Flixbus wird zum Monopolisten

Covid-19 schlägt auf den Reisebusmarkt durch: Die Deutsche Bahn will bis 31.12.2020 die IC-Busse einstellen und Blablabus "pausiert" bis Frühjahr 2021.

Gregor Soller

Die Deutsche Bahn AG kehrt beim Personenreiseverkehr zurück auf die Schiene: Sie plant, alle IC Fernbuslinien zum Jahresende 2020 aufzugeben. Im Zuge der Covid-19-Krise waren schon im Jahresverlauf zahlreiche Linien eingestellt worden. Als Alternative setzt die Bahn auf teils auch neue, attraktive und schnelle Zugverbindungen. Die Covid-19-Pandemie trufft die Reisebranche und damit auch die Fernbuslinien hart: Die gelben „Postbusse“ übernahm Flixbus und jetzt hat auch Blablabus angekündigt, wegen Covid-19 ab 26.10.2020 zumindest vorläufig alle Verbindungen kappen, die bezahlten Tickets zrückzuerstatten und die angedachte Expansion zu verschieben. Man sei im „Frühjahr 2021“ wieder zurück und verweist derweil auf die Mitfahrgelegenheiten per Pkw.

Die Fernbusse sind vor allem auf Strecken unterwegs, wo die Fahrt mit der Bahn bisher lange dauerte und/oder ein Umsteigen nötig ist. Doch die Bahn hat hier zuletzt nachgelegt und sie wird staatlich gestützt: Die DB AG soll allein 2020 noch mehr als 5 Milliarden Euro vom Eigentümer Bund als Ausgleich für Covid-19-Einbußen erhalten. Die Subventionen wurden von der Bundesregierung bereits vor Monaten beschlossen, aber von der EU-Kommission in Brüssel noch nicht genehmigt. Die DB-Konkurrenten auf Straße und Schiene verlangen strenge Auflagen, damit die Staatshilfen nicht dem Wettbewerb schaden.

Aber auch der künftige (fast-)Monopolist Flixbus leidet und könnte sein Angebot weiter kürzen, nachdem man die Fernbus-Verbindungen bereits auf ein Drittel des einstigen Niveaus kappte. Die jetzt wieder ansteigenden Corona-Fallzahlen machen das Geschäft nicht einfacher. Das Bahnangebot von Flixtrain umfasst nur noch die Linien Aachen-Hamburg und Aachen-Berlin. Auf der Straße haben die grünen Busse des Start-ups dann kaum noch Konkurrenz, außer der Bahn, wie Flixbus-Gründer André Schwämmlein der Redaktion des Tagesspiegels erklärte, denn:

„Private Busunternehmen leiden massiv unter der Krise, während die DB weiterhin einseitig bezuschusst wird.“

Schwämmlein wirft der DB AG vor, die Fernbusse mit Dumpingpreisen für die Zugfahrten anzugreifen und dabei regelwidrig staatliche Finanzhilfen zu nutzen. Was sich insofern verschärfen würde, als die Bahn auf der Straße nach Abschaffung der IC-Busverkehre nicht mehr präsent wäre. Laut Schwämmlein stehe die gesamte Mobilitätsbranche stehe vor großen Herausforderungen und dabei gehe es auch um den Erhalt des Wettbewerbs – der im Fernbusbereich allerdings auch kaum noch existiert.

Was bedeutet das?

Covi-10 trifft auch den Fernbusmarkt mit voller Härte, da viel weniger gereist wird. Nachdem etliche Anbieter schon nach vergleichsweise kurzer Zeit seit der Liberalisierung des Fernbusmarktes aufgaben, scheint es hier sehr schwierig zu sein, überhaupt Gewinne zu erzielen, was auf der Schiene ebenso für die Bahn zu gelten scheint: Zwar hat Flixbus zahlreiche internationalen Finanzinvestoren im Rücken und ein extrem schlankes, weitgehend digitales Geschäftsmodell, mit starken Omnibusunternehmen als Subunternehmer. Flixbus selbst besitzt weder eigene Busse noch Fahrer, sondern kooperiert mit mittelständischen Busunternehmen, mit denen die Konditionen ausgehandelt werden. Umgekehrt profitieren die vom Flixbus-Liniennetz und der europaweiten Verbindung. Covid-19 dürfte das ohnehin schon schwere Fernbusgeschäft noch schwieriger machen, auch wenn Flixbus hier mittlerweile ein „Fast-Monopol“ hat. Dass das bis auf Blablabus niemand zu brechen versucht hat, spricht Bände – denn in gut gehenden Märkten ist immer mindestens Platz für einen Zweiten und alternativ einen dritten Anbieter.

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