felyx: Erste Erfolge und neue Führung

Der niederländische E-Scooter-Sharer will unter der neuen Chefin Marjorie Simon die Männerdominanz kontern und das Verkehrsmittel als Autoersatz forcieren. In Düsseldorf und Hamburg steigen die Nutzerzahlen. Umfrage: Häufig werden die Roller in der Freizeit genutzt, aber oft als Autoalternative. 

Roll(er)t gern: Die neue felyx-Chefin Marjorie Simon ist überzeugte Micromobility-Verfechterin und will den Dienst weiter voranbringen. | Foto: felyx
Roll(er)t gern: Die neue felyx-Chefin Marjorie Simon ist überzeugte Micromobility-Verfechterin und will den Dienst weiter voranbringen. | Foto: felyx
Johannes Reichel

Der niederländische E-Scooter-Sharing-Dienst Felyx hat mit Marjorie Simon eine neue General Managerin an die Spitze berufen und will damit auch einen Gegenakzent zur Männerdominanz in der Branche setzen. Bereits seit 2017 beschäftigte sich die Unternehmensberaterin Simon mit der Entwicklung digitaler Produkte für die Mobilitätsbranche. Sie will jetzt für die Sharing-Plattform innovative und effiziente Ansätze entwickeln, auch ausgehend von ihren Erfahrungen bei dem letzten Arbeitgeber Allianz Partners, wo sie seit 2017 als Head of Product im Connected Car@Allianz Automotive Innovation Center tätig war.

„Schon vor dem Shared Mobility Boom war ich von Micro Mobility fasziniert. Seit 15 Jahren habe ich in Großstädten wie Paris oder Berlin gelebt und stets auf ein Auto verzichtet. Schon 2012, also bevor Kickscooter als Shared Modell nach Paris kamen, begann ich sofort sie zu nutzen", schildert die Managerin.

Simon beobachtet den Branchenboom in den letzten Jahren und begeistert sich für die Vorteile von Shared E-Rollern, die emissionsfrei, geräuschlos, aber auch effizienter und bequemer als Kickscooter seien. Sie kündigte an, nach Berlin, Düsseldorf und Hamburg bald auch neue Städte in Deutschland zu launchen und die Diversität in männerdominanter Tech- und Mobilitätsbranche zu fördern.

„In der Start-up-Szene, aber besonders im Tech- und Mobilitätsbereich, gibt es mit unter 20 Prozent leider nur einen viel zu geringen Anteil an Frauen in Führungspositionen“, erklärt Quinten Selhorst, CEO und Mitbegründer von felyx. 

Der Anbieter startete 2017 als Amsterdamer Start-up, das Elektroroller-Sharing in der Hauptstadt anbietet. Mittlerweile ist das Unternehmen in verschiedenen Städten in den Niederlanden und Belgien aktiv und Marktführer in den Benelux-Staaten. Dadurch wurden über 1.117 Tonnen CO2-Emissionen eingespart. Im vergangenen Jahr expandierte man in weitere fünf Städte. Mit dem anhaltenden Wachstum in den Benelux-Ländern und Europa will man dem übergeordnetes Ziel näher kommen, eine kompakte, geteilte und nachhaltige Transportmethode zu etablieren. Jüngste Zahlen aus Düsseldorf zeigen, dass es auch hier aufwärts geht. man sieh sich bereits als der zweitbeliebteste Anbieter von Leihrollern in Düsseldorf und habe im Gegensatz zum Wettbewerb zwischen dem 25. Juli und dem 25. August insgesamt 50 Prozent Wachstum an Fahrten pro E-Roller verzeichnet.

Umfragen: Freizeitnutzung dominiert, oft wird das Auto ersetzt

Zudem sieht man den positiven Effekt auf den Stadtverkehr in einer Umfrage unter felyx-Nutzer*innen bestätigt. "Fast jede dritte Fahrt mit einem E-Roller ersetzt die Tour mit dem eigenen Auto", resümiert man. 31 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ohne den Rollerdienst ihre Fahrten mit dem eigenen PKW machen würden. Fast 20 Prozent verzichten zudem auf das Nutzen von Car Sharing und nutzen stattdessen lieber die platzsparende Alternative in Form von felyx-Rollern. Das sei auch insofern signifikant, als die grünen Roller am meisten für Freizeitaktivitäten genutzt werden. Als Gründe rangieren die "Tour mit Freunden" und "Shopping in der City" ganz vorn. Dabei sagen fast 80 Prozent der Befragten, dass das Fahren mit den grünen E-Rollern Spaß macht, mehr als 65 Prozent haben die Erfahrung gemacht, dass es im Düsseldorfer Verkehr Zeit spart und über 60 Prozent der Befragten sind von der Flexibilität überzeugt.

Auch in Hamburg verzeichnete man zwischen 24. Juli und dem 21. August fast 25 Prozent Zuwachs an Fahrten pro Tag, selbst bei schlechtem Wetter. In der Hansestadt nutzt etwa jeder Zweite die Roller als Alternative zum Auto. In der repräsentativen Umfrage unter 985 Hamburger felyx-Nutzer*innen gaben 26 Prozent an, dass sie ohne den Dienst ihr eigenes Auto für die Fahrt verwendet hätten. Weitere 30 Prozent wären statt E-Roller mit einem Car-Sharing-Auto gefahren, auch hier entlaste das Angebot also den Stadtverkehr, befindet der Anbieter. Auch hier waren "Fahrten in der Freizeit" dominierend und auch an der Elbe finden fast 80 Prozent, dass das Fahren Spaß macht. Weitere 58 Prozent hätten die Erfahrung gemacht, dass es im Hamburger Stadtverkehr Zeit spart und 56 Prozent der Befragten sind von der Flexibilität überzeugt.

 

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