsystem wird am Slot im Stoßfänger beifahrerseitig mit 125 kW Leistung im CCS und DC sowie 11 kW in AC, was für eine Ladezeit von 15 auf 80 Prozent in 41 Minuten genügen soll. In fünf Minuten kann der Stromvan Reichweite für 38 Kilometer nachladen. Hängt der Van am Strom, lässt sich per Ford Pro App auch die Kabine vorkühlen oder -heizen, was in Fahrt Energie spart. Der nun auf längs gedrehte Heckmotor von Borg-Warner verfügt wahlweise über 100 oder 160 kW und wie beim E-Transit 415 Nm Drehmoment. Dadurch kann der Hersteller auch eine hohe Anhängelast von 2.000 Kilogramm, ein Bestwert im Segment, realisieren. Die Nutzlast liegt dank der leichteren Akkus ebenfalls auf Diesel-Niveau und beträgt je nach Version bis zu 1.100 Kilogramm.

Wärmepumpe Serie, ein Jahr öffentlich Laden auch

Anders als beim E-Transit ist eine Wärmepumpe verfügbar und sogar in Serie verbaut, sodass das Fahrzeug im Winter effizient zu beheizen sein soll. Für weniger Bremsverschleiß sorgt eine Funktion, die die Betriebsstopper von Schmutz und Flugrost befreit, sollte der Fahrer dank jetzt integriertem "One-Pedal-Driving" zu selten die Bremse nutzen. Ford Pro-Kunden haben darüber hinaus Zugang zum sogenannten Blue Oval Charge Network. Es ist mit über 300.000 Ladepunkten das größte Netzwerk und wächst schnell. Darüber hinaus erhält jeder Käufer ein einjähriges Gratisabo für öffentliche Lademöglichkeiten. Den aktuellen Stand des Ladeprozesses können die Nutzer über die FordPass Pro-App auf ihrem Smartphone auch aus der Ferne abrufen.

Flach-Mann: Bessere Aerodynamik und mehr Laderaum

Das von Grund auf neu entwickelte Fahrzeug will aber auch in Sachen Karosserie punkten. So haben die Ford-Ingenieure etwa den Fahrzeug- und Ladeboden niedriger angesetzt durch ein neues Package, was das Entern des Laderaums sowie der Kabine erleichtert, aber auch die Aerodynamik des insgesamt flacheren und deutlich unter zwei Meter hohen Modells um zehn Prozent verbessert.

Interieur wird intelligent

Im Interieur sorgt ein neuer Dachairbag dafür, dass beifahrerseitig ein Laptop-großes Fach sowie ein größeres Handschuhfach zur Verfügung steht. Mittels einer speziellen Neigungsverstellung des aufstellbaren Lenkrads soll sich dieses in eine Halterung für ein mobiles Büro verwandeln lassen, für Labtops oder als kleinen Tisch. Eine dimmbare LED-Beleuchtung an Bord sorgt für angenehmes Ambiente.

Modern ist auch der an die Lenksäule platzierte Schalthebel, die mittig positionierte elektrische Feststellbremse, das 13-Zoll-Infotainment Sync4-System mit 5G-Modul. Die Klimatisierung mit der serienmäßigen Wärmepumpe lässt sich auf den Fahrer fokussieren, wahlweise gibt es eine "intelligente Windschutzscheibe", die mittels Sensorik die Luftfeuchtigkeit und Temperatur überwacht und den Luftstrom und Wärmezufuhr automatisch anpasst. Die Polster, Stoffe und Materialien in Kabine und Laderaum will der Hersteller im Übrigen so gestaltet haben, dass sie weniger schmutzanfällig und pflegeleichter sind.

Delivery Assist nimmt einem kleine Handgriffe ab

Mit dem optionalen Paket "Delivery Assist" nutzt der Hersteller dann die digitalen Möglichkeiten der neuen Plattform, das dann beim Parken und Einlegen der Parkbremse automatisch den Warnblinker aktiviert, die Fenster schließt und das Fahrzeug verschließt, sobald sich der Fahrer entfernt. Umgekehrt öffnet das System auch wieder und bringt die Fenster in die vorherige Öffnungsposition. Der digitale Schlüssel lässt sich zudem auf einzelne Mitarbeiter mit ihren Fahrzeugeinstellungen individuell programmieren. Mehr als 30 Funktionen des E-Transporters lassen sich darüber hinaus „Over The Air“ (OTA) updaten, das meiste in unter zwei Minuten Zeit.  Auch beim E-Transit Custom gibt es optional das Pro Power-System mit externer Stromversorgung mit bis zu 2,3 kW im Laderaum. 

