Fiat 500 und Panda Mildhybrid: Simple und solide Basis

Die Mildhybridisierung bei FCA brachte einen neuen Dreizylinderbasismotor, „FireFly“ genannt. Das ist wichtig und richtig, aber keine Revolution.

Die neuen "Firefly"-Dreizylinder sind die Basismotoren für die Mildhybride von Panda und 500
Die neuen "Firefly"-Dreizylinder sind die Basismotoren für die Mildhybride von Panda und 500
Gregor Soller

Das FCA-Motorenangebot im Kompaktsegment ging bisher in Ordnung, war aber nicht durch Moderne oder Laufkultur geprägt: Der 1,2-Liter „Fire“-Vierzylinder stammte in seiner Basis noch aus letzten Jahrhundert und der neuere stärkere Zweizylinder blieb ein knurrender Exot – der auch nicht wirklich sparsamer war als vergleichbare Drei- und Vierzylinder anderer Marken.

Womit wir bei der goldenen Mitte des Motorenbaus in diesem Segment wären: Dem Dreizylinder, den von Audi bis VW alle Marken als Basis einsetzen. Jetzt auch Fiat – in dem Fall Firefly genannt, komplett aus Alu und nur 77 Kilogramm schwer. Und sowohl Pressechef Luca Napolitano, welcher der italienische Bruder des britischen Actionhelden Jason Statham sein könnte, landestypisch wild gestikulierend, als auch Chef-Motorenentwickler Carlo de Marino konnten bei der Präsentation ewig über Motorentechnik reden und sogar einen simplen Dreizylinder-Zweiventil-Sauger zur Revolution hochstilisieren – was der neue FCA-Hauptmotor auch ist – immerhin haben die Vorgängermaschinen in ihren Grundkonzepten mittlerweile über 30 Jahre auf dem Buckel.  

Was wie ein Befreiungsschlag wirkte: Endlich entwickelt FCA wieder moderne Motoren und kann sich hier sogar in Details verlieren. Und weil die weltweit, also auch in Südamerika oder Asien bezahlbar bleiben müssen, konstruierte man die Basis eben „basic“ und verzichtete obendrein auf 48-Volt-Technik. Trotzdem sind die Triples mildhybridisiert mit Riemenstartergenerator und laufen tatsächlich netter als der Twin oder etwas träge Vierzylinder, welche sukzessive ersetzt werden.

Wir starten mit dem 500er, der qualitativ gefühlt eine Klasse über dem Panda fährt und nach wie vor ins Premiumsegment hineinzielt. Der neue Dreizylinder hängt fein am Gas und lässt sich sowohl sehr drehzahlfaul als auch drehfreudig bewegen. Schon bei 30 km/h fordert die Schaltanzeige den vierten Gang, ab knapp 60 km/h darf es dann schon der Sechste sein!  Wer jetzt bewusst vorausschauend fährt, kann auch in einer wuseligen Stadt wie Turin oder Bologna, wo die ersten Testfahrten stattfanden unter sechs Liter kommen. Wer allerdings unaufmerksam fährt, landet schnell bei sieben Liter plus x – auch bei Fiat ändert die Mildhybridisierung beim Verbrauch eher wenig bis nichts. Eine Erfahrung, die wir bereits bei vielen anderen mildhybridisierten Modellen auch mit 48 Volt in der Premiumklasse machten.

Trotzdem tut die neue Maschine dem 500er gut, weil sie die richtige Mischung aus Biss und Souveränität mitbringt, wo man sich vorher entscheiden musste: Knurriger Zweizylinder oder etwas träger, gut abgehangener Vierzylinder. Sein maximales Drehmoment von 92 Newtonmeter erreicht der Triple bei 3500 Touren, die 70 Pferde treten bei 6000 Umdrehungen alle an. Wichtiger ist aber die fast dieselartig und vergleichsweise flach verlaufende Drehmomentkurve, die auch ein Bummeln mit gut 1000 Touren ermöglicht.

Der kleine Speicherakku mit 0,13 kWh liegt unter dem Fahrersitz und es gibt wie bei echten Hybriden sogar eine Energieflussanzeige und eine Leerlaufempfehlung, um beispielsweise Ampeln ohne Motorkraft „anzusegeln“ – oder man lässt den Gang bewusst drin und rekuperiert dezent, sobald man vom Gas geht oder die Bremse dazu nimmt. Das erfordert im Alltag aber sehr viel Aufmerksamkeit und wird in der Realität wohl nur von wenigen genutzt werden – auch wenn man damit sicher 0,5 bis einen Liter Sprit sparen kann.

Ansonsten wirkt der 500 sauber verarbeitet, nutzt das Smartphone als Infotainment und gefällt immer noch mit seiner rundlichen Optik, die zu Lasten des Rücksitz- und Kofferraumes geht. Das Edition-Modell punktet dazu mit recycelten Innenraumgarnen und schicken metallicblauen Türverkleidungen – in Sachen Interieur gehört der Fiat 500 immer noch zu den spannendsten und buntesten Modellen auf dem Markt. Schade, dass man jetzt auch wegen dem Akku unterm Sitz nicht niedriger thronen kann (der 500 wirkt gefühlt immer etwas sperriger als er ist) – den niedriger eingebauten Motor werden vor künftig vor allem die Abarth-Treiber „erfahren“.

Wem das zu klein und zu bunt ist, kann den Panda nehmen: Der deutlich günstiger wirkt und riecht, aber vom gleichen Motor angetrieben wird, der hier im Prinzip die gleichen Werte liefert, aber sich trotzdem anders fährt: Wo der 500er mit FCA-typisch „giftiger Kupplung“ mit kürzesten Wegen eher bissig reagiert, agiert der Panda hier deutlich verzeihlicher und animiert interessanterweise viel mehr zum niedertourigen dahinrollen. Die aufwendigen Digitalgrafiken des 500 ersetzen hier simple orangefarbene Balkendiagramme, die ungefähre Aufschlüsse geben, was der Antriebsstrang gerade tut oder fordert. Ansonsten bleibt der Panda die erfrischende Alternative im Minisegment, in dem vor allem die Koreaner mit dem Kia Picanto und jetzt Hyundai mit dem i10 massiv aufgerüstet haben. Um dem etwas zu entgehen, wird der Panda verstärkt Richtung SUV beplankt und verstärkt in seinen Cross-Varianten vermarktet, die zudem eine bessere Marge bringen. Auch er gönnt sich in der Stadt schlampig gefahren mal über 7,0 Liter/100 km, kann aber ebenso wieder 500 auf eine fünf vor dem Komma heruntergespart werden, Über Land klappt das ohnehin besser.

Die Preise bleiben zivil. Der 500 „Hybrid“ startet bei 13.990 Euro brutto (11.756 Euro netto), die Launch Edition kostet 17.990 Euro brutto (knapp 15.118 Euro netto). Der Panda kostet ab 13.490 (knapp 11.340 Euro) als Launch Edition kostet er 15.190 Euro brutto (knapp 12.765 Euro).

Was bedeutet das?

Das war bitter nötig: Fiat brauchte dringend einen neuen Basismotor und die in der Grundversion nur 77 Kilogramm wiegende „Firefly“-Maschine stellt den Anschluss wieder her und erweist sich als ausbau- und zukunftsfähig. Insofern ist er die klare Empfehlung für 500 und Panda. Eine Empfehlung wäre auch die „Lauch-edition“ mit recycelten Materialien: 1,5 Kilo Meeresabfälle respektive 60 Plastikflaschen verarbeitet die Seaqual-Inititaitive für die Fiat-Sitze, auf denen man gut sitzt und die gut aussehen.

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