Meinungsbeitrag

Förderung fordern oder seinen Job machen?

Frag nicht, was der Staat für Dich tun kann. Frage, was Du für den Staat tun kannst.

Juice-CEO und Gründer Christoph Erni geht als Firmengründer viele Risiken ein - ohne dafür Fördergelder vom Staat zu fordern. | Foto: Juice Technology AG
Juice-CEO und Gründer Christoph Erni geht als Firmengründer viele Risiken ein - ohne dafür Fördergelder vom Staat zu fordern. | Foto: Juice Technology AG
Redaktion (allg.)

Kürzlich hat Hildegard Müller, die Präsidentin des deutschen Verbandes der Automobilindustrie VDA, einen Ausblick auf 2022 gehalten. Chipmangel, die richtige Antriebsform und Ladeinfrastruktur standen dabei im Fokus. Damit hat sie zweifellos die zentralen Themen dieses Jahres benannt. Aber ihre Positionen dazu geben Stoff für eine vertiefte Betrachtung.

Zuerst zum Chipmangel. Frau Müller begrüßt die Anstrengungen, Chipfabriken in Europa aufzubauen. Gleichzeitig ruft sie reflexartig nach Subvention durch die öffentliche Hand. Aber was soll der Staat fördern, was soll er bezahlen? Hält man sich die ursprüngliche Idee der Aufgabenteilung vor Augen, ging es bei Bündnissen unabhängig davon zwischen wem diese geschlossen wurden – darum, eine übergeordnete Infrastruktur und Dienste zu finanzieren. Alle Nutznießer tragen über Steuern dazu bei, damit diese allen nützlichen Leistungen erbracht werden können.

Die Förderung von privat gehaltenen und privat Profit abwerfenden Chipfabriken fällt da eindeutig nicht darunter. Ganz im Gegenteil zum Aufbau von Ladeinfrastruktur entlang von Schnellstraßen. Denn da fällt der seit je angedachte Nutzen für die Allgemeinheit an.

Dann zur richtigen Antriebsform. Lassen Sie uns das überspringen, denn ich bin sprachlos, wenn heute noch jemand sagt und offenbar glaubt, man brauche den Wettbewerb von Wasserstoff, synthetischem Sprit und Akkus.

Schließlich zur Ladeinfrastruktur. Da – hier sind wir uns einig – kann tatsächlich der Staat zeigen, was er kann. Und das tut er auch, gerade in Deutschland. Aber, und das muss auch mal gesagt sein, ist es genauso Aufgabe der Automobilhersteller (und Energieanbieter), für den Ausbau des Ladenetzes zu sorgen – zumal sie daraus ein weiteres lukratives Geschäftsfeld entwickeln können. Denn was Tesla mit seinem dichten Supercharger-Netz vorgemacht hat, könnte jeder deutsche Autohersteller auch errichten – und fast aus der Portokasse bezahlen. Stattdessen aber erklärt Frau Müller in ihrer Rede: „Tesla ist eine Nische. Die müssen keine Infrastruktur für 15 Millionen Autos aufbauen.“

Vielleicht noch nicht. Aber der Erfolg von Tesla, wo man mit Model 3 respektive Y zeitweise das meistverkaufte Auto in der Schweiz und Österreich hatte – und im Oktober 2021 auch in Deutschland – zeigt: Einfach seinen Job zu machen, statt immer Förderungen zu fordern, bringt einen einfach voran.

 

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