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Fahrbericht Wey Coffee 01 – Heiße Melange oder kalter Kaffee?

Den Great Wall Konzern kennt man in Europa kaum. Der 1984 gegründete Hersteller hat aber schon über 11 Millionen Fahrzeuge verkauft. Jetzt kommt die Sub-Marke Wey mit dem SUV Coffee 01 mit Premium-Anspruch nach Europa – wir konnten den Plug-in-Hybrid in Portugal testen.

Selbstbewusster Auftritt des Wey Coffee 01.| Foto: Wey
Selbstbewusster Auftritt des Wey Coffee 01.| Foto: Wey
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Thomas Kanzler

Warum Coffee? Wey will die neue Marke als warm, freundlich und sympathisch etablieren. Der Plug-in Hybrid hat viel Power und ist gekonnt gestaltet, ein bisschen von Maserati, ein wenig DS7, von der Größe positioniert sich der Coffee 01 ziemlich genau zwischen Audi Q5 und Audi Q7. Der Coffee 01 entwächst so dem D-Segment, immerhin streckt sich das SUV auf 4,87 Meter Länge, ist 1,96 Meter breit und 1,69 Meter hoch. Das Design des Coffee 01 ist aber durchaus gefällig, präsent - aber nicht zu aggressiv.

Von Anfang an als Hybrid entwickelt

Great Wall hat den Coffee von Beginn an als Plug-in Hybrid konstruiert. So mussten die Chinesen keine nachträglichen Kompromisse bei der Umgestaltung eines Verbrenners zum Hybrid machen und konnten eine – für Hybrid Verhältnisse – riesige 40 kW Batterie im Unterboden einplanen. Damit soll der Coffee rein elektrisch bis zu 146 Kilometer weit kommen – weit mehr als jedes andere Fahrzeug dieser Klasse, wie Phillip Kemmler, Head of Communication Europe bei Wey betont.

„Natürlich ist der Plug-in-Hybrid eine Brückentechnologie. Die Brücke ist aber sehr lang. Bis die Infrastruktur zum elektrischen Fahren zuverlässig ausgebaut ist, kombinieren wir das Beste aus zwei Welten“, erläutert Vittorio D’Arienzo, Director for Product Planning.

Premium Interieur

Beim Einsteigen empfängt den Fahrer ein sehr wertig gestalteter Innenraum. Leder, Alcantara und aufwändig gesteppte Nähte, wie bei einer deutschen Premium-Marke. Vorne fühlt man sich wohl, auch haptisch sind die Materialen Premium-würdig. Wir konnten sowohl in einem (fast) ganz in schwarz gehaltenen als auch in dem zweifarbigen Interieur Platz nehmen. Wie fast immer wirkt der Innenraum in Kontrastfarben gefälliger - hier eine Art Grau (mit einem Lila-Stich) zu einem Sandfarbenen Ton.

Der lange Radstand von 2,91 Metern sorgt für komfortable Platzverhältnisse auch auf der Rückbank. Als Testfahrer sollte man allerdings in Zukunft bei der Sitzprobe auf der Rückbank kontrollieren, ob die Kindersicherung aktiviert ist. So saß unser Redakteur mit einem Kollegen im Fond und beide schlossen die Türen, um dann festzustellen, dass auf der Rückbank wirklich üppig Platz vorhanden ist, dass zwischen den Sitzen nach vorne klettern aber einige Geschicklichkeit erfordert.

Drei Bildschirme und ein Head-up-Display

Im Zentrum des gekonnt gemachten Interieurs sitzt das 14,6 Zoll Touchdisplay mit einer Fülle von Infos. Hinter dem Lenkrad ist ein 9´´-Zoll-Display verbaut, das die wichtigsten Informationen gestochen scharf darstellt. Aber eigentlich ist das Highlight das 7,5-Zoll Head-up-Display, das optional mit AR-Funktionen ausgestattet werden kann. Die Bedienung der Klimatisierung erfolgt über ein weiteres Display. Die Bedienung des 9-Zoll-Touch-Screen zwischen den Sitzen ist allerdings schwierig, da man das Display schlecht einsehen kann und der Screen einfach zu sehr spiegelt.

Fahrsysteme und Infotainment noch in der Beta-Version

Leider war die Menüführung auch nach einem Tag mit dem Fahrzeug häufig undurchsichtig. Zwar ist der Coffee 01 mit allerlei Komfort-Features ausgestattet und verfügt über mehr als 20 Sensoren, Phillip Kemmler betonte aber, dass es noch Software-Updates geben werde, bevor die ersten Coffee 01 an die Kunden gehen würden. Und dass schien uns auch nötig. Einige Funktionen wie der Spurhalte-Assistent reagierten noch recht grobschlächtig, der Tempomat ließ sich zwar aktivieren, er stellte sich aber immer wieder aus uns unbekannten Gründen ab. Der Sprachassistent verstand unsere Anweisungen nur zum Teil und hatte mitunter mit der deutschen Grammatik zu kämpfen.

