Faraday Future ernennt Carsten Breitfeld zum CEO

Der Mitbegründer von Byton dürfte vor schwierigen Aufgaben stehen.

Steht wieder mal vor einer Wende: Faraday Future. | Foto: Faraday Future
Steht wieder mal vor einer Wende: Faraday Future. | Foto: Faraday Future
Gregor Soller

Noch vor einigen Jahren waren Faraday Future und Byton direkte Konkurrenten: Beide chinesischen Marken entwickeln Premium-Elektro-SUV für den Weltmarkt. Doch während Byton seine Entwicklung sukzessive und vergleichsweise störungsfrei vorantrieb, fuhr Faraday Future finanziell mehrfach Achterbahn. Jetzt soll es Carsten Breitfeld richten: Er verlies Byton im April 2019 eher überraschend und soll jetzt bei „FF“ Global CEO werden. Der Gründer der Marke, Jia „YT“ Yueting, wird als CEO zurücktreten und künftig als CPUO (Chief Product & User Officer) tätig sein. Breitfelds Beweggründe sind, dass er Yueting seit einigen Jahren kenne und habe sich mit ihm in der Vergangenheit bereits immer wieder über einen Eintritt ins Unternehmen unterhalten habe.

„Ich schätze seinen Unternehmergeist und bewundere seine Vision, das zukünftige Mobilitäts-Ökosystem erfolgreich vorherzusagen.“

Das hat bisher nur teilweise geklappt, denn Faraday Future macht immer wieder mit klammen Kassen Schlagzeilen. Auch die weitere Begründung Breitfelds hilft da nicht viel, denn ein „neues Mobilitäts-Ökosystem“ wollte er bereits mit Byton – finanziell deutlich gesünder – etablieren:

  „Einer der Hauptgründe, warum ich zu FF gekommen bin, war YT und seine Vision, wie das Mobilitäts-Ökosystem die Branche verändern wird.“

Chinesischen Medien berichteten bereits über Yuetings Rückzug als CEO. Außerdem wolle er mit der Einrichtung eines Treuhandfonds sowohl seine persönlichen Schulden als auch die Schulden des Unternehmens begleichen. Der Treuhandfonds wurde in der Mitteilung ebenfalls bestätigt.Wie das Portal pandaily.com schreibt, solle der Treuhandfonds mit Jias Anteilen an Faraday Future finanziert werden. Das soll ihm und dem Unternehmen nach einem künftigen Börsengang genügend Geld einbringen, um die Schuldenberge abzutragen. Jia soll zudem erklärt haben, dass er die volle Verantwortung für die Rückzahlung seiner Schulden übernehmen werde. Darüber hinaus will Jia Anteile in einem nicht näher genannten Umfang verkaufen.

Man darf abwarten, ob Faraday Future seine Finanzen in den Griff bekommt, zumal das Unternehmen laut einem Insider auch stark vom Wohlwollen des chinesischen Staates abhängt, der im Hintergrund immer mal wieder Kredite gewährte, um den Geldhahn dann abrupt wieder zuzudrehen. Ob China angesichts der aktuellen Abkühlung der Wirtschaft überhaupt noch Interesse an „FF“ hat, ist fraglich, zumal das Unternehmen viele Negativ-Schlagzeilen produzierte.Breitfeld muss Faraday Future jetzt also schnell auf Kurs und endlich in ruhiges Fahrwasser bringen. Yueting hofft auf Breitfelds Erfahrung und dessen Renomee:

„Mit Dr. Breitfeld als CEO ist die Zukunft von FF so vielversprechend wie nie zuvor.“

Außerdem will Faraday Future einen Global Chairman einstellen, was für die Neuorganisation des Top-Management-Teams wichtig ist.

Was bedeutet das?

Im Überlebenskampf ist Faraday Future zäh: Immer wieder gibt es Pleiten und Rückschläge, trotzdem entwickelt man den FF91 sukzessive weiter. Ob die Ära Breitfeld jetzt den Befreiungsschlag bringt, muss der rührige Manager erst noch beweisen. Sein Abgang bei Byton überraschte jedenfalls viele, denn Entwicklung und Aufbau dieser Marke liefen bisher vergleichsweise störungsfrei.

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