Fiat 500 und Panda starten als Mildhybride

Als erste Benziner von FCA erhalten 500 und Panda die Mild-Hybrid-Technologie und kombinieren einen neuen, 51 kW (70 PS) starken Drei-Zylinder-Benziner mit Riemen-Starter-Generator im 12-Volt-Bordnetz.

In Bologna präsentiert Fiat seine neuen Mildhybride. | Foto: G. Soller
In Bologna präsentiert Fiat seine neuen Mildhybride. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Auch bei FCA startet man mit den Mildhybriden. Dabei werden auch 500 „Hybrid“ und der neue Fiat Panda „Hybrid“ wie die Neuen euphorisch genannt werden mit einer speziellen „Launch Edition“ starten. In Genf folgt dann die Enthüllung des vollelektrischen 500, der in Turin produziert wird.

Doch zurück zu den polnischen Mildhybrid-Verwandten: Deren Antriebe sind identisch und da hat Fiat mal wieder Geld in die Hand genommen und einen komplett neuen Motor entwickelt: Einen neue Dreizylinder-Benziner, der mit einem Riemen-Starter-Generator (RSG) im 12-Volt-Bordnetz arbeitet, und einer Lithium-Ionen-Batterie kombiniert wird und aus einem Liter Hubraum 51 kW (70 PS) generiert.

Im Vergleich zum Vierzylinder-Benziner 1.2 8V mit 50 kW (69 PS) aus der FIRE-Baureihe soll die MHEV-Technologie die CO2-Emissionen reduzieren, ohne Abstriche bei der Leistungsfähigkeit zu machen, was gegenüber dem angerauten Vorgängermotor gut zu schaffen ist. Gegenüber einem konventionellen Startermotor läuft der Neue komfortabler und bietet eine vibrationsfreie Funktionsweise der Start&Stopp-Automatik. Beide Hybrid Modelle erfüllen die zukünftige Emissionsklasse Euro 6d. Der neue Dreizylinder-Saugbenziner bietet ein maximales Drehmoment von 92 Newtonmetern bei 3.500 min. Man verzichtet auf Vierventiltechnik: Die zwei Ventile pro Zylinder werden über eine einzelne Nockenwelle betätigt, die über eine Kette angetrieben wird und variable Steuerzeiten ermöglicht. Der kompakte Brennraum, der für starke Verwirbelung sorgende Ansaugtrakt, die vergleichsweise hohe Kompression von 12:1 und die Abgas-Rückführung (EGR) sollen laut Fiat für hohe Effizienz sorgen. Der Motorblock, entwickelt zusammen mit Teksid, wird im Druckguss-Verfahren aus Aluminium hergestellt, die Zylinderlaufbuchsen bestehen aus Gusseisen. Man achtete abermals aufs Gewicht: Der gesamte Motor soll nur 77 Kilogramm wiegen. Durch den um zehn Millimeter geschränkten Kurbeltrieb und ein Verhältnis von Bohrung zu Hub von 1,24 wird die interne Reibung verringert, was ebenfalls die Effizienz des Motors steigert.

Der Riemen-Starter-Generator (RSG) ist über den Riemen mit dem Motor verbunden, der auch die anderen Nebenaggregate antreibt. Das System rekuperiert beim Bremsen und im Schubbetrieb. Die so gewonnene elektrische Energie wird in einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 11 Ah (das sind 0,13 kWh) gespeichert. Der RSG unterstützt den Motor zum Beispiel beim Anfahren mit einer Leistung von bis zu 3,6 kW und übernimmt in der Start&Stopp-Automatik die Funktion des Startermotors. Der RSG ermöglicht es, den Motor schon bei einer Geschwindigkeit von weniger als 30 km/h abzuschalten und bei Bedarf automatisch neu zu starten. Der Fahrer wird dazu durch ein entsprechendes Symbol in der Statusanzeige des Hybrid-Systems im Instrumentenfeld aufgefordert, den Leerlauf einzulegen. Während dieses „Segeln“s übernimmt die Lithium-Ionen-Batterie die Versorgung aller elektrischen Verbraucher an Bord. Die Verbräuche gibt Fiat mit 4,1 Liter/100 km an, was 93 Gramm CO2-Ausstoß bedeutet.

Auch beim Getriebe hat Fiat nachgelegt: Bei den Mildhybriden sortiert man die Gänge über ein Sechsgang-Handschaltgetriebe, dessen sechster Gang besonders lang übersetzt ist, um bei Fahrten über Land oder auf der Autobahn den Verbrauch weiter zu senken kann. Das Getriebe ist mit Leichtlauföl gefüllt und weist außerdem spezielle Lager und Dichtungen auf, mit denen interne Reibungsverluste weiter reduziert werden sollen. Zusätzlich ermöglicht der neue Getriebetyp, die komplette Antriebseinheit 45 Millimeter niedriger in den Motorraum zu versenken, um das Fahrverhalten agiler zu machen.

Die Sondermodelle der „Launch Edition“ von Fiat 500 Hybrid und Fiat Panda Hybrid sind am Schriftzug „Hybrid“ am Heck sowie einem speziellen Logo an der Mittelkonsole zu erkennen. Der Buchstabe H wird hier von zwei Tautropfen gebildet, als Symbol für den Beginn einer neuen Ära. Beide Modelle sind in der exklusiven Karosseriefarbe „Tau Grün“ lackiert, auch dies eine Hommage an die Themen Natur und Innovation. Die Sitzbezüge der jeweiligen Launch-Edition von Fiat 500 Hybrid und Fiat Panda Hybrid sind eine Neuheit, passend zur Nachhaltigkeitsphilosophie des gesamten Projektes und zum Innovationsgeist beider Modelle. Die Bezüge sind komplett aus recyceltem Kunststoff hergestellt. Das Garn besteht aus „Saequal“, zertifiziert von der gleichnamigen spanischen Naturschutz-Organisation. Die Sitzbezüge der neuen Hybrid-Modelle von Fiat enthalten 10 Prozent Kunststoff, der aus dem Meer eingesammelt wurde, und 90 Prozent Recycling-Material aus Quellen an Land. Der aus der Natur eingesammelte Kunststoffabfall – meist PET – wird für die Verarbeitung als Garn zunächst zu Flocken zerkleinert. Im Webeprozess werden die unterschiedlichen Komponenten gemischt, anschließend mit umweltfreundlichen Methoden gefärbt und veredelt.

Der 500 „Hybrid“ startet bei 13.990 Euro brutto (11.756 Euro netto), die Launch Edition kostet 17.990 Euro brutto (knapp 15.118 Euro netto). Der Panda kostet ab 13.490 (knapp 11.340 Euro) als Launch Edition kostet er 15.190 Euro brutto (knapp 12.765 Euro). Damit liegt der Panda gut 3000 Euro über der bisherigen günstigsten Basis, ist aber auch besser ausgestattet. Beim 500 weichen zudem deutlich mehr Motoren den neuen Hybriden, der dort mehrheitlich die alten Zwei- und Vierzylinder ersetzt. Wir sind gespannt auf die ersten Testrunden rund um Bologna.

Was bedeutet das?

Auch Fiat setzt auf einen 1,0-Liter Dreizylinder – der mit Vierventiltechnik und Turbo noch Potenzial bietet. Beides haben die Hybriden zum Start noch nicht. Ein richtiger und extrem wichtiger Schritt, zumal Fiat sonst nicht viel ändert an seinen Einstiegsmodellen. Wobei das "Recycling" bewährter Karosserien hier sinnvoll ist: Panda und 500 sind optisch immer noch stimmig.

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