Fiat 500 und Panda starten als Mild-Hybrid

Italienischer Hersteller will die MHEV-Technologie für ein breiteres Publikum verfügbar machen, bevor eine Vollelektro-Version des 500 kommt. An einen neuen 70-PS-Benzinmotor gekoppelt, ist es ein städtisch orientiertes, leistungsmäßig wohltuend bescheidenes Paket.

Mild unter Strom: Eine kleine LiIo-Batterie sammelt die Bremsenergie auf und liefert Power beim Beschleunigen. | Foto: Fiat
Mild unter Strom: Eine kleine LiIo-Batterie sammelt die Bremsenergie auf und liefert Power beim Beschleunigen. | Foto: Fiat
Johannes Reichel

Der italienische Automobilhersteller Fiat forciert seine Elektrostrategie und startet bei den Modellen 500 und Panda in die milde Hybridisierung, noch bevor ebenfalls in diesem Jahr die vollelektrische Variante des Fiat 500 auf den Markt kommt. Zugleich sind es die ersten Modelle, die Fiat Chrysler Automobiles (FCA) mit Mild-Hybrid-Technologie anbietet. Sie gehen bereits ab Januar 2020 in den Verkauf und sollen die MHEV-Technologie (Mild Hybrid Electric Vehicle) einem breiten Publikum zugänglich machen, wie es heißt. Als Verbrennungsmotor kommt ein komplett neu entwickelter Dreizylinder-Benziner zum Einsatz, der mit einem Riemen-Starter-Generator (RSG) im 12-Volt-Bordnetz und einer Lithium-Ionen-Batterie kombiniert wird und aus einem Liter Hubraum 51 kW (70 PS) schöpft. Im Vergleich zum Vierzylinder-Benziner 1.2 8V mit 50 kW (69 PS) aus der FIRE-Baureihe reduziere die MHEV-Technologie die CO2-Emissionen, ohne Abstriche bei der Leistungsfähigkeit zu machen, verspricht Fiat. Das RSG-System realisiert darüber hinaus im Vergleich zu einem konventionellen Startermotor eine deutlich komfortablere, vibrationsfreie Funktionsweise der Start&Stopp-Automatik. Beide Hybrid Modelle erfüllen bereits die zukünftige Emissionsklasse Euro 6d.

Segelbetrieb soll Sprit sparen

Der Riemen-Starter-Generator (RSG) ist über den Riemen mit dem Motor verbunden, der auch die anderen Nebenaggregate antreibt. Das System rekuperiert beim Bremsen und im Schubbetrieb. Die so gewonnene elektrische Energie wird in einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 11 Ah gespeichert. Im Gegenzug unterstützt der RSG den Motor zum Beispiel beim Anfahren mit einer Leistung von bis zu 3,6 kW und übernimmt in der Start&Stopp-Automatik die Funktion des Startermotors, skizziert der Hersteller. Der RSG ermöglicht es, den Motor schon bei einer Geschwindigkeit von weniger als 30 km/h abzuschalten und bei Bedarf unverzüglich und automatisch neu zu starten. Der Fahrer werde durch ein Symbol in der Statusanzeige des Hybrid-Systems im Instrumentenfeld aufgefordert, den Leerlauf einzulegen. Während dieses sogenannten Segelns übernimmt die Batterie die Versorgung aller elektrischen Verbraucher an Bord.

Neue Bescheidenheit: Dreizylinder-Saug-Benziner

Die Mild-Hybrid-Technologie basiert auf einem neuen Dreizylinder-Saugbenziner mit einem Liter Hubraum, der 51 kW (70 PS) bei 6.000 Touren und ein maximales Drehmoment von 92 Nm bereitstellt. Der kompakte Brennraum, der für starke Verwirbelung sorgende Ansaugtrakt, die vergleichsweise hohe Kompression von 12:1 und die Abgas-Rückführung (EGR) sollen für hohe Effizienz sorgen.Das Gewicht des gesamten Motors betrage lediglich 77 Kilogramm, durch einen um zehn Millimeter geschränkten Kurbeltrieb und ein Verhältnis von Bohrung zu Hub von 1,24 soll die interne Reibung verringert, was ebenfalls die Effizienz des Motors steigere, verspricht der Anbieter. Die Modelle sind mit einem neuen Sechsgang-Handschaltgetriebe ausgestattet, dessen lang übersetzter sechster Gang zusätzlich zur Effizienz beitragen soll. Im Interieur stechen die Sitzbezüge in Sachen Nachhaltigkeit heraus, weil sie zu 10 Prozent aus dem Meer gesammelten Kunststoff und 90 Prozent Recycling-Material aus Quellen an Land enthalten. Das Garn besteht aus SEAQUAL und ist zertifiziert von der gleichnamigen spanischen Naturschutz-Organisation.

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