Fahrbericht Mitsubishi Eclipse Cross PHEV

Sich kümmerndes Charaktergesicht: Mit dem Facelift stellte Mitsubishi dem Eclipse Cross einen Plug-in zur Seite, und korrigierte einige Details und Linien

Charaktergesicht: Der Eclipse Cross PHEV unterscheidet sich optisch merklich von den übrigen Eclipse-Cross-Verbrennern. | Foto: G. Soller
Charaktergesicht: Der Eclipse Cross PHEV unterscheidet sich optisch merklich von den übrigen Eclipse-Cross-Verbrennern. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Das Facelift hat dem Eclipse Cross gut getan: Die Front blickt jetzt noch charakterstärker rein und das seltsam rundliche Heck wurde glatt gestrichen. Dazu stellte man die Antriebe auf Plug—in-Hybrid only um, der hier parallel und seriell agieren kann und dank Dauerbestromung der Hinterachse auch für Allrad sorgt.

Der Outlander PHEV liefert die Basis

Basis und damit Technik stammen wie gehabt vom größeren Outlander, heißt: Der hubraumstarke 2,4-Liter- Benziner mit milden 72 kW (98 PS) arbeitet mit zwei E-Maschinen zusammen, die an der Vorderachse 60 kW (82 PS) und im Heck 70 kW (95 PS) beisteuern, was hier nicht einfach addiert werden darf, sondern 138 kW (188 PS) Systemleistung ergibt. Auf unseren Runden im Münchner Umland waren wir fast ausschließlich elektrisch unterwegs, womit man immer souverän unterwegs ist – außer bei schnellen Überholmanövern, wo der Eclipse dann den Verbrenner aus dem Schlaf reißt, der die plötzliche Hektik akustisch unwillig aufheulend kommentiert. Bei den Leitungsdaten hält man sich vornehm zurück und meldet bei Bedarf 10,9 Sekunden von null auf 100 km/h, 162 km/h Topspeed, wo rein elektrisch auch schon 135 km/h drin sind. Der kombinierte Verbrauch nach NEFZ liegt mit 1,7 Liter Kraftstoff plus 19,3 kWh Strom je 100 Kilometer vergleichsweise hoch, was einen CO2-Ausstoß von 39 g/km bedingt. Dabei arbeitet der Benziner auch hier (Japan-typisch) im Niedrig- und Teillastbetrieb im Atkinson-Zyklus mit verlängertem Expansionshub, was die Effizienz steigern soll. Bei hohem Leistungsbedarf treibt er den Eclipse dann direkt an. Sonst übernehmen so oft wie möglich die Elektromotoren und werden bei Bedarf vom Benziner unterstützt, der als Generator zusätzliche Energie für die Batterie liefern muss, auch um den Allrad an der Hinterachse immer aufrecht zu erhalten.

Noch selten bei Plug-ins: Der Akku kann DC-Schnellladen

Offiziell soll der brutto 13,8 kWh große Akku bis zu 61 Kilometer Reichweite nach NEFZ bieten – bei uns waren es bei sommerlichen Temperaturen eher 40 Kilometer plus x, wobei wir hier durchaus freudig unterwegs waren. Denn die E-Maschinen treiben den Eclipse gut voran und über zwei Rekuperationsstufen lassen sich viele Bremser sparen. An geeigneten DC-Säulen kann der Eclipse Cross in 25 Minuten auf 80 Prozent geladen werden. Aber auch das Normalladen mit Wechselstrom (AC) ist möglich: An einer Wallbox oder öffentlichen Ladestation ist der Akku bereits nach rund vier Stunden wieder zu 100 Prozent voll, an haushaltsüblichen 230V-Steckdosen dauert das Nachladen rund sechs Stunden. Davon bietet er übrigens selbst eine im Heck, an die sich alle möglichen Haushaltsgeräte anschließen lassen: Wir kamen so auf den Acker in den Genuss von frischem Espresso. Das Thema V2G bleibt bei Mitsubishi im Hintergrund präsent.

Dass der Eclipse vom Outlander abstammt, spürt man an der eher komfortablen Auslegung die fast alle Unebenheiten gekonnt wegbügelt und das Auto so größer wirken lässt als es ist. Was leider auch für die sanfte Federung und die indirekte Lenkung gilt, wodurch der Cross eher zu Gleiter als zum Kurvenräuber wird.

Innen gehört der Eclipse Cross zu den analogsten Modellen auf dem Markt: Ein Head-Up-Display, dass einfach eine rauf-runter-Taste hat, Assistenten, die sich einzeln per Taster wegschalten lassen? Danke, die Welt kann so einfach sein. Dafür gehört der Zentralscreen nach wie vor eher zu den unverständigen und teils etwas verschistelten Lösungen samt etwas langer Start- und Rechenzeiten, auch wenn beim Navi TomTom im Hintergrund die Route kalkuliert. Bezüglich der Spracheigabe zeigte sich er Eclipse eher taub, dafür fährt hat er ja all seine Tasten. Welche immer noch einfache ungestaltete Plastiktaster sind, von denen man in den 1980er Jahren Milliarden bestellt haben muss, um sie dann über Fahrzeuggenerationen zu verbauen.

Hat weiter absolute Gültigkeit: Der Slogan "Wir kümmern uns"

Auch der ganz „mitsu-spezifische“ Neuwagengeruch innen hat sich seitdem übrigens nicht geändert. Womit wir auch bei den positiv altmodischen Einstellungen der Marke sind, die trotz mittlerweile dünnem Portfolio immer gute Absätze hat – weil man auf B2B-Service bei 80 Prozent B2C-Kunden setzt! Weshalb man neuerdings den einfachen, aber in dem Fall wahren Slogan „wir kümmern uns“ gewählt hat. Dazu packt man fünf Jahre Garantie und deren acht auf den Akku und hat den Grund der Treue der Mitsubishi-Kunden erklärt – denen selten gewordene langfristige Verlässlichkeit wichtiger ist als durchdesignte Taster oder schlecht bedienbare Slider. Wobei man bei Connectivity und Infotainment gern noch eine Schippe draufpacken könnte. Die Preise starten bei 39.890 Euro brutto (das sind gut 33.520 Euro netto) vor Abzug der Förderung

Was bedeutet das?

Die Meldung, dass die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi sich je in Kernkompetenzen und -märkte aufsplitten würde, versetzte Mitsubishi einen kleinen Dämpfer, denn: Allrad, Südostasien und Ozeanien sind allesamt eher wenig bedeutend für den deutschen (Flotten-)Markt. Das kurzfristige „Freeze“ der MMC-Modelle hat der Eclipse Cross PHEV wieder aufgelöst. Die Zukunft könnte hier unter anderem Renault-Derivate (im Nutzfahrzeugbereich) und eher eigene rein elektrische Modelle (auf der CMF-Allianzbasis) bringen. Unsere Wunschliste würde rein elektrisch Pajero und Pajero Pinin umfassen (günstiger als G-Modell sowie Jeep Wrangler und Land Rover Defender PHEV), dazu einen elektrischen Lancer, der gern als Sportlimousine und Kombi antreten darf sowie einen kompakten preisgünstigen Nachfolger für den Space Star respektive i-MiEV, für den man ja die Basis des Dacia Spring nutzen könnte. Bis dahin kann man sicher sein, dass sich die bewährten Mitsus mit dem neuen Eclipse-Cross mit ihrer Verlässlichkeit (auch er Händler) um ihre Kunden kümmern!   

 

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