Fastned: Standortzugang ist wichtiger als Subvention

Niederländischer Schnellladepionier präsentiert seine Pläne für einen rascheren Ausbau der Infrastruktur und zieht im Zweifel den Zugang zu autobahnnahen Grundstücken einer staatlichen Incentivierung vor.

Gelb und grün: Der Strom aus den Fastned-Säulen stammt aus regenerativen Quellen - und teils vom eigenen Solardach. | Foto:
Gelb und grün: Der Strom aus den Fastned-Säulen stammt aus regenerativen Quellen - und teils vom eigenen Solardach. | Foto:
Johannes Reichel

Im Vorfeld der anstehenden Debatte im Bundestag am 5. und 6. Mai über eine Ausschreibung für den Bau und Betrieb von 1.000 öffentlichen Schnellladestationen für Elektroautos hat der europäische Schnellladepionier Fastned heute seinen Beitrag zur Verwirklichung dieses Ziels vorgestellt. Man sei der Ansicht, nur der freie Wettbewerb um attraktive Standorte stelle sicher, dass die besten Bewerber:innen die Chance erhalten, die Ladeinfrastruktur zu bauen und zu betreiben, glaubt der Anbieter. Dadurch werde ermöglicht, den deutschen Elektroautofahrer:innen ein qualitativ hochwertiges Schnellladeerlebnis zu bieten. Mit bereits 19 Ladestationen in Deutschland und 137 in ganz Europa sei man bereit, die Expansion in Deutschland zu beschleunigen, bekräftigte der Betreiber.

Zugang zu Schlüsselstandorten ermöglichen

Man hoffe, dass die angekündigte Ausschreibung der Bundesregierung den Ausbau der Ladeinfrastruktur deutlich beschleunigt – nicht nur durch die Vergabe von Fördermitteln, sondern besonders durch den Zugang zu Schlüsselstandorten in einem offenen und wettbewerbsorientierten Verfahren. Dies werde es den besten Unternehmen ermöglichen, die benötigte Infrastruktur zu entwickeln, den Roll-out zu beschleunigen und das Vertrauen der deutschen Autofahrer:innen in Elektromobilität zu stärken, sind die Niederländer sicher.

„Wenn die richtigen Standorte zur Verfügung stehen, werden wir Ladestationen mit Dutzenden von Schnellladepunkten entlang der Autobahn bauen, an denen man in nur 15 bis 20 Minuten Hunderte von Kilometern Reichweite aufladen kann", erklärte Michiel Langezaal, CEO von Fastned.

Ziel sei es, dass Fahrer:innen von Elektroautos die gleiche Erfahrung machen wie Fahrer:innen von Verbrennern oder es sogar ein Ladeerlebnis sei. Essentiell seien dafür bequeme Durchfahrstationen ohne Rangieren, mit einem Dach zum Schutz vor Regen, einem Shop mit einem zeitgemäßen Sortiment und sanitären Einrichtungen.

Das Hinzufügen von Ladesäulen an Tankstellen ist nicht genug

Dabei betrachtet Langezaal die Annahme mit Skepsis, dass Tankstellen die notwendige Ladeinfrastruktur bereitstellen werden, wenn die Zeit reif sei. Die notwendige Geschwindigkeit und der Umfang des Baus einer funktionierenden Schnellladeinfrastruktur würden dabei stark unterschätzt, glaubt der CEO. Er prognostiziert, dass bis 2030 rund zehn Prozent der Autos in Deutschland elektrisch angetrieben sein werden. Dies erfordere Schnellladestationen mit Dutzenden von Schnellladesäulen in der Größe einer Tankstelle. Gleichzeitig könne man die herkömmliche Tankstelle jedoch nicht direkt ersetzen, da 90 Prozent der Autos immer noch mit fossilen Brennstoffen fahren würden. Um die neue Infrastruktur aufzubauen, müssten also schnell neue Standorte her.

„Eine große Schnellladestation zu entwickeln, an der Dutzende von Autos gleichzeitig mit hoher Geschwindigkeit geladen werden können, ist etwas völlig anderes, als ein paar Ladesäulen auf einem Supermarktparkplatz oder an der Rückseite eines Tankstellenshops aufzustellen", präzisierte Langezaal.

Er forderte, in die Zukunft zu denken und große, skalierbare Ladehubs zu schaffen. Nur so könne man die Ladekapazitäten bereitstellen, die der deutsche E-Mobilitätsmarkt bald benötigen werde, so seine Überzeugung.

Nach Start in den Niederlanden wird jetzt zügig expandiert

Fastned ist in fünf Ländern aktiv und der größte Betreiber von Schnellladestationen in den Niederlanden. Das in Amsterdam ansässige Unternehmen startete 2012, nachdem es in einer öffentlichen Ausschreibung eine große Anzahl von Autobahnstandorten gewonnen hatte. Darauf aufbauend wurde 2015 eine flächendeckende Versorgung in den Niederlanden mit 50 Schnellladestationen entlang der nationalen Autobahnen erreicht. Die Schnellladestationen mit den gelben Solardächern seien bewusst weithin sichtbar und sollen signalisieren, dass eine verlässliche Schnellladeinfrastruktur bereitsteht, auch der breiten Öffentlichkeit. Ziel sei es, aktiv Vorbehalte gegen Elektromobilität und „Reichweitenängste“ abzubauen Eine qualitativ hochwertige Schnellladeinfrastruktur entlang der Autobahnen sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen.

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