Faraday Future – Produktionsstart des Luxus-Stromers FF 91 erneut verschoben

Das Start-up hat bereits 2,4 Milliarden Dollar in die Entwicklung des Luxusautos investiert und muss überraschend erneut den Produktionsstart absagen.

Faraday Future FF91 Fururist, der Edel-Stromer mit über 1.000 PS, sollte eigentlich schon in der Produktion sein.| Foto: Faraday Future
Faraday Future FF91 Fururist, der Edel-Stromer mit über 1.000 PS, sollte eigentlich schon in der Produktion sein.| Foto: Faraday Future
Thomas Kanzler

Die Faraday Future Intelligent Electric braucht – wieder - frisches Geld. Das 2014 gegründete amerikanische-chinesische Start-up Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Gardena versucht derzeit, mehr als 200 Millionen Dollar einzunehmen, um doch noch zeitnah mit der Produktion starten zu können. Andere Quellen sprechen sogar von rund 325 Millionen Dollar, die benötigt werden, um den Betrieb bis zum 31. Dezember zu finanzieren.

Schneller als Model S

Das 2,9 Tonnen schwere Luxus-Modell Faraday Future FF91 Futurist soll 783 kW (1.065 PS) leisten und 180.000 Dollar kosten. Mit 2,4 Sekunden beschleunigt der Oberklasse-Stromer schneller als ein Tesla Model S. Der Akku mit 130 kWh soll für eine Reichweite von bis zu 610 Kilometern ausreichen. Wir berichteten bereits im August 2018 von dem im selben Jahr geplanten Serienstart. Es kam – wie bei vielen Start-ups, anders.

Wegen finanzieller Schwierigkeiten stand das Unternehmen bereits auf der Kippe. Faraday Future stoppte daraufhin den bereits begonnen Bau der Fabrik und verkaufte 2019 sogar den Firmensitz in Los Angeles, um kurzfristig wieder liquide zu sein. Der ehemalige BMW-Manager Carsten Breitfeld übernahm die Leitung von Gründer Jia Yueting und brachte das Unternehmen wieder auf Kurs.

Seltsame Finanzgebaren des Start-ups

Statt eines klassischen Börsengangs gelangte das Elektroauto-Unternehmen vor einem Jahr durch eine sogenannte SPAC (Special Purpose Acquisition Company) an die New Yorker Börse NASDAQ. Eine SPAC hat keine eigene Geschäftstätigkeit sondern wird einzig mit dem Ziel gegründet, Geld von Investoren einzusammeln. Ist die SPAC an der Börse notiert, wird sie mit einem nicht börsennotierten Unternehmen verschmolzen. Durch diesen Kniff nahm Faraday Future eine Milliarde Dollar ein.

Vorsitzender des Verwaltungsrates wurde der ehemalige Gouverneur Nevadas, Brian Krolicki, der über eine Holding knapp 39 Prozent der Stimmrechte hielt. Februar 2022 musste er den Vorsitz schon wieder abgeben. Die US-Börsenaufsicht SEC (Security Exchange Commission) wirft ihm vor, die Anleger in die Irre geführt zu haben. Krolicki hatte unverbindliche Anfragen für den Faraday Future FF91 Futurist als verbindliche Aufträge dargestellt.

Dieses Jahr hat Faraday Future sogar verabsäumt, den Jahresabschluss 2021 rechtzeitig zu erstellen. Anfang April drohte die SEC daher mit dem Delisting von der Börse. Das konnte Faraday Future noch abwenden – inzwischen seien alle erforderlichen SEC-Eingaben erfolgt, betont das Management.

Neue Investoren stellen Bedingungen

Eine Gruppe neuer Investoren möchte über 100 Millionen Dollar investieren, stellt aber als Entfernung von Krolicki aus dem Verwaltungsrat als unbedingte Forderung. Geld, dass das Unternehmen unbedingt benötigt. Im ersten Quartal des laufenden Jahres hatte Faraday Future 153 Millionen US-Dollar Verlust ausweisen müssen. Trotz der Einnahme von einer Milliarde beim Börsengang im Juli 2021 beliefen sich die Geldreserven am 31.März 2022 nur noch auf 277 Millionen Dollar.

Lieferkettenprobleme und gestiegene Preise

Die Einkaufspreise für Komponenten sind in der letzten Zeit erheblich gestiegen, die Lieferketten funktionieren nur unzuverlässig. Um die Produktion des Edel-Stromers aufnehmen zu können, reichen die Rücklagen des kalifornischen Unternehmens nicht aus.

Was bedeutet das?

Auch bei Faraday Future brauchen die Investoren Ausdauer und Phantasie. Bei einer Kursrally in der ersten Julihälfte stieg der Aktienkurs von Faraday Future zwischenzeitlich auf das dreifache. Grund dafür waren nicht etwa neue Nachrichten aus der Konzernzentrale, sondern offenbar Anleger, die spekulierten. Es bleibt spannend, ob die Kalifornier noch in diesem Jahr die ersten Elektrofahrzeuge ausliefern können.

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