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FCA schönt mit Tesla-Hilfe die CO2-Bilanz

Nach Medienberichten will der italienisch-amerikanische Autobauer seine schlechte CO2-Flottenbilanz mit millionenschweren Zahlungen an den kalifornischen E-Auto-Pionier Tesla kurzfristig retten.

Hübsch, aber zu durstig: In Relation zur Größe verbrauchen die Fiat-Modelle zu viel. Deshalb will sich der Hersteller mit Emissionspunkten erworben von Tesla freikaufen. | Foto: FCA
Hübsch, aber zu durstig: In Relation zur Größe verbrauchen die Fiat-Modelle zu viel. Deshalb will sich der Hersteller mit Emissionspunkten erworben von Tesla freikaufen. | Foto: FCA
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Johannes Reichel

Nach einem Bericht der Financial Times plant der italienisch-amerikanische Fiat-Chrysler-Konzern (FCA), durch den Ankauf von "Emissionspunkten" im Wert von mehreren hundert Millionen Euro seine Flottenbilanz beim CO2 aufzubessern. Durch die Begründung eine sogenannten Emissionspools könnte sich der Anbieter sozusagen freikaufen. Ansonsten müsste der Hersteller befürchten, von der EU ab 2020 Strafzahlungen auferlegt zu bekommen, weil er die Zielvorgabe für den Flottenausstoß verfehlt. Nach einer Analyse von PA Consulting wäre FCA von allen Herstellern am schlechtesten gewappnet und müsste allein für das Jahr 2021 mit 700 Millionen Euro Buße rechnen. Diese orientiert sich auch an der Zielgröße für den Konzern, die aufgrund des hohen Anteils von Kleinwagen sogar niedriger als die durchschnittlich vorgeschriebenen 95 gCO2/km liegen müsste, laut PA etwa bei 92 gCO2/km. Der Hersteller werde diese Marke um sieben Prozent verfehlen, schätzen die Berater.

Der Spritverbrauch eines Fiat Panda mit 69 PS liegt etwa auf dem Niveau eines BMW der 3er-Reihe mit 258 PS. Im ADAC-Ecotest lag der Verbrauch eine Fiat 500 Twin Air mit 105 PS bei 141 gCO2 statt der vom Hersteller angegebenen 99 gCO2/km. Ein Fiat 500X mit 1,4-Liter-Turbobenziner rangierte mit üppigen 211 gCO2/km fast am Ende der Ecotest-Liste, für ein 1,4 Tonnen schweres Kompakt-SUV deutlich zu hoch. Einziger Lichtblick für FCA sind die Natural-Power-Modelle: So rangiert etwa der Fiat Panda NP im Ecotest auf Platz 6. Im vergangenen Jahr hatten sich auch schon die Hersteller Mazda und Toyota sowie PSA und Opel in Emissionspools zusammengetan, um ihren CO2-Ausstoß zu nivellieren.

Was bedeutet das?

Es ist ein wahrhaft schmutziger Deal, den FCA da mit Tesla einfädelt - und für beide Seiten fast schon eine Bankrotterklärung. Für FCA technisch, weil sie über Jahre viel zu wenig in sparsame und innovative Antriebe investiert haben, wenn man mal von dem Nischenprodukt Panda Natural Power absieht. Die überwiegend Turbobenziner neigen vor allem auf der Autobahn und unter Last zum hemmungslosen Saufen und weisen neben miserablen sonstigen Schadstoffwerten auch noch üble CO2-Emissionen aus.

Aber auch für den selbsternannten Weltenretter Elon Musk und Tesla ist es ein Offenbarungseid, in moralischer Hinsicht: Denn seine weiße Weste bekäme damit deutlich rußige Flecken, die Bilanz seiner ach so sauberen Elektro-Renner wäre versaut. Schon bisher ist dieser grenzwertige Ablasshandel höchst fragwürdig, aber Tesla verdient mit seinen "Zero Emission Vehicle Credits" hunderte Millionen Euro, laut BBC in den vergangenen drei Jahre mehr als 1 Milliarde US-Dollar, die man eben mit den Fahrzeuge bisher nicht verdient und die man aber dringend braucht. Der Glaubwürdigkeit der Marke ist das nicht dienlich - und als Kunde sollte man sich überlegen, ob man dem charismatischen Kalifornier auf den Leim geht - oder nicht doch lieber ein klimaneutral produziertes, fast komplett recycelbares Elektrofahrzeug von BMW, einen preiswerten Korea-Stromer, einen Ökostromer vom Kleinstanbieter Sono Motors kauft - oder gar bald von Volkswagen. Und die EU sollte sich überlegen, ob das Verschiebe-System des "legalen Ablasshandels" über "Super Credits" wirklich der Sache dient: Dem Kampf gegen die Klimakrise.

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