Feinstaub: Elektroautos treiben Reifenabrieb

Durch höhere Gewichte und enorme Drehmomente wird der Reifenabbrieb mit der E-Mobilität nicht weniger - und damit auch der Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt.

Obacht, Abrieb! Mit den gestiegenen Drehmomenten und Gewicht elektrifizierter Fahrzeuge könnte der Reifenabrieb noch stark zunehmen. BMW will ihn wenigstens "grüner" machen und setzt beim X5 PHEV jetzt auf Pirelli-Pneus aus Naturkautschuk. | Foto: BMW
Obacht, Abrieb! Mit den gestiegenen Drehmomenten und Gewicht elektrifizierter Fahrzeuge könnte der Reifenabrieb noch stark zunehmen. BMW will ihn wenigstens "grüner" machen und setzt beim X5 PHEV jetzt auf Pirelli-Pneus aus Naturkautschuk. | Foto: BMW
Johannes Reichel

Wie eine neue Studie des britischen Messinstituts Emissions Analytics nahelegt, könnte das Feinstaubaufkommen durch Reifenabbrieb im Zuge der Elektrifizierung der Fahrzeuge noch weiter ansteigen. Darüber berichtet die Süddeutsche Zeitung. Bei einer Untersuchung mit einer Mercedes C-Klasse, bereift mit Contisport 6-Pneus, lag die Feinstaubmenge mit Fahrer an Bord bei 76 Milligramm pro Kilometer, 15-fach höher als das Rußlimit aus dem Auspuff. Im beladenen Zustand mit 570 Kilo an Bord stieg die Feinstaubmenge sogar auf 194 Milligramm.

So könnten die noch weit schwereren E-Fahrzeuge auch einen noch höheren Feinstaubeintrag in die Umwelt verursachen. Dieser übersteige gemeinsam mit den Reifen, Bremsen und Aufwirbelungen nach Hochrechnungen der OECD ab 2035 die Feinstaubproduktion durch Verbrennungskraftmaschinen. Besondes hoch sei das Aufkommen, wenig überraschend, an Ampeln und Kreuzungen, wo stark gebremst und beschleunigt werde, sowie in Kurven so eine Untersuchung der TU Berlin.

Größte Einzelquelle von Mikroplastik

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN wiederum sieht Reifenabbrieb als eine der größten Quellen für Mikroplastik, die ein Viertel des Mikroplastikgehalts in den Weltmeeren ausmache. Auch das Umweltbundesamt UBA sieht Reifenabrieb als größte Einzelquelle für Plastikeintrag, vor synthetischen Fasern oder Plastikflaschen und Müll. Der größte Eintrag finde dabei in den Boden statt, zwölf bis 20 Prozent in die Gewässer, fünf bis zehn Prozent in die Luft, wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) ermittelte. Aber auch auf der Fahrbahn verbleibe viel von den Partikeln. Das könne in Zukunft mit rechtzeitiger und gezielter Straßenreinigung oder speziellen Kanalisationsfiltern, aber auch durch flüssigere Verkehrsführung reduziert werden, wie Experten der TU Berlin vorschlagen und jetzt in einem Projekt mit der Audi Stiftung für Umwelt vertieft analysieren. 

Bei den Bemühungen, die Reifen "grüner" zu machen, hatte jüngst BMW Fortschritte vermeldet und stattet seit kurzem den schweren Geländewagen X5 Plug-in-Hybrid mit Pirelli-Pneus aus zertifiziertem Naturkautschuk aus. Continental erprobt derzeit den Einsatz von Löwenzahnlatex. Davon wird der Reifenabrieb selbst aber nach Conti-Erkenntnissen nicht geringer, die Eigenschaften seien äquivalent.

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