FCA startet Vehicle-to-grid-Projekt

Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und ENGIE EPS starten ein gemeinsames Projekt, das eine intelligente Ladeinfrastruktur für eine Interaktion zwischen Elektrofahrzeugen und dem öffentlichen Stromnetz in Italien zum Ziel hat.

 

FCA startet mit Eni ein V2G-Projekt. | Foto: FCA
FCA startet mit Eni ein V2G-Projekt. | Foto: FCA

Die Vehicle-to-Grid (V2G) Technologie ergänzt ein Abkommen, das FCA im September 2019 mit dem italienischen Energieversorgungsunternehmen Terna geschlossen hat. Die erste Phase dieses Pilotprojekts hat jetzt im Turiner FCA Werk Mirafiori begonnen. Nach der Fertigstellung soll diese Anlage die größte ihrer Art weltweit sein. Die Vehicle-to-Grid-Technologie stellt laut FCA einen der stärksten Anreize für die weitere Verbreitung einer nachhaltigen Elektromobilität dar. V2G ist eine wichtige Säule einer raschen Energiewende, die Elektromobilität für alle zugänglich macht und so zu einer Verringerung der CO2-Emissionen beiträgt.

Intelligentes System für nachhaltige Energienutzung

Um das Stromnetz zu stabilisieren, soll eine Interaktion mit den rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugmodellen von FCA aufgebaut werden, was gerade in Italien von hoher Wichtigkeit ist. Mit der V2G-Technologie und ähnlichen Systemen lässt sich die Entwicklung erneuerbarer Stromquellen fördern, bei denen die Energieerzeugung konzeptionsbedingt nicht programmierbar ist. Die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen und der damit verbundene erhöhte Bedarf an Ladestrom könnten die öffentlichen Netze zumindest zeitweise destabilisieren. Die Lösung des Konfliktes zwischen Energiebedarf und -produktion ist eine intelligente Infrastruktur, die in Echtzeit beispielsweise auch das Batteriemanagement von E-Autos einschließt. So könnte das zukünftig im FCA Werk Mirafiori entwickelte System ein Schlüsselelement für das Gleichgewicht im Stromnetz sein. Roberto Di Stefano, Head of EMEA E-Mobility bei FCA, erklärt dazu:

„Im Durchschnitt bleiben Autos zu 80 bis 90 Prozent des Tages ungenutzt. Während dieses langen Zeitraums können Kunden, wenn sie ihr Fahrzeug über die Vehicle-to-Grid-Technologie an das öffentliche Stromnetz anschließen, einen finanziellen Ausgleich oder kostenlose Energie als Gegenleistung für den geleisteten Puffer-Dienst erhalten. Ihre individuellen Mobilitätsbedürfnisse werden dabei in keiner Weise beeinträchtigt. Dieses Projekt ist Teil einer umfangreichen Technologiekooperation zwischen ENGIE EPS und FCA, die seit 2016 besteht. Das Hauptziel dieser Partnerschaft besteht darin, die Gesamtkosten für Elektrofahrzeuge von FCA durch Angebote zu senken, die exklusiv unseren Kunden zur Verfügung stehen.“

Carlalberto Guglielminotti, CEO von ENGIE EPS ergänzt dazu:

„In dieser Zeit des erzwungenen Stillstands in Italien bauen wir in Zusammenarbeit mit FCA die Zukunft des Landes weiter aus. Wir entwickeln die Technologie, die das Stromnetz zur Unterstützung des Betriebs von Elektroautos benötigt. Gleichzeitig wird das Projekt auch zur allgemeinen Stabilisierung des Stromnetzes beitragen.“

Die aktuell weltgrößte V2G-Anlage

Die Bauarbeiten für das Projekt haben begonnen. Die Anlage auf dem Gelände von Mirafiori umfasst eine Fläche von rund 3.000 Quadratmetern. Geplant sind 64 Zweiwege-Schnellladestationen mit einer Leistung von jeweils bis zu 50 Kilowatt. Die zentralisierte Infrastruktur und das Steuerungssystem, die neben der Ladefunktion für Elektrofahrzeuge auch die Netzwerkdienste der Vehicle-to-Grid-Technologie bereitstellen, wurden von ENGIE EPS entwickelt, patentiert und gebaut. In Phase 1 des Projekts werden zunächst 32 V2G-Säulen für bis zu 64 Elektrofahrzeuge installiert. Die Fertigstellung ist für Juli 2020 geplant. Bis Ende 2021 wird die Infrastruktur auf bis zu 700 Elektrofahrzeuge erweitert. Sie können über die Säulen aufgeladen werden und stellen im Gegenzug dem Stromnetzbetreiber bestimmte Netzdienste zur Verfügung. In seiner endgültigen Konfiguration ist die Anlage darauf ausgelegt, eine Regulierungskapazität von bis zu 25 Megawatt bereitzustellen. Damit wäre das V2G-System in Mirafiori das größte weltweit. Durch die Kombinationen mit anderen Projekten innerhalb der Turiner Fabrik – beispielsweise mit der fünf Megawatt leistenden Solarstromanlage auf dem Gelände – wird die neue V2G-Infrastruktur zum virtuellen Kraftwerk.

Carlalberto Guglielminotti, CEO von ENGIE EPS:

„Hochrechnungen gehen davon aus, dass europaweit die gesamte Speicherkapazität von Batterien in Elektrofahrzeugen im Jahr 2025 bei 300 Gigawattstunden liegen wird. Das wäre die größte dezentrale Ressource, die dem europäischen Energiesystem zur Verfügung stehen könnte. Die Vehicle-to-Grid-Infrastruktur, die bisher fast ausschließlich aus experimentellen Projekten bestand, ist jetzt bereit für den nächsten Schritt. Das Projekt im FCA Werk Mirafiori gibt das Startsignal hierzu. Wir sind zuversichtlich, dass bald weitere Lösungen für die Fahrzeugflotten aller Unternehmen hinzukommen.“

Was bedeutet das?

Inzwischen werden immer mehr Fahrzeuge auf das V2G-System vorbereitet und es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis das System umfangreich genutzt wird. FCA und ENGIE EPS investieren in einen Bereich, der sich in Zukunft richtig lohnen könnte. Vielleicht stehen Elektroautos bald als Stromspeicher für ganze Städte bereit?

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