Fahrvorstellung Porsche Taycan Cross Turismo

Erstaunlich anders: Mit dem Cross Turismo bietet der Taycan nicht nur mehr Platz, sondern auch viel mehr Alltagskompetenz als die Limousine.

Der Cross Turismo kommt auch dort noch hin, wo der Standard-Taycan längst aufsitzt. | Foto: G. Soller
Der Cross Turismo kommt auch dort noch hin, wo der Standard-Taycan längst aufsitzt. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Schon beim Einsteigen wundern wir uns: Drei Zentimeter mehr Sitzhöhe können im Falle des Taycan eine Welt sein. Klar, sitzt man doch in der Limousine sehr bodennah und noch tiefer als im 911! Und, auch das war klar, im Fond gibt es jetzt 47 Millimeter mehr Kopffreiheit, mit Glasdach gar 49 Millimeter – das merken vor allem groß gewachsene Passagiere. Und dahinter gibt es immerhin 39 Liter mehr Kofferraum als in der Limousine, aber, noch wichtiger, eine große Heckklappe, die nach dem Umlegen der Rücksitze bis zu 1.212 Liter Ladevolumen freigibt. Dazu kommen prinzipbedingt minimal schlechtere Fahrleistungen und Verbrauchswerte und merklich höhere Preise, die ausstattungsbereinigt aber auf für Porsche extrem günstige 1.500 Euro Differenz brutto zur Limousine zusammenschnurren.

Das größere Heck hat man schnell vergessen

Nach der Sitzprobe im Fond wird es Zeit, auf den Drivers Seat zu wechseln und loszulegen: Als Testroute hat Porsche diesmal eine knapp 150 Kilometer lange, freudig-serpentinige Nebenstraßenstrecke von Zuffenhausen nach Künzelsau ausgesucht, die durch das Gebiet Hohenlohe führt. Dort verwischen die Unterschiede zur Limousine schnell: Auch der Cross Turismo liegt verbindlich in den Kurven und baut zu schnelle Eingangsgeschwindigkeiten über die Vorderräder schiebend ab. Dank Allrad (immer Serie) verlässt er sie aber ganz schnell und gripstark wieder - auch hier fahren die Unterschiede nur Profis heraus. Klar, auf dem Rundkurs lässt er laut Christian Wolfsried, dem Chassismanager des Taycan ein paar Zehntel auf die Limousine liegen und er echt öfter mal offroad geht, solle doch die kleineren 20-Zöller nehmen: Die Federn besser als die 21-Zoll-Räder und bieten mehr Grip und passten optisch mit dem großwandigeren Reifen auch besser zum Auto. Trotzdem achtete man auch hier auf den Rollwiderstand, der schlechtestenfalls ein „B“ trägt.

Auch der "Cross" wird zu den sparsamen Stromern gehören

Weshalb der auch der „Cross“ zu den sparsamen Stromern gehört: Auf unserer freudig gefahrenen Runde lagen wir am Ende bei gut 24 kWh/100 km – in der Praxis dürften das ca. 0,5 bis eine Kilowattstündchen mehr sein als bei der Limousine. Ganz groß ist der Unterschied jedoch abseits befestigter Straßen: Wo diese gern mal schnell aufsetzt und man deshalb öfter zur „Lift“-Taste greift als gedacht, durchschreitet der Cross Turismo anstandslos auch tiefe Verwerfungen, kann sogar etwas Verschränken und gript sich im Gravel-Mode überall fest: Dann wird auch das Hinterachsdifferenzial vorgespannt respektive gesperrt, die Luftfedern werden vom Kompressor dauergestrafft, so dass der Taycan dann etwas steifbeinig, aber eben erstaunlich kompetent auf wilden Wegen herumstakst, die man der Limousine nie zumuten könnte. Entsprechend kann man ihn per Lift-Funktion auch noch mal um einen Zentimeter anheben, um dann bis zu drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit als bei der Limousine zu haben. Das sind Welten, um die man hier weiterkommt – aber auch noch Welten zu echten Geländegängern wie Macan oder Taycan. Denn Höhe schadet der Aerodynamik, weshalb sich auch der Cross auf der Autobahn absenkt.

Auch beim Zubehör wurde mitgedacht!

Dazu hat Porsche eine Dachbox gestalten lassen, die bis 200 km/h im Weissacher Windkanal getestet wurde und zugelassen ist, ebenso wie zwei nicht ganz billige E-Bikes für die Kupplung auf dem Heck. Auch hier wurde mehrfach mitgedacht, denn: Der Träger lässt sich schräg wegkippen, um die Heckklappe auch mit Bikes am Heck öffnen zu können. Vorher ist die Heckklappe gesperrt, um sie nicht durch versehentliches Öffnen zu verkratzen.

Weniger logisch ist dagegen die Koppelung der optionalen Dachreling an das Panoramadach, das man aber auch ohne Reling ordern kann und welches neben mehr Luftigkeit auch noch mal zwei Millimeter Innenhöhe bringt. Womit wir wieder einsteigen und zurückfahren. Und erfreut feststellen, wie viel alltagstauglicher der Cross gegenüber der Limousine ist. Weshalb Porsche ihm in den typischen „Kombimärkten“ Deutschland, UK, Skandinavien und Russland auch 40 Prozent Anteil zutraut, während man weltweit mit 25 Prozent rechnet. So oder so hat Porsche gut daran getan, den Cross Turismo so weg von der Limousine zu positionieren. Porsche-Fans mit genug Geld nehmen beide…wenngleich Teslas Model S und X ihnen in Sachen Raumausnutzung für weniger Geld definitiv einen großen Schritt voraus bleiben – nicht mehr jedoch bei Leistung und Effizienz!

Was bedeutet das?

Porsche hat sein Taycan-Programm klug aufgefächert und mit überschaubarem, aber doch gar nicht geringen Aufwand zwei doch sehr unterschiedliche Varianten geschaffen. Jetzt könnte man natürlich einen tiefen Cross und einen hochgelegte Mad-Max-Limousine mit fettem Reserverad im Heck..? Die Porsche-Jungs hätten jedenfalls noch viele weitere Ideen zum Thema und man darf gespannt sein, was da noch kommen könnte. 

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