Fisker Ocean: „Keynote“ in Barcelona

Europa-Prämiere für den Fisker Ocean beim MWC (Mobile World Congess) in Barcelona. CEO und Gründer Henrik Fisker stellt das Fahrzeug, dass die Branche revolutionieren soll, persönlich vor.

Henrik Fisker präsentiert den Ocean.| Foto: T. Kanzler
Henrik Fisker präsentiert den Ocean.| Foto: T. Kanzler
Thomas Kanzler

Um 9:30 war es soweit. Auf dem Messestand der Fisker Inc. wird das Tuch vom neuen Fisker Ocean gezogen. Ein wenig erinnerte die Präsentation des Elektro-SUV an die berühmten Keynotes von Steve Jobs. Betont locker, die Firmenzentrale ist schließlich im kalifornischen Manhattan Beach gelegen, bekannt vor allem für seine entspannte Atmosphäre und einen riesigen Sandstrand. Designer und Firmenchef Fisker hielt seine „Keynote“ neben dem auf einer Drehscheibe kreisenden Ocean.

„Der Mobile World Congress in Barcelona ist der ideale Ort, um den Fisker Ocean zu präsentieren, denn unser Fahrzeug steckt voller fortschrittlicher Technologien“, sagte Henrik Fisker.

Das SUV steht erst einmal sehr muskulös gezeichnet auf der Bühne und Fisker betont immer wieder wie wichtig ihm vor allem die Nachhaltigkeit bei diesem Projekt war.

„Ich glaube, dass wir mit der Kombination aus Leistung und Nachhaltigkeit des Fisker Ocean ein einzigartiges Elektrofahrzeug mit branchenweit einzigartigen Funktionen wie zum Beispiel dem California-Mode, einem drehbaren 17,1-Zoll-Bildschirm und der größten Reichweite in unserem Segment haben.“

Drehbarer Bildschirm und „California“-Taste

Der California Mode ist ein Schalter, mit dem sich alle Fenster, inklusive dem in der Heckklappe, auf einmal herunterfahren lassen. Auf der Bühne war hier natürlich ein Surfbrett zu sehen, in unseren Breiten wird das vielleicht eher beim Rückweg aus dem Baumarkt Verwendung finden –was natürlich bei weitem nicht so cool ist.

Auf den drehbaren Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts war Henrik Fiskar merklich stolz. Es habe einiges an Arbeit gekostet, das so umzusetzen. Dafür sei der Ocean das einzige Fahrzeug, dass nun über einen sogenannten „Hollywood Modus“ verfüge, einen Bildschirm, der im Breitformat zum Ansehen der Blockbuster geradezu einlade.

Innen alles vegan

Innen wirkt der Ocean sehr aufgeräumt, die Stoffe sind aus recycelten Materialen und haptisch sehr ansprechend. Das sehr wohnliche und moderne Interieur kann allerdings nicht ganz verbergen, dass das SUV zu einem relativ niedrigen Einstiegspreis von hierzulande 41.560 Euro (ohne Abzug irgendwelcher Förderungen) auf den Markt kommt. Manche Kunststoffe, zum Beispiel bei den Getränkehaltern in der Mittelkonsole, könnten etwas hochwertiger sein.

Leistung von 205 KW bis 410 KW, Reichweite bis 630 Kilometer

In der Einstiegsversion wird der Ocean von einem Elektromotor mit 205 KW (279 PS) vorne angetrieben, in der höchsten Ausstattungsvariante hat der Ocean Allradantrieb. Die beiden Motoren treiben das SUV dann mit 410 KW (558 PS) voran. Die höhere Ausstattungslinie verfügt dann auch über den leistungsstärkeren Akku, das soll für die 630 Kilometer nach WLTP-Norm reichen.

In der Technik ganz vorne

Over-the-Air-Angebote sollen auf ein ganz neues Niveau gebracht werden. Bis zu sieben Updates im Jahr soll es geben. Zudem ist der Ocean das erste Fahrzeug, in dem neuartige digitale Radar Sensoren verbaut werden. Diese können mit bisher unerreichter Präzision Lebewesen und Dinge erkennen. Schließlich mache es, laut Fisker, einen großen Unterschied „ob vor einem eine Katze oder ein Kind ist, ein Auto oder ein LKW.“ Das Advanced Driver Assistence System (ADAS) kombiniert digitale Kameras mit fünf digitalen Radarsystemen.

„Unsere schlanke und schnelle Produkt Entwicklung ermöglicht es uns, bei unseren Sicherheitssystemen auf dem neuesten Stand der Technik zu sein, früher als unsere Mitbewerber“, erläuterte CEO Henrik Fisker.

