Flughafen Oslo: TMH hilft bei E-Bus-Ladeinfrastruktur

Für das Lademanagement hat sich Buslieferant VDL mit The Mobility House einen Spezialisten ins Boot geholt, um die schwierigen Vor-Ort-Verhältnisse zu lösen.

Das Lademanagement am Osloer Flughafen ist wegen der geringen zur Verfügung stehenden elektrischen Leistung und den beengten Parkmöglichkeiten der Busse kompliziert. (Foto: The Mobility House)
Das Lademanagement am Osloer Flughafen ist wegen der geringen zur Verfügung stehenden elektrischen Leistung und den beengten Parkmöglichkeiten der Busse kompliziert. (Foto: The Mobility House)
Johannes Reichel
von Claus Bünnagel

Auf dem Vorfeld des Flughafens Oslo sind bald nur noch Elektrobusse unterwegs. Ein wichtiger Schritt für den Flughafenbetreiber Avinor auf dem Weg zum fossilfreien und klimaneutralen Flughafen – ein Ziel, das im Jahr 2030 Realität werden soll. Bei der Umsetzung arbeitete Avinor mit dem Technologieunternehmen The Mobility House zusammen. Mit der feierlichen Übergabe der Elektrobusse und zugehörigen Ladeinfrastruktur im August fiel jetzt der Startschuss für das Pionierprojekt, das das erste dieser Art in Skandinavien darstellt. 

Acht VDL Citea

Die Busflotte, die künftig Reisende vom Gate zum Flugzeug bringt, besteht aus acht VDL Citea. Den Strom für ihre 216-kWh-Batterien beziehen die Elektrobusse nachts in einem Hangar von vier Gleichstromladestationen von Heliox. Diese können mit jeweils zwei CCS-Steckern ihre 60 kW Leistung flexibel an die beiden Ladepunkte abgeben. Gesteuert und überwacht werden die Ladevorgänge vom intelligenten Lade- und Energiemanagementsystem ChargePilot von The Mobility House. 

Verfügbare Leistung von nur 150 kW

Die Herausforderung beim Laden der Elektrobusflotte am Osloer Flughafen ist die verfügbare elektrische Leistung von nur 150 kW für den gesamten Hangar. Eine kostspielige Erweiterung der elektrischen Anschlussleistung wollte Avinor bei der Elektrifizierung der Fahrzeuge jedoch vermeiden. Nicht zuletzt, da die Stromverfügbarkeit an Flughäfen mit ihren vielen Verbrauchern bereits ohne Elektrobusse limitiert ist. ChargePilot schafft es, trotz der begrenzten Anschlussleistung alle Busse immer rechtzeitig vollzuladen, indem die Ladevorgänge zeitlich gestaffelt oder parallelisiert stattfinden. Dank umfangreicher Monitoringfunktionen hat der Betreiber dabei stets einen detaillierten Überblick über die Ladestände und den Strombezug der einzelnen Fahrzeuge. 

Am Hangar, wo die Busse geparkt und geladen werde, hatten wir laut der Ausschreibung von Avinor nur 150 kW zur Verfügung. Bei einer schnellen Berechnung haben wir festgestellt, dass dies für jeden Bus nur gut 18 kW wären – etwas wenig, wenn man bedenkt, dass die Busse innerhalb weniger Stunden aufgeladen werden müssen. Deshalb haben wir uns mit den Experten von The Mobility House zusammengetan. Sie entwickelten ein Energiemanagementsystem, das zuverlässig mit den Ladesystemen unserer Busse interagiert und es ermöglicht, die Leistung effizient auf die einzelnen Ladepunkte aufzuteilen. (Frank Reichel, Managing Director VDL Bus & Coach Norway AS)

Komplizierte Parksituation im Hangar

Dabei berücksichtigt ChargePilot auch die Parksituation im Hangar: Die gut 18 m langen Busse sind nachts in vier Reihen in Blockaufstellung geparkt. Es stehen somit jeweils zwei Fahrzeugen hintereinander, die am Morgen zu unterschiedlichen Zeiten abfahren. Da der Hangar das Ausparken nur zu einer Seite ermöglicht, müssen die vorderen und damit zuletzt abgestellten Busse zuerst ausgeparkt werden. Der Algorithmus von ChargePilot sorgt dafür, dass genau diese Busse priorisiert geladen werden und so am nächsten Morgen mit voller Batterie wieder Ihren Dienst antreten können. 

Neben dem fahrplanbasierten Lastmanagement und den jährlichen Einsparungen im bis zu sechsstelligen Bereich bietet ChargePilot seit Kurzem auch drei weitere Funktionen, die die Ladevorgänge von Elektrobussen für Fahrer und Disponenten noch effizienter und bequemer gestalten.

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