Fahrbericht Skoda Octavia 1,5 TGI G-TEC: Nochmal voll angasen!

Die verkannte Alternative im konsequenten Erdgasbetrieb, für die Skoda rund 2500 Euro Aufpreis zum vergleichbaren Benziner verlangt.

Der G-Tec unterscheidet sich optisch nicht vom übrigen Octavia-Programm. | Foto: G. Soller
Der G-Tec unterscheidet sich optisch nicht vom übrigen Octavia-Programm. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Auch den neuen Octavia bietet Skoda (vielleicht letztmalig) als Erdgasversion an. Dabei leistet der 1,5 TGI-Ottomotor 96 kW (130 PS), die er über das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) portioniert. Durch die sauberere Verbrennung von Erdgas sollen die CO2-Emissionen im CNG-Modus laut Skoda um rund 25 Prozent gegenüber dem Benzinbetrieb sinken, außerdem fallen deutlich weniger Stickoxide (NOx) und keine Rußpartikel an. Im CNG-Modus soll sich der G-TEC mit einem kombinierten Verbrauch von 3,4 bis 3,5 kg/100 km sowie 4,6 l/100 km im Benzinbetrieb begnügen. Wichtig für Flotten sind hier die 93 bis 96 g/km, die an CO2-Emissionen anfallen. Die CNG-Kapazität von 17,33 Kilogramm ermöglicht im Erdgasmodus laut Skoda eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern, mit Benzin aus dem 9-Liter-Tank kann der Octavia G-TEC bis zu weitere 190 Kilometer zurücklegen. Das Umschalten zwischen CNG- und Benzinbetrieb erfolgt automatisch ohne Eingriff des Fahrers. Die drei CNG-Tanks (zwei aus Kompositmaterial, einer aus Stahl) sind vor und hinter der Hinterachse untergebracht. Das Kofferraumvolumen des G-TEC beträgt damit etwas weniger als bei den reinen Verbrennern: Es verbleiben immer noch großzügige 455 Liter bei der Limousine und 495 Liter beim Kombi.

Wir haben die Erdgasversion bereits gefahren und waren von der unauffälligen Arbeit des G-Tec angetan. Allerdings muss man bei Leistung und Drehmoment merkliche Abstriche gegenüber den Plug-in-Hybriden und den kräftigeren Dieseln machen, denn hier muss man mit 200 Newtonmeter Maximaldrehmoment auskommen. Genügt für den Alltag immer noch dicke, allerdings wirkt der Octavia dann schon deutlich zäher als seine Geschwister, was sich vollbeladen eher noch stärker bemerkbar machen dürfte. Auch den Verbrauch schafften wir nicht: Beim Landstraßenbummeln mit viel Stopp-and Go in kleinen Ortschaften im Burgenland, wo wir erste Testfahren machten, kamen wir kaum unter 5,0 kg/100 km. Aus Erfahrung wissen wir aber, dass man über lange Autobahnpassagen, die man dezent fährt oder Landstraßen ohne Stopp-and-Go gut unter diese Marke kommt und sich sogar den 4,0kg/100 km annähern kann. Und so bares Geld gegenüber den Benzinern und Dieseln spart!

Ansonsten bleibt auch der G-Tec ein typischer Octavia: Fein gestaltet und verarbeitet mit stimmiger Haptik und tollen Detailideen – auch hier mit einem Zug Richtung Premium, den sich Skoda einfach nicht mehr verkneifen kann. Das gilt auch für die Preise, die zwar noch moderat, aber eben nicht mehr absolut billig ausfallen. Er startet bei 30.276 Euro (das sind exakt 26.100 Euro netto) als Ambition (der Kombi startet ab 30.959 Euro, das sind knapp 26.700 Euro netto). Dabei bringt er schon die 16 Zoll großen Leichtmetallfelgen im Design Twister Aero mit und Parksensoren hinten sowie elektrisch anklappbare Außenspiegel. Neben aktiven Sicherheitssystemen wie Frontradarassistent inklusive City-Notbremsfunktion und Personen- und Radfahrererkennung, Multikollisionsbremse und Spurhalteassistent gehören die elektronische Quer-Differenzialsperre XDS+, Berganfahrassistent, Speedlimiter und Geschwindigkeitsregelanlage zum serienmäßigen Lieferumfang. Im Innenraum sorgt das einfache Musiksystem „Swing“, hier „nur“ mit 8-Zoll-Infotainmentdisplay und digitalem Radioempfang DAB+ sowie Bluetooth-Freisprechanlage für Unterhaltung. Dazu packt Skoda die Smartphone-Schnittstelle SmartLink mit den Standards MirrorLink, Apple CarPlay und Android Auto, die mit und ohne Kabelverbindung nutzbar ist. Die Zweizonen-Climatronic, ein Lederlenkrad mit Multifunktionstasten und Schaltwippen für das DSG sowie der Regensensor und Fahrlichtassistent mit Coming- und Leaving Home-Funktion ergänzen die prinzipiell vollständige Basisausstattung.

Darüber rangiert der besser ausgestattete Style, der ab 32.606 Euro (das sind netto 28.108 Euro) bereitsteht (der Kombi kostet ab 33.289 Euro, das sind knapp 28.700 Euro netto).Das zum gleichen Preis angebotene Sondermodell Octavia G-TEC First Edition verfügt darüber hinaus über das Navigationssystem Columbus und Infotainment Online. Daraus ergibt sich ein Kundenvorteil von 1.374 Euro brutto gegenüber dem G-TEC Style. Das Sondermodell First Edition wird zuerst an Kunden ausgeliefert, die Version Ambition und Style folgen später.

Was bedeutet das?

Der neue Octavia (intern „A8“ genannt) dürfte der Letzte mit Erdgasmotor sein, was schade ist, denn die Technik hätte viel Potenzial, das allerdings niemand mehr so recht zu heben wagt – zuletzt hat es der VW-Konzern nach Kräften versucht, doch selbst dieser geballte Anlauf brachte keine „Wende“. Insofern sind die geplanten 14.000 Stück respektive sechs Prozent am Octavia-Gesamtabsatz jährlich optimistisch, wenn man bedenkt, dass allein die „Topmärkte“ Deutschland, Tschechien und Italien maximal 2.000 Einheiten jährlich ordern könnten. Wo die anderen 8.000 G-Tec verkauft werden sollen, ließ Skoda offen. Schade um die tolle Technik, die jetzt sehr ausgereift ist. Doch welche Flotte beginnt jetzt im Zuge der Elektrifizierung noch, sich ernsthaft Gedanken über CNG zu machen?

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