Bessere Raumausnutzung, breite Schiebetüren

Apropos Laderaum: Der wuchs ebenfalls leicht und bietet jetzt schon in der Basis 5,8 Kubikmeter Volumen, so viel wie der bisherige Raummeister VW T6.1 Transporter. Bis zu 9 Kubikmeter Volumen sind mit zwei Radständen und Dachhöhen jetzt möglich. Besonders originell ist optional erhältliche L-förmige Trennwand, die für Mischnutzer Fünfer-Betrieb mit gutem Laderaumangebot kombiniert. Die neu angeordneten B- und C-Säulen sollen die Schiebetüröffnung erweitern, eine Trittstufe den Einstieg erleichtern. Die Schienen liegen geschützt vor Remplern in der Karosserie. Clou ist in Verbindung mit dem intelligenten Schlüssel die automatische Öffnung der Schiebetür, sobald der Fahrer sich nähert und mit dem Fuß unter dem Schweller entlangwischt, ähnlich der Lösung, die PSA/Opel beim Jumpy/Expert/Vivaro anbietet.

Fahraktiv: Einzelradaufhängung vorn und Mehrlenker hinten

Chassis-seitig setzt der Hersteller zum Heckantrieb passend auf eine Einzelradaufhängung auch hinten, die neben Komfort und Fahrpräzision die Raumausnutzung verbessert. Die Vorderräder rücken samt der Federbein-Dome nach vorn, der Überhang wird kürzer, was das Manövrieren erleichtern soll. Zudem gewinnt der Fuß- und Beinraum für Fahrer und Beifahrer an Volumen und dank des ebenen Bodens und schlanker Armaturen gelingt der Durchstieg leichter denn je. Der Mittelplatz soll zudem mehr in Richtung "equal seating" gehen und nicht mehr der Notplatz sein. Die Seitenschweller übrigens erfüllen nicht nur optische Funktion, sondern übernehmen einen Teil der Crashenergie.

Fahrassistenz schon in Serie auf hohem Niveau

Auch bei der Fahrerassistenz will der Hersteller neue Maßstäbe setzen. Standard sind neben dem Pre-Collision Assist und dem Fahrspur-Assistent auch der Müdigkeitswarner, die Geschwindigkeitsregelanlage mit einstellbarem Geschwindigkeitsbegrenzer und das Verkehrsschild-Erkennungssystem. Ebenfalls zur Serie zählt der intelligente Geschwindigkeitsbegrenzer, die Falschfahrer-Warnfunktion, Einpark-Sensoren vorne und hinten sowie eine 360-Grad-Kamera je nach Serie.

Für Vertrauen soll beim Stromer eine Acht-Jahres-Garantie auf den Akku und Kompontenten über 160.000 Kilometer Laufleistung sorgen. Mittels Ford-Liive-System will man eine vorbeugende Wartung sicherstellen und die Standzeiten optimieren, der drittgrößte Kostenposten für die Kunden nach Personal und Energie und keineswegs zu vernachlässigen, wie Hans Schep unterstreicht. Nötigenfalls helfen mobile Wartungsteams im Rahmen des Ford Pro-Service. Die Betriebskosten beim E-Van sollen um bis zu 40 Prozent unter der des Diesel liegen.

Auch die Produktion soll klimaneutral werden

Der Ford E-Transit Custom soll ab Oktober 2023 im türkischen Joint-Venture-Werk Kocaeli von Ford Otosan produziert werden, bis 2030 soll die Fertigung hier klimaneutral erfolgen. Dafür investiert der Hersteller im Rahmen der avisierten zwei Milliarden Euro in eine neue Fertigungslinie, inklusive Batteriemontage, versteht sich. Und man will genügend Kapazitäten aufbauen, um auch eine prognostiziert deutlich höhere Nachfrage bedienen zu können. Und natürlich auch den Bedarf des Kooperationspartners VW Nutzfahrzeuge. Die Hannoveraner dürfen sich für den Nachfolger des T6.1 jedenfalls auf ein professionelles Package freuen, das die Kernwerte ebenso transportiert wie jede Menge Fracht.    

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