Die 360-Grad Kamera zeigt das Fahrzeug scharf und aus zahlreichen Perspektiven. Aber warum man beim selbständigen Parken erst separat die Kamera aktivieren muss, um dann erst ins „automatisierte Einparken“-Menü zu kommen, erschien uns nicht logisch. Und auch das Einparken des Coffee 01 war noch nicht flüssig, wir verbuchten einige Fehlversuche bis das Hybrid-SUV einen perfekten Einparkvorgang schaffte.

Sehr viel Leistung

Die Systemleistung des 01 beträgt 350 kW (476 PS) und katapultiert das SUV in 5,0 Sekunden von 0 – 100 km/h. Das Drehmoment beträgt 847 Nm. Dabei wird die Leistung der Motoren bis 100 km/h nur zu 70 Prozent abgerufen, erst ab Tempo 100 geben die Motoren volle 100 Prozent. Rein Elektrisch regelt der Coffee 01 bei 130 km/h ab, bei zusätzlicher Verbrenner-Power erst bei 235 km/h.

Der Antriebsstrang besteht aus zwei E-Motoren und einem 2,0 Liter-Turboverbrenner. Die Kraft auf die Straße bringt ein 9-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Die Abstimmung der Komponenten ist sehr gut gelungen, das Umschalten zwischen E-Motoren und Verbrenner ist wie die Schaltvorgänge des Getriebes kaum zu bemerken.

Aber zu weiches Fahrwerk

Die hohen Leistungsdaten treffen beim Coffee 01 auf ein (zu) komfortabel ausgelegtes Fahrwerk. Obwohl die Batterien im Unterboden für einen niedrigen Schwerpunk sorgen und der Coffee 01 eigentlich satt auf der Straße liegt vermittelt auch die Lenkung nie das Performance-SUV-Gefühl, dass man bei knapp 500 PS erwarten würde. Man kann im Menü sowohl Fahrwerk als auch Lenkung in den Sport-Modus schalten, trotzdem bleibt die Lenkung eher schwammig und das Fahrwerk noch weich und unverbindlich.

Den Verbrauch konnten wir nur ungefähr ermitteln. Nach etwa 120 Kilometern war der Akku leergefahren. Nach etwa 400 Kilometern kamen wir auf 6,6 Liter/100 km. Der Coffee 01 rekuperiert aber ganz ordentlich. Bei einer Serpentinenabfahrt hatten wir schnell wieder 10 Kilometer Reichweite im Akku. Falls gewünscht kann der Verbrenner – etwa für Städte mit Verbrennerverbot - den Energiespeicher während der Fahrt auffüllen.

„So können sie die ganze Woche über in der Stadt elektrisch unterwegs sein und erst am Wochenende, wenn es aufs Land geht, spielt der Verbrenner seine Reichweite aus“. erklärt Pillipp Kemmler.

Der Preis ist heiß

Ab 55.900 Euro bekommt man den Coffee 01 Premium. Bis auf das AR-Head-up-Display sind alle Features serienmäßig enthalten. Die 59.900 Euro Luxury-Version bietet neben der AR-Funktion beim Head-up-Display Alcantara-Gestühl, ein Panoramadach von Webasto und den Parkassistent. Bestellt werden kann ab sofort, die ersten Coffee 01 sollen sogar noch dieses Jahr ausgeliefert werden. Service bietet die Emil Frey-Gruppe mit rund 60 Verkaufspunkten in Deutschland. Im Gegensatz zu den europäischen Premium-Herstellern gewähren die Chinesen eine Garantie von fünf Jahren mit unbegrenzten Kilometern. Auf den Antrieb und die Batterie gewährt Wey sogar acht Jahre, begrenzt die Laufleistung dann aber auf 160.000 Kilometer.

Was bedeutet das?

Das Fahrzeug sieht wirklich gut aus, fährt sich komfortabel und erreichte beim EuroNCAP den insgesamt drittbesten jemals erreichte Wert. „Die Eintrittskarte nach Europa ist EuroNCAP“, so Phillipp Kemmler. Beim Europa Debüt setzt Wey auf die Melange von Verbrenner und E-Motor – und präsentiert ein gelungenes Premium SUV, (noch) mit einigen Software-Schwächen.

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