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Fiat-CEO Olivier François: Das Beste kommt erst noch!

Mit Topolino und 600 startet Fiat den ersten Teil seiner „Rückkehr“, wie François es gern kommuniziert. Und kündigt für die nächsten drei Jahre drei weitere Neuheiten an. Wir haben ihn in Turin am Rande der Präsentation des 600e getroffen und wollten mehr wissen.

 

Topolino (li.) und 600 sind für Olivier François nur Zwischenschritte - weitere neue Fiat sollen schon 2024 folgen. | Foto: G. Soller
Topolino (li.) und 600 sind für Olivier François nur Zwischenschritte - weitere neue Fiat sollen schon 2024 folgen. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Der Fiat 600 folgt indirekt auch dem Punto nach. Wo sehen Sie die 600-Kunden?

François : Ich könnte ihnen jetzt eine lange Liste von Marktbegleitern vorlegen, denn tatsächlich geht es in diesem Marktsegment in Europa vor allem um Eroberung respektive die Rückeroberung von Marktanteilen. Aber tatsächlich sehen wir hier auch viele Fiat- oder gar Punto-Fahrer, die sich jetzt nach einem neuen Modell ihrer Marke umsehen. Und hier können wir endlich wieder liefern!

Der 600 ist zwischen 500 und 500 X positioniert und baut eine Handbreit höher als der Punto. Wie kam es zu diesem Package auf der E-CMP-Plattform?

François (lächelt): wir nennen es „BUV“ – B-Segment-Utility-Vehicle. Tatsächlich haben wir festgestellt, dass die Kunden gern wieder etwas kompaktere Autos fahren und nicht um jeden Preis hoch sitzen wollen. Insofern vereinen wir im 600 das Beste aus beiden Welten. Der Hauptunterschied zum 500 ist: Der 600 wird bei vielen Kunden Erstwagen sein, während der 500e in vielen Fällen Zweit-, Dritt- oder gar x-t-Wagen ist.

Warum hat ein Punto-Nachfolger so lange auf sich warten lassen?

François: Das haben wir vorher mit der Skizze des viertürigen 500 von 2013 gezeigt. Bereits damals hatten wir ein solches Modell auf einer modifizierten Punto-Plattform geplant. Doch irgendwann war die Punto-Basis dann nicht mehr up-to-date. Und man hätte für ein einziges B-Segment-Modell etwas ganz Neues entwickeln müssen. Das alles hat sich jetzt geändert: Wir verdienen mit Fiat wieder gutes Geld und haben über Stellantis enorme Skaleneffekte, sodass wir unser „BUV“ doch noch umsetzen konnten – und jetzt gleich rein elektrisch!

Wird es auch eine Allradversion geben?

François: Nein! Der 600e ist auch kein 500-X-Nachfolger. Dieser ist größer und wird in Melfi parallel weitergebaut. Er zielt auch auf ein anderes Publikum.

Wird es einen 600 Abarth geben?

François (lächelt): Eine gute und berechtigte Frage! Abarth ist eine heiße Marke und muss auf eine breitere Basis gestellt werden. Auch in Südamerika erzielten wir mit unseren Pulse-Abarth-Modellen riesige Erfolge – es gibt einen weltweiten „Appetit auf Abarth“ (lacht); insofern würde ich es diplomatisch so ausdrücken, dass die Frage nach einem 600 Abarth nicht irrrelevant ist (lächelt wieder).

Mit Topolino, 500 und 600 hat Fiat seine Retro-Premium-Linie auf neue Beine gestellt. Aber was wird aus Panda und Tipo? Es gab ja mal das Projekt 120 zum 120. Firmenjubiläum. Das sollte ja mal der Panda-Nachfolger werden. Was wurde daraus?

François: Das Projekt 120 - das ist mein Baby! Und wir haben es weiterentwickelt. Denn, sie haben Recht, es gibt zwei Arten Fiat: Dolce Vita mit Topolino, 500 und jetzt 600 und Fiat, wie es vor allem in Südamerika eine Macht ist: Cool, praktisch, demokratisch und erschwinglich, mit Modellen wie einst dem Uno, dem Punto oder aktuell dem Strada. Wie gesagt: Wir haben das Projekt 120 nicht aufgegeben, sondern weiterentwickelt. Wie, werden wir nächstes Jahr wieder hier in Lignotto präsentieren. Dann werden wir auch zeigen, wie wir diese „andere Seite“ von Fiat weiterentwickeln.

Werden das globale Fahrzeuge?

François: Wir werden so schnell so global wie möglich, wobei nicht alle Fahrzeuge für alle Märkte perfekt passen. Wir verkaufen beispielsweise den 500e auch in Südamerika, aber dort nur in vergleichsweise geringen Stückzahlen. Umgekehrt täten wir uns in Europa mit Minimalisten wie dem Mobi oder dem Pick-Up Strada schwer.  

 

Und welches sind die Hauptmärkte der EU?

François: Für Fiat sollte das Italien sein, klar! Aber auch Deutschland, Frankreich und UK sind große wichtige Märkte für uns. Betrachten wir alle Elektromodelle im Konzern, macht aktuell der 500e allein 60 Prozent des Stellantis-Volumens. Darauf kann man aufbauen und wir verdienen Geld – das ist das wichtigste, das macht den Unterschied – da sind wir ganz pragmatisch, aber ich kann Ihnen versprechen: The best is yet to come. Wir haben ganz neu entwickelte Architekturen und dank Stellantis Skaleneffekte, sodass wir in den nächsten drei Jahren drei weitere neue Modelle präsentieren werden. (überlegt) Vielleicht Immer im Juli – am 11.7.2024 feiern wir 125. Jähriges Jubiläum. Dieses Jahr war der erste Akt der Fiat-Renaissance, nächstes Jahr geht es weiter. Seien Sie gespannt!

Was bedeutet das?

Wie Alfa Romeo und Lancia arbeitet auch Fiat an einem Comeback. Immerhin: 2023 war man wieder stärkste Marke im Stellantis-Konzern und konnte gegenüber 2022 um rund zehn Prozent zulegen. Um diesen Aufschwung zu nutzen, und nicht unter die Räder asiatischer Marken zu kommen, muss gerade Fiat aber jetzt schnell viele spannende Modelle nachlegen. Könnte klappen, wenn ab jetzt wirklich jährlich neue Modelle kommen. 

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