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Fiat Centoventi: Kleine Revolution!

Mit dem Centoventi will Fiat laut FCA-Chefdesigner Klaus Busse das Alphabet neu erfunden haben: „Affordable But Cool“. Diese Markendefinition dürfte im Panda-Nachfolger Realität werden.

FCA-Chefdesigner Klaus Busse erklärt das neue Fiat-ABC. | Foto: G. Soller
FCA-Chefdesigner Klaus Busse erklärt das neue Fiat-ABC. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Der FCA-Konzern ist immer wieder für durchwachsene Schlagzeilen gut: Automobile Schönheiten und geniale Ideen stehen im Gegensatz zu einem immer kleiner werdenden Modellprogramm, das mehr und mehr Marken vor sich hinsiechen lässt: Darunter Lancia, definitiv dem Tode geweiht, Chrysler (nur noch zwei Modelle,  die nur auf einigen Märkten überhaupt noch verkauft werden) oder Dodge – wo man sich ebenfalls auf wenige Märkte zurückzieht und immer aberwitzigere Powermodelle des Challenger mit 800 PS plus auflegt. Auch bei Alfa und Maserati bräuchte es dingend weitere und neue Modelle. Und dann wirft man sich auch noch Renault-Nissan an den Hals. Und Fiat? Hat außer der 500-Familie und dem Ducato kaum noch echte echten Innovationen oder Topseller im Programm: Der Tipo verkauft sich als Billigheimer in der Kompaktklasse leidlich gut, gleiches gilt im Minisegment für den Panda. Der 124 ist für viele der bessere Mazda MX 5, fährt aber in einer immer kleiner werdenden Nische. Und der Punto? Tot! Aus dem B-Segment hat man sich einfach zurückgezogen!

Doch es gibt Lichtblicke: Mit dem Centoventi haben die Italiener sich zum 120. Geburtstag genial beschenkt! Und ein Elektroauto auf die Räder gestellt, dass von A bis Z ziemlich durchdacht und so genial ist wie einst der Panda! Er stand auch als Ideengeber totaler Reduktion immer irgendwie Pate und heraus kam: Ein echt würdiger Nachfolger mit extrem vielen wirklich genialen Ideen! Und maximaler Flexibilität, sowohl im Innenraum als auch was das Batteriepaket angeht: Das kann man von 100 bis 500 Kilometer Reichweite konfigurieren.

Präsentiert wurde das Auto nochmal in Stuttgart im Haus der Wirtschaft, wo Generalkonsul Massimo Darchini die Eröffnungsrede hielt, bevor FCA Chefdesigner Klaus Busse die Entstehung und Details des Centoventi erläuterte. Dazu begab man sich im Centro Stile tatsächlich in einen abgeschlossenen „Panda-Raum“ und definierte überhaupt die Kernwerte der Marke Fiat – oder was von ihr übrig ist. Und kam zum Schluss, dass für Italiener „Optimismus“ auch immer eine Funktion ist. Und dass die Marke zwei optimistische Melodien spielt: Eine sehr freudige, vordergründig ästhetische, die über die 500-Reihe und deren Derivate abgedeckt wird und eine, die Purpose- und Useful verbindet, also eher dem ästhetischen Nutzen verbunden ist, dokumentiert durch Panda, Ducato und Co.

Und hier setzte man an: was kann man alles weglassen, um ein Auto wirklich günstig und trotzdem ästhetisch zu machen? Heraus kam eine Art „Toolbox“, also eine Werkzeugkiste, die man sich nach und nach selbst befüllen und „aufrüsten“ kann. Ihre Innovationskraft zeigten die Italiener an vielen Details: Infotainment? Weg! Macht das Smartphone oder Tablet, hat eh jeder dabei. Falls es trotzdem „In-Car“ sein soll: Es gibt auch eine „große“ Version in der Draufsicht des einstigen gigantischen Fiat-Werkes Lingotto in Turin – solche „Ostereier“, oder versteckten Zitate liebt Klaus Busse. Deshalb hat er auch überall kleine „Ur-Pandas“ am Auto versteckt.

Auch die Akkus hat man mit Samsung neu gedacht: Gestartet wird mit einem einzigen 100-Kilometer-Pack, das man unterflur beim Händler mit bis zu drei weiteren 100-Kilometer-Akkus ergänzen kann.  Und dann kann man noch zwei 50-Kilometer-Pakete unter die Vorersitze schieben und als Trolley mit in die Wohnung nehmen und dort laden. Viola, und schon hat man (optional) 500 Kilometer Reichweite!

Auch die Sitze sind nicht gesetzt: In der Basisversion könnte Busse sich durchaus vorstellen, das Auto nur mit Fahrersitz anzubieten. Daneben könnte eine Transportbox, eine Kinderschale, eine Haustierkoffer oder eben ein zweiter Sitz montiert werden.

Weitere „coole“ Idee: Keine Lüftungsausströmer mehr: Stattdessen wird die I-Tafel mit üppigen drei Zentimeter „Spalt“ eingebaut und das Auto über diesen Spalt klimatisiert, denn: Einen Raum, nimmt man ja auch immer als Ganzes klimatisiert wahr und das ist immer angenehmer als ein gerichteter Luftzug, erklärt Busse. Und: man tut sich in der Fertigung viel leichter, weil man nicht auf den Zehntel Millimeter einer Fuge achten muss. Und so erklärt Busse das ganze Auto und dessen Entstehung, die schon 2016 begann.

Auf die Frage, was Fiat davon abhält, dieses Auto ziemlich genau so zu bauen (ohne die elektrischen gegenläufigen Türen natürlich), antwortet er: „Guter Versuch, aber wenn ich ihnen das jetzt sage, könnten Sie aus jeder Aussage, die ich treffe, konkrete Rückschlüsse ziehen.“ Tun wir trotzdem: Denn wenn man an ein Auto drei Jahre hinentwickelt und eine neue E-Plattform für den nächsten Fiat 500 parat hat, dann kann man davon ausgehen, dass der Centoventi der nächste Panda werden wird, basta! Denn ein Showcar können Designer auch in einigen Monaten zaubern...zumal ein Insider verrät, dass es bereits einen Zielpreiskorridor von 15.000 Euro für das Basismodell gäbe – vielleicht nur mit einem Sitz und einem 100-Kilometer-Akku, aber: Genau so geht Fiat Panda elektrisch! Und "upgraden" kann man dann ja beliebig!

Insofern: Happy birthday, Fiat –  am 11.7.2019 zum 120. Mal!

Was bedeutet das?

Genau dieses Lebenszeichen hat Fiat gebraucht: Ein absolut geniales elektrisches Kleinwagenkonzept, das komplett durchdacht auch so manchem Start-up den Schneid abkauft! Ein perfektes Geburtstagsgeschenk, dass den Markenkern aufs Beste definiert!

 

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