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Fisker steht vor massiven Problemen

Im vierten Quartal 2023 fuhr Fisker einen Nettoverlust von 463 Millionen Dollar ein und warnt jetzt davor, das 2024 nicht komplett durchfinanziert sei. Neue Händler, eine Reduktion der Belegschaft und neue Partner (auch ein OEM) sollen helfen.  

Nach Bekanntgabe der Zahlen des vierten Quartals 2023 sieht die Zukunft von Fisker etwas dunkel aus. | Foto: Fisker
Nach Bekanntgabe der Zahlen des vierten Quartals 2023 sieht die Zukunft von Fisker etwas dunkel aus. | Foto: Fisker
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Gregor Soller

Fisker befindet sich in schwierigem Fahrwasser: Das Unternehmen hatte Schwierigkeiten, das Elektro-SUV Ocean in ausreichenden Stückzahlen zu verkaufen, nachdem ein wichtiger Zulieferer in Konkurs ging und hohe Zinssätze zu einer Nachfrageschwäche geführt haben. Die aktuellen Ressourcen seien laut Fisker "nicht ausreichend", um die nächsten 12 Monate zu überbrücken.

Obwohl Fisker 2023 mehr als 10.000 Fahrzeuge herstellte - weniger als ein Viertel seiner ursprünglichen Prognose - lieferte man nur etwa 4.700 aus. In Deutschland verzeichnete das KBA 2023 insgesamt 239 Fisker-Neuzulassungen.

Fisker braucht mehr Händler und Verkaufsstellen

Weshalb Fisker seinem Direktvertriebsmodell Händler hinzufügen wolle, um sein Auslieferungsnetzwerk zu erweitern. Bisher hat Fisker 13 Händlerpartner in den USA und Europa unter Vertrag genommen. Fisker sagte, sein Geschäftsplan sei "stark abhängig" von der erfolgreichen Übertragung zum neuen Händlerpartnermodell in diesem Jahr. Fisker erklärte:

„2023 war ein herausforderndes Jahr für Fisker, einschließlich Verzögerungen bei Lieferanten und anderen Problemen, die uns daran gehindert haben, den Ocean SUV so schnell auszuliefern, wie wir es erwartet hatten".

Steigt ein OEM ein?

Das Unternehmen befand sich in Gesprächen mit fünf Automobilherstellern über eine Partnerschaft, um zusätzliche Produktionskapazitäten zu sichern, teilte Fisker Reuters Ende 2023 mit. Am Donnerstag sagte er, die Gespräche hätten sich auf einen Automobilhersteller verengt und ein Deal würde die gemeinsame Entwicklung einer oder mehrerer Elektrofahrzeugplattformen sowie die Produktion in Nordamerika umfassen. Viele traditionelle Autohersteller hinkten im EV-Rennen hinterher, und ein Deal mit einem Startup würde ihnen helfen, in den Markt einzusteigen, hoft Fisker. De Finanzchefin des Unternehmens, Geeta Fisker, Fiskers Gattin, erklärte:

„Es spart Zeit, spart Kosten, und worauf wir uns im Gespräch mit Automobilherstellern wirklich konzentriert haben, ist, die Technologie zu teilen, nach den Investitionen, die wir bereits getätigt haben."

Letztes Jahr enthüllte Fisker einen elektrischen Pickup, Alaska, für 45.000 $ und ein kleineres SUV, PEAR, für 29.990 $. Aber die Projekte hängen von der Partnerschaft ab. Doch die hängen jetzt am seidenen Faden, wie Fisker erklärt:

„Wir planen nicht, externe Ausgaben für unsere nächsten Projekte zu starten, bis wir eine strategische Partnerschaft abgeschlossen haben.“

Zuletzt meldete Fisker vorläufige Einnahmen von 200,1 Millionen Dollar für das vierte Quartal 2023 und verfehlte damit die durchschnittliche Analystenschätzung von 310,8 Millionen Dollar, laut LSEG-Daten. Der Nettoverlust weitete sich auf 463,6 Millionen Dollar aus, verglichen mit 170 Millionen Dollar im Vorjahr.

Zusätzlich zu den Gesprächen mit dem großen Automobilhersteller befand sich Fisker in Gesprächen mit einem Gläubiger über eine potenzielle Investition. Fisker gab an, 2024 zwischen 20.000 und 22.000 Ocean ausliefern zu wollen, was zwar einen erheblichen Sprung nach vorn bedeutet, aber um wirklich durchzustarten, müsste er zügig sechsstellige Zahlen erreichen.

Ohne zusätzliche Finanzierung könnte das Unternehmen gezwungen sein, die Produktion des Ocean zu reduzieren, Investitionen zu kürzen, Betriebe zurückzufahren und weitere Arbeitsplätze abzubauen. Die Kommentare von Fisker folgten auf enttäuschende Produktionsprognosen der größeren Konkurrenten Rivian und Lucid, da hohe Kreditkosten die Stimmung der Verbraucher getrübt und die Nachfrage nach EVs, die in der Regel teurer sind als Fahrzeuge mit Benzinantrieb, stark verlangsamt haben. Er gab zudem bekannt, dass es seine Belegschaft um etwa 15% reduzieren werde.

Die entsprechende Börsenmitteilung führte zu einem Absturz des Aktienkurses um 37 Prozent auf 74 Cent. Es bestünden „erhebliche Zweifel“ an der Fähigkeit zur Fortführung des Unternehmens, schreibt Fisker. In den kommende zwölf Monaten brauche das Unternehmen zusätzliche finanzielle Mittel. Die Entlassung von 15 Prozent der Belegschaft soll die laufenden Kosten senken. Momentan verfügt Fisker eigenen Angaben zufolge über 396 Millionen Dollar an liquiden Mitteln und über Fahrzeuge und Komponenten im Wert von weiteren 530 Millionen Dollar. Fisker weiß, dass ihm die Zeit davonläuft. Dem Handelsblatt sagte er am 29.2.2024:

„Wir haben sechs Monate Zeit, um das zu korrigieren.“

Aber er sei zuversichtlich, dass man wieder auf den richtigen Weg komme und den Aktienkurs wieder steigern könne.

Was bedeutet das?

Die Niederlassungen in München und Wien stehen voller Ocean-Modelle, doch die scheinen nicht alle verkundet zu sein: Fisker braucht dringend eine schnelle Steigerung des Absatzes und frisches Geld. Sonst könnte auch dieser Versuch Fiskers, als Autohersteller aufzutreten, scheitern.

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