Fahrbericht Peugeot E-Ludix: Bald auch für Profis

Rollerfans kennen Peugeots Ludix noch als schlanken 50er-Daily-Driver: Der Mutterkonzern Mahindra, der die motorisierte Zweiradsparte der Franzosen übernahm, hat den schlanken Roller jetzt verstromt.

Den E-Ludix will Peugeot bald auch als Profi-Version für Lieferdienste anbieten. | Foto. G. Soller
Den E-Ludix will Peugeot bald auch als Profi-Version für Lieferdienste anbieten. | Foto. G. Soller
Gregor Soller

Der indische Mischkonzern Mahindra hat ein gutes Händchen für Motorrad- und Mopedmarken und lässt derzeit diverse Brands wiederauferstehen oder in einen neuen Frühling fahren. Bereits 2015 stiegen die Inder bei Peugeot ein, bis 2021 wollen sie ein ganz neues Programm ausrollen. So auch bei Peugeot: Schon wenige Monate nach der kompletten Übernahme strickte Mahindra das Chassis auf Elektroantrieb um und gleicht auch optisch weiter dem einstigen Verbrenner. Die Analoganzeigen ersetzte man durch ein 4,4 Zoll großes, am Lenker montiertes monochromes, aber gut ablesbares Display, das Fahrmodi, Speed und Reichweite anzeigt. Der kleine Projektionscheinwerfer leuchtet über die Zwölf-Volt-Bordbatterie und verrät, dass der Ludix in seinen Grundzügen schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat: Die technoide Optik eines Niu ist ihm ebenso fremd wie die Retrodesigns von Vespa oder Schwalbe – trotzdem wirkt er nicht alt, sondern im besten Sinne zeitlos.

Den Verbrenner ersetzt eine 2,5 kW respektive vier PS starke 48-Volt-Bosch-E-Maschine, die vor dem Hinterrad hockt und üppige 35 Newtonmeter Drehmoment bietet. Die Kraft überträgt ein Riemen, gekapselt durch die einarmige Hinterradschwinge. Der Bosch-Motor läuft übrigens fünfphasig, was gegenüber den üblichen zwei- oder dreiphasigen Maschinen die Vibrationen reduziert und das  nutzbare Drehmoment erhöht. Der 1,6 kWh große und elf Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Akku soll je nach Fahrweise bis zu 50 Kilometer Reichweite bieten. Hier hilft auch das Gewicht: Mit 88 Kilogramm wiegt der Stromer nur zwei Kilogramm mehr als der einstige 50er-Verbrenner, der seinerseits schon zu den eher schlanken 50er-Rollern zählte.

Am linken Hebel wählt man dann die Fahrmodi: Eco lässt es eher gemütlich angehen, Cruise passt gut für den Alltag und Boost macht dem Zwerg dann schon ganz gut Beine, sowohl beim Ampelstart als auch beim Zwischenbeschleunigen. Dann schmilzt die Reichweite allerdings wie bei allen Stromern schnell zusammen: Auf unserer eher kurzen, aber flotten Ausfahrt an der Mittelmeerküste wären wir rund 36 Kilometer weit gekommen, wobei wir mit gut 40 km/h auch immer nahe am Topspeed unterwegs waren, das real nicht ganz 50 km/h beträgt. Lässt man den e-Ludix im Eco-Modus dahinschleichen und verkneift sich den Spaß am (Zwischen-)Spurt, kommt man weiter. Doch dafür ist der schlanke Scooter eigentlich nicht gemacht, denn wegen seiner schmalen Statur und Verkleidung lässt er sich leicht in die Kurven legen und kann auch schräge Schräglagen gut ab, da hier weder Verkleidung noch Seiten- oder Hauptständer aufsetzen. Seine Leistung bringt der Ludix dabei lange spielerisch auf die Straße: Bei rund 20 Prozent Restkapazität drosselt er dezent zurück, aber erst wenn weniger als fünf Kilometer Restreichweite vorhanden sind, drosselt er die Leistung merklicher ein. Bei weniger als zwei Kilometern gehen dann nicht mehr wie 20 km/h. 

Zum Laden muss man den Akku unter der Sitzbank herausholen, wo ihn ein Textilriemen justiert und hält. Diesen muss man lösen und das Stromkabel abziehen, bevor man den Block dann an einem soliden Griff herausziehen kann. Das Ladegerät stammt hier nicht von Bosch und bleibt besser zu Hause, denn Stauraum dafür gibt es keinen, außer man nimmt es im Rucksack oder in einem Topcase mit. Der Akku ist übrigens „die halbe Miete“ des rund 3500 Euro teuren Rollers – ein Zweitakku schlägt mit 1440 Euro extra zu Buche. Laut Peugeot ist er nach drei Stunden zu 80 und nach vier Stunden zu 100 Prozent geladen – an der Haushaltssteckdose. Auch preislich rangiert der e-Ludix damit übrigens in der Mitte zwischen chinesischen No-Names und den Edelstromscootern von Piaggio oder der solide-schweren Schwalbe von Govecs (die rund 120 Kilogramm wiegt), was auch für die Verarbeitung gilt: Alles wirkt ordentlich gemacht und haltbar, aber zur grundsoliden Verarbeitung mancher Premiumscooter hält der e Ludix eben auch Respektabstand. 

Das gewichtigste Argument für den Stromer dürften aber seine laufenden Kosten sein: 100 Kilometer Fahrstrom kosten im Idealfall weniger als einen Euro und die Wartungskosten sollen merklich niedriger ausfallen als beim Verbrenner. Deshalb plant Peugeot jetzt auch eine „Pro“-Version: Dort ersetzt eine Gepäckbrücke die ohnehin kurze Zweierbank. Dort soll dann hinter dem Einzelsitz Platz für Aufbauten wie isolierte Pizzaboxen oder Ähnliches sein. Und auch Free2Move, die Mobilitätstochter des PSA-Konzerns überlegt schon, wie sie neben dem Ludix eines Tages vielleicht auch wieder Peugeot-Fahrräder und E-Bikes in ihr Mobilitätsportfolio einbinden kann.

Was bedeutet das?

Mahindra plant weiter und gibt Peugeot Motocycles Rückenwind. Auf der Eicma präsentierte man einen stärkeren 85-km/h E-Ludix für rund 4500 Euro und wieder Peugeot-Motorräder mit bis zu 400 Kubik – aber wieder als Verbrenner. So oder so: Mahindra hat den „Gashahn“ bei Peugeot Motocycles jedenfalls wieder voll aufgedreht.

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