FIZ-Projekthaus eröffnet: BMW will schneller entwickeln

Brainware meets Hardware: Mit dem FIZ Projekthaus eröffnet die BMW Group am Stammsitz die neue Keimzelle der globalen F & E. Mit E-Mobilität und autonomem Fahren soll es schneller vorangehen.

Unter einem Dach vereint: Entwickler von konventionellen wie elektrischen Antrieben sollen im FIZ auf kurzen Wegen zusammenfinden. | Foto: BMW Group
Unter einem Dach vereint: Entwickler von konventionellen wie elektrischen Antrieben sollen im FIZ auf kurzen Wegen zusammenfinden. | Foto: BMW Group
Johannes Reichel

Die BMW Group hat jetzt das sogenannte FIZ Projekthaus Nord eröffnet und sieht darin das neue Herzstück ihres globalen Forschungs- und Entwicklungsnetzwerks. Der architektonisch imposante Gebäudekomplex mache aus dem sukzessive erweiterten Münchner Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) einen der größten F&E Standorte in Europa und soll das klare Bekenntnis zum Entwicklungsstandort Deutschland manifestieren. Es fügt sich in den Rahmen des langfristig angelegten Programms „FIZ Future“, in das das Unternehmen bereits heute rund eine Mrd. Euro investiert hat. Das Projekthaus Nord, zwei dazugehörige Bürokomplexe und ein Gebäude für Prüfstände und Messeinrichtungen sollen einmal rund 4.800 Fahrzeugentwickler beheimaten.

Reiter: City ohne Autos denkbar, aber nicht die Peripherie

Für BMW-Personalvorständin Ilka Horstmeier kommen in dem Bau "Brainware und Hardware" zusammen. Aus Sicht von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) setze das Areal das richtige Zeichen in einer Krise. "München braucht BMW, und BMW gehört zu München", erklärte er laut Süddeutscher Zeitung. Aus seiner Sicht habe das Automobil weiter Zukunft, selbst wenn er sich eine City ohne Autos durchaus vorstellen könne. Es gebe ja nicht nur das Zentrum, sondern auch das Umland und die Peripherie.

Halb so groß wie das Oktoberfest

Auf einer Bruttogeschossfläche von gut 150.000 Quadratmetern – was in etwa der Hälfte der Münchner Oktoberfest-Fläche entspricht, wie der Hersteller stolz anmerkt – entwickeln Sezialisten die Hard- und Software der künftigen Fahrzeuggenerationen der BMW Group. Bis zu 120 Bauplaner und mehr als 1.100 Arbeiter waren in den vergangenen Jahren auf der Baustelle beschäftigt. Die Bauplaner nutzten virtuelle Simulationsmethoden wie etwa Windsimulation und Designcomputing, um das Gebäudedesign zu prüfen, wie der Hersteller beschreibt. Es folgt dem Prinzip der Smart Building Technologie und der digitalen Nutzersteuerung – damit ließen sich seine Energieeffizienz deutlich steigern und vor allem alle bauspezifischen Prozesse konsequent digitalisieren, heißt es von BMW. So werde etwa die Beleuchtung am Arbeitsplatz der Mitarbeiter per Smartphone individuell justiert, das soll 37 Prozent Energie sparen.

„Im FIZ arbeiten wir Tag für Tag an den Automobilen der Zukunft. Hier entwickeln wir die Technologien, die die Mobilität von morgen prägen und dafür sorgen, dass unsere Premium-Automobile nachhaltige Freude bringen“, schwärmte Oliver Zipse, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG.

Testkammer: Störanfälligkeit von autonomen Fahrzeugen

Das Gebäude stehe auch symbolisch für die Transformation des Herstellers. Für die neuen F&E-Schwerpunkte Elektrifizierung, Digitalisierung und zunehmende Konnektivität der Fahrzeuge biete das Areal die baulichen Voraussetzungen. Man sieht sich als "data driven company“ und hat entsprechende Datenverarbeitungskapazitäten vorgesehen. Der FIZ-Komplex verfügt über 20.000 Server und eine Kapazität von über 90 Petabyte Storage, was dem Datenvolumen von 24 Mrd. Smartphone-Fotos à 4 MB entspreche. Der tägliche Datenaustausch aus und in das Münchner FIZ betrage115 Terabyte – ohne Berücksichtigung des eigens errichteten Data Centers für autonomes Fahren in Unterschleißheim. Im FIZ eingerichtet wurde aber etwa ein Raum, in dem die Mitarbeiter die Störanfälligkeit von Steuergeräten auf elektromagnetische Strahlung von außen überprüfen können, was für die Sicherheit beim autonomen Fahren von enormer Bedeutung ist.

Verbrenner und Stromer unter einem Dach

Zudem arbeiten im FIZ Nord erstmals alle Entwickler von Fahrzeug-Antrieben unter einem Dach – egal, ob sie an hochmodernen und effizienten Benzinmotoren arbeiten oder neueste Generationen elektrischer Antriebe entwickeln. Die über 2.000 Mitarbeiter des Bereichs Gesamtfahrzeugintegration sollen auch von der räumlichen Nähe zu den täglich genutzten Prüfständen profitieren. Im Werkstattgebäude für Prüfstände und Messeinrichtungen stehen 100 Prüfstände und 200 Labore bereit. Prüf-, Test- und Absicherungseinrichtungen für Hard- und Software sowie der Prototypenbau bilden das Herzstück des Konzepts, das alle wesentlichen Funktionen integriert und Prozesse deutlich verbessern soll, wie der Hersteller hofft.

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