FCA: Quo vadis, Fiat?

Fiat-Pressesprecher Luca Napolitano hat für 2020 die Rückkehr der italienischen Marke versprochen – vollumfänglich dürfte das erst mit PSA als Fusionspartner zu schaffen sein. Doch die Zeit drängt.

2018 zeigte man in Brasilien die Studie eines Fastback-SUV-Coupés, es kamen: neue Motoren für Panda und 500. | Foto: FCA
2018 zeigte man in Brasilien die Studie eines Fastback-SUV-Coupés, es kamen: neue Motoren für Panda und 500. | Foto: FCA
Gregor Soller

Immerhin, ein Anfang ist gemacht: Mit der neuen „Firefly“ genannten Motorenfamilie hat Fiat immerhin schon mal neue moderne Drei- und Vierzylinder-Basismaschinen für die ganze Welt im Programm, die aus 1,0 respektive 1,33 Liter Hubraum zwischen 70 und 180 PS schöpfen. Parallel dazu wird man ab März den 500e nachschieben und dann soll laut dem begeisterten Napolitano in der zweiten Jahreshälfte „noch etwas“ kommen.  

Die Frage ist nur, was? Das Konzept „Centoventi“ könnte als Stromer neben dem Panda erstehen, wenngleich es ja selbst die Panda-Nachfolge für sich beansprucht. Der Punto wurde ohne Nachfolger eingestellt, wodurch bei Fiat jetzt ausgerechnet im extrem wichtigen B-Segment grundlos eine Lücke klafft, die man per PSA-CMP-Plattform schnell füllen könnte – mit einem Schwestermodell des Opel Corsa respektive Peugeot 208. Wird aber noch dauern. Imagebildende Modelle wie den 124 kickte man auch als Abarth nach kurzer Zeit wieder aus dem Programm, obwohl der ohnehin bei Mazda gefertigt wurde – trotzdem betonte Napolitano noch dessen jüngste Rallyeerfolge in der seriennahen R-GT-Serie.

Das "Topmodell" ist momentan der Tipo, bewusst als Billigheimer geplant, wo er vor allem in Südeuropa auch einen guten Job macht. Doch gegen Golf 8 und Co. tut er sich schwer. Darüber könnte ein schickes SUV-Coupé stehen, das Fiat in Sao Paolo jetzt als Studie präsentiert hat – mit neuen, eleganten Ansätzen. Dieses Modell würde sicher weltweit funktionieren und muss nicht mal als Billigheimer starten, womit wir schon beim nächsten Thema wären, der generellen Positionierung der Marke: Mit Panda, Tipo, Doblo und Ducato bietet man in jedem Segment eher die günstigst möglichen Alternativen ohne große technische Fortüne an. Die 500-Familie ist dagegen preislich und vor allem optisch eine Klasse höher positioniert und eingepreist, könnte aber ebenfalls ein High-Tech-Update vertragen.    

Auch hier könnte man künftig in den PSA-Baukasten greifen, sofern man nicht die eigenen Strukturen von Jeep und Co. weiterspielen möchte, die unlogischerweise nicht auf den 500 X übertragen wurden. Der wäre nämlich ohne Weiteres auch als PHEV zu bauen, ist vorübergehend aber so nicht geplant – warum?

Dazu kommt das Geschäft mit den Services, die auch für Fiat immer wichtiger werden. So sind unter der Tochter „Leasys“ 300 Mobility Stores mit 1200 Ladepunkten geplant, eine Car Cloud, aus der man für einen monatlichen Festpreis diverse Autos je nach Bedarf ausleihen kann oder das angebot „Leasys Miles“, bei man nur nach Kilometern bezahlt aus dem ich auch ein Sharing-Link ableiten lassen soll. Mit Enel X zieht man in Italien, Spanien und Portugal ein Ladenetz hoch, der Rest von Europa wird hier mit Engie angegangen…aber auch hier kann FCA Deutschland auf Nachfrage nicht genau sagen, welche Pakete auch nach Deutschland kommen. Genausowenig wie das SUV-Coupé außerhalb Brasiliens kommuniziert wurde, obgleich es mit Renegade-PHEV-Unterbau eine starke weltweite Ansage gewesen wäre.

Und so wirbelt Napolitano weiter über die Bühne und hofft insgeheim vielleicht selbst, dass er zur zweiten Jahreshälfte dann endlich mal wieder eine echte Neuheit präsentieren kann – die für das mittlerweile sehr lückenhafte Fiat-Programm bitter nötig wäre um wirklich nachhaltig zurückzukehren.

Was bedeutet das?

Viele Ideen, Studien und immer wieder Ankündigungen. Vieles davon tut dringend Not und hätte konzeptionell sogar Hand und Fuß. Doch statt irgendetwas davon umzusetzen, streicht FCA sein Fiat-Programm dezent immer weiter zusammen. Wirkliche Topseller sind nur noch 500 und Ducato, um die herum ein komplett neues Programm aufgebaut werden muss. Man darf gespannt sein, wo die Italiener beginnen werden.

 

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