Die Aufmerksamkeit des Fahrers wird mit einer Kamera in der A-Säule überwacht.

Das Fisker Intelligent Pilot System wird es serienmäßig bei dem Fisker Ocean Extreme und im Fisker Ocean One geben. Ocean Sport und Ocean Ultra verfügen über die volle Sicherheits-Hardware-Ausstattung, sie sind softwareabhängig allerdings nur zum Teil freigeschaltet.

Kooperation mit Bridgestone- nicht nur bei der Bereifung

Der Reifenhersteller entwickelte zusammen mit Fisker einen Reifen, der besonders nachhaltig und effizient sein soll. Die stärkere Beanspruchung durch das höhere Gewicht eines Elektrofahrzeuges und das höhere und schnellere Drehmoment wird durch eine spezielle Gummimischung mit recycelten Fasern Rechnung getragen.

Die Zusammenarbeit mit Brigestone geht weit über die Lieferung der Bereifung hinaus, Brigestone übernimmt den Kundendienst. So werden in Frankreich über 450, in Deutschland mehr als 300 Standorte den Fisker Besitzern mit Service und Lademöglichkeiten zur Seite stehen.

Der kalifornische Autohersteller bietet einen mobilen Service und die Abholung des Fahrzeuges von zu Hause, zudem gewähren die Kalifornier auf Antrieb und Batterie eine Garantie von 160.000 Kilometern oder zehn Jahre.

Neues zur Batterietechnik

Fisker arbeitet seit 2020 mit dem größten Batteriehersteller der Welt zusammen. Bei CATL haben sich die Kalifornier bereits für die nächsten Jahre einen zuverlässigen Batterielieferanten gesichert. Henrik Fisker ist in dieser Beziehung ein „gebranntes Kind“. Einer der Gründe für das Scheitern der ersten Fisker Autoproduktion im Jahr 2013 war die Insolvenz des Batteriezulieferers A123 und der damit einhergehende Produktionsstopp für den Fisker Karma.

Zwei verschiedene Batterietechnologien kommen beim Ocean zum Einsatz. Bei den Modellen mit geringerer Reichweite werden Lithium Nickel Mangan Cobalt (NMC) Akkus verbaut, die größere Reichweite versprechen Batteriepacks basierend auf Lithium Ionen Phosthat (LFP) Technik.

So sollen der Ocean Extreme und der Ocean Ultra mit der angekündigten Reichweite von über 630 Kilometern die Bestmarke im Segment setzen. Das optionale Solardach kann Strom für bis zu 3.000 Kilometer im Jahr extra generieren und in die Akkus einspeisen.

Informationen zu Ladetechnik oder Spannung der Hochvoltbatterien wurden noch nicht veröffentlicht, es soll aber, laut Fisker „die fortschrittlichste Technik, die verfügbar ist“ sein.

Produktion bei Magna in Österreich

Der Fisker Ocean steht auf deiner Plattform, die der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer entwickelt hat. Nachdem es erst Überlegungen gab, die MEB Plattform von VW als Basis für das SUV zu nutzen, hatte Fisker bei Magna eine Plattform entdeckt, die er nach seinen Wünschen adaptieren konnte und die nun Fisker exklusiv zur Verfügung steht. Der Automobilzulieferer verfügte zudem über genug Kapazitäten, die Fertigung des Ocean zu übernehmen.

 

„Wir bauen keine Fabrik, zumindest nicht sofort. Das bedeutet, dass unser Fertigungspartner unsere Vision von Fahrzeugen teilen muss und den Status quo durchbrechen, indem sie die CO2 Emissionen der Fahrzeuge vom Konzept bis zur Produktion mindern“, erklärte Henrik Fisker.

Magna hat zugesichert, noch dieses Jahr im ersten Werk in Österreich, in ganz Europa bis 2025 und weltweit bis 2030 CO2 neutral zu sein. Magna CEO Swamy Koagiri dazu:

„Wir glauben, dass das Erreichen von CO2-Neutralität sowohl eine soziale Verantwortung als auch eine geschäftliche Notwendigkeit im Kampf gegen den Klimawandel ist.“

Die ersten fünfzig Fahrzeuge seien bereits in Österreich produziert worden, erklärte Fisker, im November werde dann die Produktion anlaufen. Der Ocean wird vorerst nur in Europa für die hiesigen Märkte und die USA produziert. Für China und Asien ist der Verkauf erst ab Ende 2023 geplant.

Was bedeutet das?

Es gibt bereits über 34.000 Vorbestellungen, die Produktion ist mit Magna, einem der erfahrensten Automobil-Fertiger, gesichert. Und der Preis für den Ocean ist mehr als fair. Wieder hat ein Start-up den etablierten Automobil Firmen gezeigt, wie es geht.

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