Flotten: Keine Chance für reine Stromer

Eine Übersicht zeigt, dass Dienstwagenflotten in Deutschland noch immer dominiert sind von Diesel und Benzinern, nur die Hybride und Plug-in-Hybride sind im Kommen, reine Stromer rar.

Angesteckt: Mit der neuen Generation von Golf und Passat GTE fährt auch VW auf Erfolgskurs bei den PHEVs - und eifert BMW und Daimler nach. | Foto: VW
Angesteckt: Mit der neuen Generation von Golf und Passat GTE fährt auch VW auf Erfolgskurs bei den PHEVs - und eifert BMW und Daimler nach. | Foto: VW
Johannes Reichel

In Deutschlands Flotten dominieren deutlich weiterhin Diesel und Benzinermodelle, Hybride und Plug-in-Hybride kommen langsam auf Stückzahlen. Dagegen dümpeln reine Stromer in Dienstflotten bei den Neuzulassungen im Januar auf niedrigem Niveau vor sich hin, trotz erfreulicher Zuwächse auf absolut noch immer niedrigem Niveu im Privatmarkt. Darauf weist die Süddeutsche Zeitung in einer Übersicht hin. Demnach sind im Januar 37.343 Diesel, 20.642 Benziner, 3.986 Hybride sowie 3.454 Plug-in-Hybride in Firmen zugelassen worden, aber nur 1.631 reine Stromer, was nur 2,4 Prozent entspricht. Dabei wäre ein Durchbruch in den Dienstwagenflotten für einen echten Markthochlauf der reinen Elektromobilität entscheidend: Schließlich sind E-Fahrzeuge für die meisten Privatkäufer im Neuzustand oft zu teuer. Für das Entstehen eines Gebrauchtmarkts wiederum ist der Erstmarkt der Dienstflotten essentiell.

"Setzt sich die E-Mobilität in den Flotten nicht durch, werden auch Privatkäufer trotz der staatlichen Anreize wie dem Umweltbonus nicht in großer Zahl auf Batterieautos umsteigen", glauben die SZ-Autoren.

Als Hemmschuhe sieht man zum einen das Thema Ladeinfrastruktur, vor dem viele Unternehmen noch immer zurückschrecken, vor allem, wenn es um teure Schnellladevorrichtungen geht. Die SZ zitiert einen Flottenberater, dessen Kunde die Idee, E-Autos in den Fuhrpark zu nehmen, sofort verwarf, als er von den Kosten für die drei DC-Lader hörte, die sich auf 120.000 Euro beliefen. Auch die Problematik der Abrechnung für zu Hause bezogenen Fahrzeugstrom hält viele ab, trotz pauschaler und steuerfreier Erstattungsmöglichkeiten von bis 50 Euro zu durch den Arbeitgeber.

E-Autos im Leasing teuer, PHEVS dagegen stark rabattiert

Die großzügige Förderung per E-Auto-Prämie oder Dienstwagen-Besteuerung, mit der sich mehrere hundert Euro monatlich sparen ließen, hilft dann auch nur bedingt. Schließlich sind vor allem die BEV-Modelle im Leasing oft sehr teuer und es gebe in der hier besonders relevanten Mittelklasse kaum Angebote. Zumal Arbeitgeber oft die Hersteller vorgeben. Schlagseite bekommt die Entwicklung auch durch den vom Gesetzgeber platzierten Fehlanreiz, dass die halbierte Steuerlast auch für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge gilt, die für Flottenkunden häufig mit hohen Rabatten in den Markt gedrückt werden, teils mit halbierten Leasingraten zum reinen E-Auto. Auch die Geschichte von den noch original verpackten Ladekabeln im Kofferraum werde häufig von Flottenmanagern bestätigt, so die SZ.

PHEV-Markt: 80 Prozent in deutscher Hand

Entsprechend offenbart eine Übersicht dann auch, dass der PHEV-Markt fest in Hand der deutschen Premium-Anbieter ist. Starke Zuwächse von 2018 auf 2019 erzielten etwa Mercedes-Benz mit 5.683 PHEV-Modellen, BMW mit 5.424 PHEVs oder Porsche mit 1.045 PHEVs. Unter den Importeuren spielen eigentlich nur Volvo und Mitsubishi eine Rolle mit 1.833 und 1.974 PHEV-Verkäufen im vergangenen Jahr. Interessant ist, dass Volkswagen zwar 2019 mit 581 PHEVs noch ziemlich dahindümpelte, aber alleine im Januar bereits 608 Teilzeitstromer abgesetzt hat, wie auch Audi allein im Januar fast das Gesamtjahresniveau erreichte mit 514 PHEVs. Hier dürften neue Modelle mit höherer E-Reichweite wie Golf und Passat GTE eine große Rolle spielen. Auch Skoda war im Januar übrigens von 0 auf 96 gestartet, seit es den Superb als PHEV gibt. In Summe machte der deutsche Anteil am PHEV-Markt 2019 fast drei Viertel aus (72,6 %), nach 81 Prozent im Jahr 2018 und 79 Prozent im Januar.

Kontrolle ist besser: Steuerbonus nur im Elektro-Modus

Die Süddeutsche bezeichnet den Steuerbonus für PHEVs damit als "kleines Konjunkturprogramm für die heimische Autoindustrie". Dieser sei aus ökologischer Sicht aber fragwürdig. Axel Schäfer, der Geschäftsführer des Bundesverbands Fuhrparkmanagement, spricht sogar von einer "fatalen Fehlentscheidung, die rückgängig gemacht werden müsste". Der Vorschlag eines Fuhrparkmanagers ist da pragmatischer: Den Steuervorteil nur gegen Nachweis zu elektrischem Fahren gewähren. Ein Blick in den Bordcomputer genüge. Auch von Hersteller-Seite denkt man darüber nach, wie man zu höherer Lademoral beitragen könnte, bei BMW etwa auch über die Technologie der Geofences, mittels derer man in bestimmten Zonen den Elektromodus aktiviert. Sonst bleibt wohl auch weiterhin das Ladekabel der PHEVs oft verpackt im Kofferraum. All das gilt es zu beachten, im Kontext der Debatte um weitere Prämien für die Autoindustrie.

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