Fahrbericht Opel Rocks-e: Charakter-Quader

„Es ist kein Auto!“ Bei der Präsentation des Opel Rocks-e in Frankfurt am Main ist das der wichtigste Satz. Der Opel Rocks-e ist ein SUM – ein „Sustainable Urban Mobility“ – und fährt sich auch so!

Nicht als Citroen Ami, sondern als Opel Rocks-e kommt der Stellantis-Würfel jetzt auf deutsche Straßen. | Foto: Alexander Bonn
Nicht als Citroen Ami, sondern als Opel Rocks-e kommt der Stellantis-Würfel jetzt auf deutsche Straßen. | Foto: Alexander Bonn
Thomas Kanzler

Der als Citroen Ami gestartete City-Stromer ist winzig, mit 2,41 Metern Länge noch einmal 20 Zentimeter kürzer als ein Smart Fortwo, gerade einmal 1,39 Meter breit bei einem Gewicht mit Batterie von 471 Kilogramm. Der Elektromotor leistet 6kW/8 PS, kurzzeitig sind bis zu 9 kW (12 PS) abrufbar - und beschleunigt die kleine Kiste in 10 Sekunden auf die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Die 5,5 kWh-Batterie kann innerhalb von 3,5 Stunden an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose aufgeladen werden, das Kabel dazu ist fest mit dem Fahrzeug verbunden und lässt sich aus einem Fach bei der Beifahrertür entnehmen. Zum Tanken an einer öffentlichen Ladesäule benötigt man einen separat erhältlichen Adapter. Die Reichweite wird mit 75 Kilometer (WLTP) angegeben. 

Das „Nicht-Auto“ ist offiziell als Leichtkraftfahrzeug L6e eingestuft – mit dem Führerschein AM – früher dem Moped-Führerschein – also für Jugendliche ab 15 zu fahren. Das führt auch zu extrem günstigen Versicherungstarifen. Mit Kasko kostet er nur rund 100 Euro im Jahr, außerdem spart man sich die Hauptuntersuchung. Außerdem soll der Rocks-e eine Alternative zu ÖPNV und e-Bike bzw. e-Scooter sein. Emissionsfrei im Stadtverkehr unterwegs und dabei wettergeschützter als ein e-Roller - und zuverlässiger als der ÖPNV soll der kleine Stromer auch eine Alternative für Pendler sein.

Klare Kante beim Design

Das Design nennt Opel „kompromisslos, mutig und klar“ – dem können wir uns anschließen. Die identische Gestaltung von Front und Heck sowie an Fahrer und Beifahrerseite, die identisch gestalteten Türen, der Opel ist auf jeden Fall außergewöhnlich. Die Beifahrertür schwingt nach vorne auf und die Fahrertür gegenläufig nach hinten. Um bequem einsteigen zu können, sollten sie allerdings etwas weiter zu öffnen sein. Ungewöhnlich ist auch die robuste und gewichtsoptimierte Konstruktion des SUM. Auf einen Stahlprofilrahmen sind durchgefärbte Kunststoff-Karosserieelemente montiert, der Stahlrahmen ist innen sichtbar, auf Isolierung der Fahrkabine wird verzichtet.   

Tres francaise: Die Hupe im Blinker kehrt zurück

Die Reduzierung auf das Notwendigste ist Programm. Es gibt ein kleines Display, dass die Geschwindigkeit, Fahrmodus, den Ladezustand der Batterie und die verbleibende Reichweite anzeigt. Dazu 3 Tasten am Armaturenbrett für Heizung und Warnblinkanlage. Die Schalter für die Fahrmodi befinden sich links am Fahrersitz – Drive, Neutral und Reverse. Eine Smartphone-Halterung ermöglicht Navigation und Unterhaltung mit dem eigenen Handy – für einen Bluetooth-Lautsprecher aus dem Zubehörprogramm gibt es eine Aussparung an der Mittelkonsole. Eine Parrot - Freisprecheinrichtung ist ebenfalls im Zubehörprogramm erhältlich, die man innen an den offenen Stahlrahmen klemmt.

„Es ist kein Auto!“ Beim Einsteigen macht sich erst einmal Erleichterung breit. Man fühlt sich durch die große Kopffreiheit und das serienmäßige Glasdach im lichten Innenraum wohl. Obwohl alles um einen herum aus Hartplastik ist, selbst die Sitze sind Hartplastikschalen mit einer Auflage aus Plastik, ist es erstaunlich bequem. Störend für große Fahrer – der Testpilot ist 1,90 Meter groß – ist allerdings, dass der Hinterkopf über das ( Plastik - ) Kissen der Kopfstütze herausragt und die harte Kante des ( Hartplastik - ) Sitzes am Hinterkopf spürt.

Der Rocks-e piept wohl - und fährt dann los

Also, Knopf links am Sitz auf „D“ gestellt, der Rocks-e piept einmal und setzt sich dann in Bewegung. Die Federung ist eher rumpelig, die Lenkung spontan. Es ist eine andere Art zu fahren. An den Ampeln gibt man immer Vollgas, nur dann kann man gut mit dem Verkehr mithalten. Die Begrenzung auf 45 km/h ist in den Nebenstraßen kein Problem, dort ist sowieso keiner schneller als 45 km/h unterwegs. Auf den Hauptstraßen wird man allerdings schnell zum Hindernis. Noch hat der Opel Rocks-e den „Welpen-Bonus“, die anderen Verkehrsteilnehmer waren interessiert an dem kleinen Stromer und behandelten in mit Rücksicht.

8.000 Euro für ein "Nicht-Auto" ganz schön viel - oder eben nicht?

Der Elektro-Einsteiger startet bei 7.990 Euro brutto, das sind knapp 6.720 Euro. Für die beiden Ausstattungsvarianten Rocks-e Klub und Rocks-e TeKno ruft Opel brutto 8.790 Euro (knapp 7.390 Euro netto) auf, womit er immerhin im Bereich voll wettergeschützter Mehrspur-Pedelecs liegt. Beide Varianten fahren mit Radzierkappen im x-Design vor und sind außen mit Zierstreifen akzenturiert. Innen gibt es Aufbewahrungsnetze und Einsätze in der Instrumenten – und Mittelkonsole. Bestellbar ist der kleine Stromer bei fast allen Opel-Händlern und im Internet ab sofort. Ausgeliefert und später geserviced und gewartet wird stets über das Opel-Händler-Netzwerk.

Was bedeutet das?

Der Ansatz, den Opel mit dem Rocks-e verfolgt, ist zweifelsohne interessant. Ob der Rocks-e ein Erfolg wird? Knapp 8.000 Euro für ein „Nicht-Auto“ ist trotzdem viel Geld, zumal es dafür (noch) keinen Umweltbonus gibt. Für Jugendliche könnte der Rocks-e einfach zu teuer sein, für über 18-jährige wiederum zu wenig Auto. Zumal man für etwas über 10.000 Euro bereits einen geförderten Elektro-Dacia Spring bekommt. Am Ende bleibt ein durchwachsenes Gefühl und vor allem die Frage, wie groß die Nische für ein „SUM“ ist, das eigentlich kein Auto sein will, sondern…? 

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